Tiergesundheit

Hufrehe beim Pferd – Ursachen, Symptome und Behandlung

23.07.2019

Sie ist das Schreckgespenst in der Pferdemedizin: Hufrehe ist äußerst schmerzhaft und kann chronisch werden. Wenn das eigene Pferd betroffen ist, sollte der Halter erst Sofortmaßnahmen ergreifen und dann Ursachenforschung betreiben.

Hufrehe – im Englischen auch Laminitis genannt – ist eine aseptische (diffuse) Entzündung der Huflederhaut. Das bedeutet, dass die Entzündung nicht aufgrund von Keimen entsteht, sondern andere Ursachen hat. Die Erkrankung betrifft meistens die Lamellen des sogenannten Hufbeinträgers innerhalb der vorderen Hufwand und kann sich nach hinten ausbreiten. Ist diese Verbindung zwischen dem Hufbein und der Hufkapsel geschädigt, kann es zu einer deutlichen Veränderung der Hufbeinposition kommen, einer sogenannten Hufbeinsenkung oder -rotation innerhalb der Hufkapsel.

Der Hufbeinträger ist aufgrund seiner Tragefunktion sehr gut durchblutet und reagiert daher besonders empfindlich auf Toxine (Giftstoffe). In der Regel sind nur die Vorderhufe betroffen, da hier der größte Teil des Pferdegewichts lastet. In besonders schwerwiegenden Fällen können auch alle vier Hufe betroffen sein.

Ursachen

Die Ursachen einer Hufrehe können sehr vielfältig sein. Die Reheerkrankung kann ein Symptom eines anderen Krankheitsprozesses im Körper sein. Daher sollte begleitend zur Behandlung auch eine Ursachenforschung betrieben werden. Mögliche Ursachen sind:

1. Die endotoxische Rehe (innere Vergiftung) tritt häufig auf in Folge von Infektionserkrankungen (z. B. Salmonellose), einer Nachgeburtsverhaltung oder Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts. Dies kann zum Beispiel nach einer Kolik oder einer Kolitis (eine sehr schnell und schlimm verlaufende Entzündung des Dickdarms mit massivem Durchfall) geschehen.

2. Die Vergiftungsrehe kann beispielsweise nach der Aufnahme von Eibe (Taxus baccata) auftreten.

3. Die Fütterungsrehe entsteht nach der Aufnahme von großen Mengen an Kohlenhydraten (also Getreide) sowie fruktose- und fruktanhaltigen Gräsern – vor allem bei prädispositionierten dickeren Pferden. Auch EMS – das sogenannte equine metabolische Syndrom – kann durch die Insulinresistenz und einen zu hohen Blutzuckerspiegel eine Rehe auslösen.

4. Bei der hormonell bedingten Rehe infolge des Cushing-Syndroms kommt es zu einem chronisch zu hohen Kortisolwert im Blut, der den Blutzuckerspiegel ansteigen lässt.

Symptome

Die akute Hufrehe ist für das betroffene Pferd ein sehr schmerzhafter Prozess. Vergleichen lässt sich der Schmerz für den Menschen mit einem Hammerschlag auf den Finger. Das Pferd muss auf diesem schmerzhaften Finger mit seinem gesamten Körpergewicht stehen. Betroffene Patienten zeigen einen klammen Gang oder eine sägebockartige Haltung. In schweren Fällen kann es dazu kommen, dass das Pferd nur noch liegt, um den entzündeten, schmerzhaften Hufbeinträger zu entlasten.

Da die Erkrankung meist zuerst den vorderen Teil des Hufs betrifft, ist die häufig erkennbare sogenannte Trachtenfußung zu erklären. Diese Symptomatik ist auch beim chronisch an Rehe erkrankten Pferd zu beobachten. An den seitlich am Fesselgelenk liegenden Digitalarterien ist eine deutliche Pulsation zu fühlen. Manchmal sind die Gefäße bereits so prall gespannt, dass man sie mit bloßem Auge sehen kann. Dies ist ein Anzeichen für einen Entzündungsprozess. Die Pferde erleiden Schmerzen, die sich vom Schmerzgesicht des Pferdes bis hin zu leichten Koliksymptomen zeigen können.

Aufgrund der Schädigung des Hufbeinträgers kann es zu einer Hufbeinrotation kommen. Dabei kippt die Hufbeinspitze nach unten in Richtung der Sohlen. Im allerschlimmsten Fall kann sie durch die Sohlen brechen – ein Durchbruch oder auch Ausschuhen droht.

Die akute Hufrehe ist immer ein Notfall! Sie sollte umgehend durch den Tierarzt behandelt werden. Für die Therapie werden neben Schmerzmitteln teilweise auch blutverdünnende Medikamente wie Heparin oder Acetylsalicylsäure (ASS) verschrieben. Die Trachten werden mithilfe von Verbänden, Hufkissen, Hufschuhen oder durch das Anlegen von Gipsverbänden entlastet und hochgestellt, um die Rotation des Hufbeins zu verhindern oder zu minimieren.

Eine altbewährte Therapieform ist auch der Aderlass, der zu einer effektiven Ausschwemmung von Toxinen führen und so die Durchblutungsverhältnisse im Huf positiv beeinflussen kann.

Ist das Pferd bei den Uelzener Versicherungen krankenversichert, werden die Kosten für Diagnostik und Therapie im Rahmen der Pferde-OP- und Krankenversicherung übernommen.

Sofortmaßnahmen und Selbsthilfe

Im akuten Zustand ist das Kühlen der Hufe eine gute Sofortmaßnahme, die dem Pferd etwas Linderung bietet. Der Besitzer sollte das Pferd weich auf- stallen, möglichst nicht mehr bewegen oder führen und die Hufe in Eimern mit Eiswasser oder durch das Anlegen von Kühlpads kühlen, bis der Tierarzt eingetroffen ist.

In der Regal heilt die Hufrehe bei einer schwachen Erkrankung und sofortiger Therapie durch den Tierarzt innerhalb weniger Tage wieder ab. In schwereren Fällen kann es aber zu eine chronischen Hufrehe kommen. Diese kann einen deformierten Huf nach sich ziehen, zum Beispiel in Form deutlich divergierender Hufringe, einer nach innen gewölbten vorderen Hufwand (Schnabelhufe) oder einer deutlich verbreiterten weißen Linie.

In der Regel wird der Tierarzt den Huf röntgen, um sich ein Bild über das Ausmaß der Erkrankung zu machen. Ist der akute Prozess abgeheilt, kann der Schmied, wenn nötig, mit einem speziellen Rehebeschlag eine gute Unterstützung bieten. In äußerst schweren Fällen kann es zu einem Durchbruch des Hufbeins kommen.

Ob leichte oder schwere Hufrehe – wichtig ist neben einer sachkundigen Therapie die Erforschung der Krankheitsursache und die darauf abgestimmte Behandlung. Eine Langzeittherapie der Hufrehe ist nicht möglich. Von Beginn an muss korrekt diagnostiziert und behandelt werden – sonst besteht die Gefahr, dass das Tier immer wieder erkrankt.

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