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Tiergesundheit

Die Verdauung des Pferdes

06.10.2021

An der Verdauung des Pferdes sind viele verschiedene Organe beteiligt. Um das Krankheitsbild Kolik zu verstehen, muss man zunächst einmal das komplexe Organsystem des Pferdes durchschauen.

  1. Zähne

Das Pferd verfügt über 40 bis 44 Zähne. Mit den Schneidezähnen kann es Gräser und andere feste Futtermittel abbeißen. Die Canini (oder auch Hakenzähne genannt) kommen häufig nur bei Hengsten vor. Daher auch der Name Hengst­zähne. Die 24 Backenzähne dienen zum Zermahlen des Futters.

  1. Speiseröhre (Oesophagus)

Der Muskelschlauch transportiert das zerkleinerte Futter in den Magen. Aufgrund der anatomischen Verhältnisse am Mageneingang kann das Pferd im Gegensatz zu anderen Tieren und Menschen nicht erbrechen.

  1. Magen (Gaster bzw. Ventriculus)

Der Magen ist mit seinem Fassungsvermögen von acht bis 15 Litern im Vergleich zum Rest des Verdauungsapparates klein. Die Größe fordert also eine kontinuierliche Futteraufnahme über den ganzen Tag. Der Magen besteht aus einer drüsenlosen Schleimhaut und einer Schleimhaut mit Drüsen. Aufgrund seiner Lage im Bauchraum entzieht der Magen sich der herkömmlichen klinischen Untersuchung durch Abtasten von außen sowie einer rektalen Untersuchung.

Darm (Intestinum)

Die gesamte Länge des Pferdedarms beträgt je nach Größe des Pferdes 25 bis 40 Meter. Das entspricht circa dem Zehnfachen der Körperlänge.

  1. Dünndarm (Intestinum tenue)

Zwischen Magen und Blinddarm liegt der Dünndarm. Er ist an der sogenannten Gekrösewurzel aufgehängt. Diese gibt ihm ausreichend Freiheit, um im Bauchraum zu schwimmen. Er ist beim Pferd 20 bis 30 Meter lang und besteht aus drei Abschnitten.

Zwölffingerdarm (Duodenum)

Er ist der erste Abschnitt hinter dem Magen. Seine Länge liegt zwischen einem und 1,5 Metern.

Leerdarm (Jejunum)

Mit rund 17 bis 28 Metern Länge ist dies der längste Abschnitt. Er folgt direkt auf den Zwölffingerdarm. Seine Bezeichnung stammt aus der Humanmedizin, weil er bei den ersten Obduktionen immer leer vorgefunden wurde.

Hüftdarm (Ileum)

Mit 0,7 bis 0,8 Metern ist er der kürzeste Teil und über eine Gekrösefalte mit dem Blinddarm verbunden. Er bildet den letzten Abschnitt des Dünndarms. Die Aufgabe des Dünndarms ist der Aufschluss schnell verdaulicher Kohlenhydrate aus dem Futter. Die Passagezeit ist mit ein bis zwei Stunden recht schnell. Durch die Bauchspeicheldrüse werden verschiedene Enzyme in den vorderen Abschnitt des Dünndarms eingespeist, die zusätzlich bei der Verdauung helfen.

  1. Blinddarm (Caecum)

Anders als beim Menschen ist der Blinddarm beim Pferd mit rund einem Meter Länge verhältnismäßig groß und hat ein Fassungsvermögen von bis zu 68 Litern. Er befindet sich auf der rechten Seite des Pferdes und beginnt unterhalb der Lendenregion und zieht sich über die rechte Hungergrube bis zur Brustbeinspitze. Teilweise kann man das Einspritzgeräusch des Futterbreis aus dem Dünndarm in den Blinddarm hören. Es klingt wie bei einer alten Toilettenspülung, bei der man noch an einer Kordel ziehen musste. Der Blinddarm bildet zusammen mit dem Dickdarm die Gärkammer für die Zelluloseverdauung.

  1. Dickdarm (Intestinum crassum)

Er ist insgesamt sechs bis neun Meter lang und hat ein Fassungsvermögen von durchschnittlich 80 Litern. Man unterscheidet das große Kolon, das Querkolon und das kleine Kolon. Die Form des Kolons gleicht zwei übereinander angeordneten Hufeisen. Er liegt ohne eine feste Fixierung in der Bauchhöhle. Die einzelnen Darmabschnitte haben eine charakteristische Anzahl an Bandstreifen. Ein routinierter Tierarzt kann sie dadurch bei der rektalen Untersuchung unterscheiden. Das kleine Kolon schließt sich dem großen Kolon an und hat noch einmal eine Länge von zwei bis vier Metern. Hier wird dem Kot noch Wasser entzogen und es entstehen die charakteristischen Pferdeäpfel.

  1. Mastdarm (Rektum)

Als letzter Abschnitt ist der Mastdarm die Verbindung zum After.

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