Stute hat Blasenentzündung und pinkelt auf die Wiese.
Tiergesundheit

Blasenentzündung beim Pferd: Ursachen, Symptome und Behandlung

06.06.2023

Wer schon einmal eine Blasenentzündung gehabt hat, weiß wie schmerzhaft und lästig diese sein kann. Auch Pferde können eine Blasenentzündung (Zystitis) bekommen. Kennen Pferdehalter:innen die Anzeichen für die schmerzhafte Symptomatik, können sie schnell reagieren und dafür sorgen, dass das Pferd möglichst bald tierärztliche Hilfe bekommt. In diesem Artikel haben wir das Wichtigste über Ursachen, Symptome und Behandlung einer Blasenentzündung beim Pferd zusammengestellt.

Ursachen

Für Blasenentzündung bei Pferden gibt es verschieden Ursachen. Die häufigsten sind:

  • Bakterien
  • Viren
  • Pilze
  • Harnsteine

In den meisten Fällen ist die Ursache einer Blasenentzündung eine bakterielle Infektion. Aber auch Viren, Pilze und Harnsteine kommen als Verursacher für Blasenentzündungen vor.

Bakterielle Infektion:

Bei einer bakteriellen Infektion gelangen Bakterien über die Harnwege in die Blase und verursachen dort eine Infektion. Zumeist handelt es sich um Fäkalbakterien, wie Kolibakterien (Escherichia coli). Stuten sind häufiger betroffen. Denn der Abstand zwischen Harnröhre und After ist kürzer als bei ihren männlichen Artgenossen, so können Bakterien aus dem Darm leichter in die Harnwege gelangen.

Virale Infektion:

Eine virale Blasenentzündung ist häufig ein Symptom des sogenannten Equinen Herpesvirus (EHV). Dabei ist die Blasenentzündung bei EHV lediglich ein Symptom neben anderen. Unter anderem kommt es beim EHV zu neurologischen Störungen und Atembeschwerden.

Pilzinfektion:

Eine durch Pilze verursachte Blasenentzündung wird meistens durch Candida albicans hervorgerufen. Candida albicans ist ein Hefepilz, der grundsätzlich im Körper, unter anderem im Verdauungstrakt, vorhanden ist. Im Allgemeinen ist Candida albicans unkritisch. Problematisch wird Candida albicans, wenn er sich vermehrt. Denn dann kann er Blasenentzündungen hervorrufen. Die genauen Ursachen für ein Candida albicans-Wachstum sind noch nicht erforscht. Es wird jedoch ein Zusammenhang unter anderem mit einem geschwächten Immunsystem und Veränderungen im Hormonhaushalt angenommen.

Harnsteine:

Harnsteine können die Schleimhäute der Blase reizen und so zu einer Blasenentzündung führen. Außerdem können größere Harnsteine die Durchlässigkei der Harnwege verringern und so den Abfluss von Harn behindern. In der Folge kann es zu einem Harnstau kommen, der die Vermehrung von Bakterien begünstigen und so zu einer Blasenentzündung führen kann.

Nicht in jedem Fall verursachen Bakterien, Viren, Pilze oder Harnsteine eine Blasenentzündung. Folgende Faktoren begünstigen die Entstehung einer Blasenentzündung:

  • Verminderter Scheidenschluss, beispielsweise aufgrund nachlassender Muskulatur oder Entzündungen, kann zu einem vermehrten Eindringen von Erregern führen und so eine Blasenentzündung hervorrufen.
  • Beeinträchtigung des Harnflusses, beispielsweise durch Harnsteine oder Tumore, kann die Entstehung einer Blasenentzündung befördern. Harnsteine können unter anderem durch eine schlechte Fütterung begünstigt werden.
  • Katheterisierung: Bei einer Katheterisierung besteht das Risiko, dass Keime eindringen können. Erfolgt diese beispielsweise häufig oder auch fehlerhaft, steigt das Risiko einer Blasenentzündung.
  • Geschwächtes Immunsystem: Stress, mangelnde Stallhygiene und schlechte Fütterung können unter anderem zu einer Schwächung des Immunsystems führen, was wiederum die Entstehung einer Blasenentzündung begünstigen kann.
  • Stress kann sich schwächend auf das Immunsystem auswirken und auf diese Weise die Wahrscheinlichkeit für eine Infektion erhöhen.
  • Verletzungen beim Geschlechtsverkehr oder bei der künstlichen Besamung können das Infektionsrisiko erhöhen und somit eine Blasenentzündung begünstigen.

Typische Symptome und Anzeichen

Eine Blasenentzündung kann sich in verschiedener Weise äußern. Hier ist eine Liste typischer Anzeichen:

  • Es kommt zu häufigerem Wasserlassen in kleineren Mengen.
  • Das Pferd strengt sich an, den Urin herauszupressen.
  • Es werden geringere Urinmengen als üblich ausgeschieden.
  • Der Harn sieht anders aus, grundsätzlich etwas zähflüssiger als bei anderen Tierarten, ist womöglich blutig oder erscheint grießig.
  • Das Pferd zeigt Anzeichen von Schmerzen im Bauchbereich (beispielsweise indem es den Rücken steif macht, den Schweif einklemmt).
  • Das Pferd hat Fieber.

Bei diesen und anderen Anzeichen für körperliche Beschwerden sollte man unbedingt tierärztlichen Rat einholen. Eine Pferdekrankenversicherung hilft, sich gegen Tierarztkosten abzusichern.

Wie wird die Krankheit diagnostiziert?

