Pferde beschnuppern sich nach Pferde-Vergesellschaftung auf der Weide
Haltung

Pferde vergesellschaften – stressfrei und artgerecht

03.08.2022

Das Pferd ist ein Lauf-, Flucht- und Herdentier. Ein passendes Zuhause in einer harmonischen Herde ist aber nicht immer ganz einfach. In diesem Beitrag erfährst Du, wie Pferde artgerecht und stressfrei in eine bestehende Herde eingegliedert werden und was dabei zu beachten ist.

Grundvoraussetzungen einer Pferdeherde

Die Pferde sollten einen großzügigen Auslauf haben, damit die einzelnen Mitglieder der Herde die Möglichkeit haben, sich aus dem Weg zu gehen. Die Gabe von genügend Raufutter oder einem ausreichenden Angebot an Gras ist nicht zu unterschätzen. Hunger und Engpässe an der Raufe schlagen nämlich auf das Pferdegemüt. Verschiedene Wasserstellen können ebenfalls für mehr Ruhe sorgen. Das neue Pferd sowie die bestehende Herde können sich beim Saufen aus dem Weg gehen und es kommt nicht zu Rangeleien am Wassertrog.

 

Zusammenstellung einer Herde

Bei jeder Gruppenhaltungsform ist die richtige Zusammenstellung wichtig. Die Pferde sollten sich untereinander vertragen. Homogene Gruppen sind in der Regel besser verträglich. Sie bestehen aus einem Geschlecht – also nur Stuten oder nur Wallache.

In vielen Pensionsbetrieben und Pferdehöfen sind die Herden jedoch heterogen. Eine gemischte Herde aus Stuten und Wallachen kann ebenfalls gut funktionieren. Jedoch sollten Pferdehalter:innen ein paar Punkte nicht vergessen. Gerade in der Zeit der Rosse können Wallache die Stuten bedrängen und vermehrt an ihnen kleben. Das stresst nicht nur die Stute, sondern auch den Wallach.

Hengstfohlen, die nicht zur Zucht bestimmt sind, werden meist im Alter von circa zwei Jahren kastriert. Hengste lassen sich wegen ihres starken Sexualtriebes meist nur schwer in eine Pferdeherde integrieren, was eine artgerechte Haltung erschwert.

 

Rangordnung im Blick behalten

Wichtige Regel: Bei Konflikten sollte die Herde getrennt werden. Sonst kann es zu anhaltenden Rangeleien und Verletzungen kommen. Die Hierarchie und Rangordnung unter den Pferden kann sich bei jedem Zu- oder Abgang verändern. Daher muss die Herde immer sorgfältig beobachtet werden. Veränderungen in einer Gruppe sollten deshalb schrittweise vorgenommen werden.

Pferde vergesellschaften

Pferde lassen sich in der Regel leichter in große, als in kleine Herden integrieren. Die Chance einen Kumpel zu finden, ist in einer größeren Herde einfach höher. Der Neuankömmling sollte langsam ankommen und die Herde aus sicherer Entfernung kennenlernen. Die Pferde haben zunächst nur Sicht- und Sozialkontakt über eine Abgrenzung. Dazu kann zum Beispiel ein Teil des Auslaufes durch Litzen abgetrennt werden. Die Dauer dieser Eingewöhnung ist je nach Herde und Pferd sehr unterschiedlich. Oft reichen ein bis zwei Tage. Manchmal sind aber auch zwei Wochen nötig. Pferdehalter:innen sollte genau beobachten, wie die Pferde sich verhalten. Eile mit Weile! Im Zweifel ist es nicht schlimm die Vierbeiner einen Tag länger in der Eingewöhnungsphase zu halten, bevor doch eine Rangelei passiert.

Erste Zusammenführungen der neuen Herde

Oft macht es die Integration leichter, wenn zuerst nur der/die Herdenchef:in zum Neuzugang gelassen wird. Jetzt steht der erste Kontakt in der Gruppe an. Die Tiere müssen beobachtet und richtig eingeschätzt werden. Hierfür sind Kenntnisse über die Kommunikation von Pferden untereinander unbedingt erforderlich. Ein/e Verhaltenstherapeut:in oder erfahrene:r Pferdetrainer:in kann hilfreich sein.

 

Entspannte Pferdeherde – das ist zu beachten:

  • Es sollten ausreichend Futterplätze sowie Wasserstationen zur Verfügung stehen, sodass auch rangniedrige Pferde und Neuzugänge genügend zu fressen und zu trinken haben.
  • Es sollte auch ein ausreichend großer Unterstand vorhanden sein. Alle Pferde der Herde sollten genügend Platz haben, sodass im Notfall – zum Beispiel bei Regen oder heißen Temperaturen – jeder Schutz bekommt.
  • Lecksteine sind eine gute Möglichkeit, um den Pferden ausreichend Mineralien und Spurenelemente zuzuführen und sorgen für Abwechslung.
  • Auch Futterstroh, als Alternative zum Heu, kann bei vielen Pferden für Zeitvertreib sorgen. Äste zum Benagen sorgen ebenfalls für Kurzweil. Achtung: Nicht alle Zweige und Stämme sind .

Unmut in der Herde

Wenn sich ein Pferd über einen längeren Zeitraum nicht in eine bestehende Herde integrieren lässt und zu viele Konflikte und Verletzungen auftreten, sollte es herausgenommen werden. Es besteht oft der Trugschluss, dass ein rangniedrigeres Pferd einfacher integriert werden kann, trotzdem muss es sich genauso seinen Platz in der Herde sichern.

Konflikte in der Herde – diese Anzeichen geben Aufschluss:

  • Rangniedrige Pferde werden von Heustation oder Wasser gedrängt
  • Die Pferde legen sich weniger oder gar nicht ab
  • Stress kann sowohl dafür sorgen, dass die Pferde unruhig sind, als auch der daraus resultierende Schlafmangel für Mattigkeit
  • Es treten Trittspuren oder Bissverletzungen auf, welche über die üblichen Rangeleien hinausgehen

Welche Haltungsform ist empfehlenswert?

Es hängt von den Gegebenheiten vor Ort und dem einzelnen Pferd ab, welche Haltung optimal ist. Grundsätzlich ist im Sinne des Tieres eine Gruppenhaltung zu empfehlen. Dennoch gibt es Situationen, in denen eine Einzelhaltung sinnvoller erscheint, beispielsweise wenn in einem großen Pferdebetrieb starker Durchgangsverkehr herrscht. Bei häufigem Wechsel von Pferden muss geschaut werden, was mehr Stress auslöst. Mitunter kann eine kurzzeitige Einzelhaltung die bessere Alternative sein. Dennoch gilt: Die Gruppenhaltung mit Rückzugsmöglichkeiten ist in der Regel der Einzelhaltung immer vorzuziehen!

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