Bei einer körperlichen Untersuchung durch den oder die Tierärzt:in wird beispielsweise der Bauch abgehört, die Blase rektal abgetastet oder mittels rektalem Ultraschallbilder gemacht werden können, erfolgt eine Laboranalyse des Urins. Dazu wird eine Urinprobe mittels Katheter (sterile Urinprobe) oder Auffangen des Urins genommen. Die Urinprobe wird unter anderem auf Keime, wie Bakterien, Viren und Pilze und auch Harnsteine untersucht. Auch die Anzahl weißer Blutkörperchen kann Hinweise auf eine Entzündung im Körper geben. Durch eine genaue Laboruntersuchung kann die Ursache der Erkrankung gefunden werden und eine spezifische Behandlung erfolgen.

Behandlung von Blasenentzündung beim Pferd

Die mikrobiologische Untersuchung des Urins kann Auskunft über die Verursachung der Blasenentzündung geben. So kann die Behandlung dann entsprechend abgestimmt werden.

Behandelt wird …

  • eine bakterielle Infektion mit entsprechenden Antibiotika,
  • eine Virusinfektion mit Medikamenten, die die Symptome lindern und das Immunsystems stärken,
  • eine Pilzinfektion mit antifugalen Medikamenten,
  • eine durch Harnsteine hervorgerufene Infektion, indem die Harnsteine, beispielsweise durch einen Katheter oder auch operativ, entfernt werden.

Ergänzend können Schmerzmittel gegeben werden, um das Leiden des Pferdes zu lindern.

Folgende Maßnahmen können den Heilungsprozess unterstützen:

  • Erhöhung der Trinkmenge: Diese sorgt dafür, dass die Bakterien aus der Blase ausgespült werden können. Dazu kann ergänzend zu einer Selbsttränkanlage dem Pferd Wasser in einem Kübel zur Verfügung gestellt werden. Dies erleichtert das Trinken.
  • Zugluft, Nässe und Kälte meiden: Frieren kann dem Immunsystem schaden. Daher sollten kranke Pferde es grundsätzlich warm und trocken haben. Dies gilt auch bei Blasenentzündung.
  • Kräuter als Hausmittel (tierärztliche Empfehlung einholen): Goldrutenkraut (Solidago) (Achtung: nicht verwechseln mit dem hochgiftigen Goldregen), Birkenblätter (Betula pendula), Brennnessel (Urtica dioica), Löwenzahnblätter (Taraxum officinale). Kräuter gibt es in Form von Kräutermischungen im Fachhandel zu kaufen. Enthalten sind dort neben Kräutern oftmals auch Cranberry und Preiselbeere.

Wird eine Blasenentzündung nicht behandelt, kann sie sich chronifizieren und möglicherweise auf die Nieren ausweiten. So entstehen mitunter Nierenbeckenentzündungen, die sich bis hin zu einer Niereninssuffizienz ausweiten können.

Welches homöopathische Mittel hilft bei Blasenentzündung?

Bei gesundheitlichen Beschwerden des Pferdes ist grundsätzlich tierärztlicher Rat einzuholen. Für die Wirksamkeit homöopathischer Behandlungen gibt keine wissenschaftlichen Nachweise. Dennoch berichten Tierhalter:innen immer wieder von positiven Erfahrungen mit homöopathischen Mitteln. Bei einer Blasenentzündung kann man ergänzend zu einer tierärztlichen Behandlung folgendes versuchen:

  • Apis
  • Belladonna
  • Berberis
  • Cantharis
  • Dulcamara
  • Sarsaparilla

Nachsorge

Ist die Blasenentzündung überstanden, hilft eine gute Nachsorge, das Immunsystem zu stärken und Rückfällen vorzubeugen.

  • Tierärztlichen Anweisungen folgen: Im Falle einer Antibiotika-Einnahme zur Behandlung der Blasenentzündung, sollte die Einnahme auf jeden Fall (auch nach Abklingen der Symptome) nach tierärztlicher Anweisung so lange fortgeführt werden, bis die entsprechende Menge eingenommen worden ist.
  • Stallhygiene: Ausreichende Belüftung und sorgfältiges Ausmisten und Reinigen der Tränken können einer erneuten Infektion vorbeugen.
  • Ausreichend Bewegung ohne zu überfordern.
  • Gesunde Ernährung: Eine gut abgestimmte Ernährung und ausreichende Wasser helfen dem Pferd, gesund zu bleiben. Im Zweifel über Zusammensetzung und Mengen lässt man sich am besten tierärztlich beraten.

Fazit:

Eine Blasenentzündung kann sehr verschiedene Ursachen haben. Für eine wirksame Behandlung muss die genaue Ursache festgestellt werden. Daher ist bei Verdacht auf Blasenentzündung in jedem Fall tierärztlicher Rat heranzuziehen. Die Anzeichen für eine Blasenentzündung zu kennen, hilft Pferdehalter:innen zu erkennen, wann ihr Pferd ärztliche Hilfe benötigt. Mit einer Pferdekrankenversicherung ist man auf der sicheren Seite und schützt sich vor hohen Tierarztkosten.

FAQ: Häufig gestellte Fragen

Wie bekommt ein Pferd eine Blasenentzündung?

Eine Blasenentzündung kann verschiedene Ursachen haben. Neben einer bakteriellen Infektion, können Viren, Pilze, Harngrieß, Harnstein oder auch anatomische Veränderungen eine Blasenentzündung bei einem Pferd verursachen.

Pferd pinkelt oft und wenig: Ist es eine Blasenentzündung?

Uriniert ein Pferd häufig und in kleinen Mengen, kann dies ein Anzeichen für eine Blasenentzündung sein. Gewissheit kann jedoch nur eine tierärztliche Untersuchung geben, die man bei gesundheitlichen Problemen in jedem Fall vornehmen lassen sollte.

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