Bild zeigt Pferdehintern. Wie helfen bei Kotwasser?
Tiergesundheit

Kotwasser beim Pferd: Ursachen und schnelle Lösungen

14.10.2022

Kotwasser ist eine unangenehme Angelegenheit – nicht nur für das betroffene Tier, sondern auch für Pferdehalter:innen. Das Pferd leidet unter der wässrigen Ausscheidung und Halter:innen zeigen sich  bei der  Behandlung oft ratlos. Mit dieser Übersicht informieren wir über Fakten und aktuelle Erkenntnisse zum Thema Kotwasser bei Pferden.

Jede Saison bringt ihre eigenen Herausforderungen mit sich. Mit dem Ende der Weidezeit, im Herbst und Winter, geht es für unsere Pferde in den Stall. Leider verringert sich dadurch der freie Auslauf und die Fütterung mit frischem Weidengras bleibt aus. Nicht selten reagieren die sensiblen Tiere mit verschiedenen Symptomen auf diese Veränderungen und in manchen Fällen kommt es zu Kotwasser oder unangenehmen Durchfällen.

Ursachen

Die Ursache für Kotwasser bei Pferden konnte bislang nicht genau erklärt werden. Angefangen von der Fütterung bis hin zu emotionalem Stress gibt es verschiedene Faktoren, die den wässrigen Ausfluss begünstigen. Bevor man also unterschiedliche Hausmittel auf ihre Tauglichkeit erprobt, sollte man zuerst auf Spurensuche gehen und das „Warum“ dahinter ergründen.

Zahnprobleme

Bei Schmerzen an den Zähnen können Pferde nur mit großer Schwierigkeit kauen. Das Futter wird dann nicht ausreichend zerkleinert und es gelangen große Futterreste in den Magen. Das kann einerseits den Magen stark reizen, andererseits wird durch die Futterbrocken bereits aufgenommenes Wasser nicht mehr ausreichend im Kot aufgenommen. Deshalb sollten bei Kotwasser-Fällen Zahnerkrankungen beim Pferd medizinisch untersucht werden.

Sand

Sand im Dickdarm (Sand-Anschoppung) kann ebenfalls eine Ursache von Kotwasser sein. Das kann passiert, wenn Pferde Heu vom Paddock fressen oder Sand anderweitig in das Pferdfutter gelangt. Zu viel Sand wirkt wie Schleifpapier und schädigt die Magen- und Darmwand. Das kann in ausgeprägten Fällen zu (Sand-)Koliken, Durchfall und Kotwasser bei Pferden führen.

Equines Cushing-Syndrom

Mit dem sogenannten Equinen Cushing-Syndrom wird eine Erkrankung bezeichnet, bei der Pferde aufgrund von Tumoren in der Niere erhöht Stresshormone produzieren. Ähnlich wie bei Diabetes steigt dadurch der Blutzuckerspiegel und Pferde haben vermehrt Durst. Trink das Pferd in großen Mengen, wird das überschüssige Wasser nicht immer vom Kot aufgenommen oder rinnt ungehindert aus dem Darm. Dieses Syndrom kann auch Hufrehe verursachen.

Herz-Kreislaufprobleme

Je älter ein Pferd wird, desto eher neigt es zu Herz-Kreislauf-Schwächen. Bei einer Herzschwäche kann sich unter anderem die Dickdarmwand von Pferden verdicken. Das Wasser wird dadurch im Darm zurückgehalten und später unvermischt ausgeschieden.

Darmprobleme

Kotwasser hängt direkt oder indirekt auch immer mit Vorgängen und Problemen im Darm zusammen. Entzündungen an der Darmschleimhaut können zum Beispiel die Aufnahme von Wasser behindern. In manchen Fällen kommt es auch ernährungsbedingt zu Irritationen im Magen- Darmbereich, die Kotwasser begünstigen können. Besonders Pferde, die aufgrund ihres sensiblen Magens vermehrt an Gastritis leiden, reagieren sensibel auf Aroma-, Farb- und Konservierungsstoffe aus industriellem Futter.

Parasiten

Ob Parasiten beim Pferd tatsächlich Kotwasser verursachen, ist ein strittiges Thema. In den meisten Studien ließen sich hierfür keine eindeutigen Beweise finden. Dennoch wird Pferdehalter:innen angeraten, bei gesundheitlichen Problemen mit dem Magen oder Darm Parasitenbefälle tierärztlich untersuchen zu lassen.

Symptome von Kotwasser beim Pferd

Kotwasser ist im Grunde keine eigenständige Krankheit. Vielmehr ist es ein Symptom, das auf verschiedene Problematiken bei Pferden hinweist. Deswegen ist es wichtig, den Grund hinter dem Kotwasser rechtzeitig zu erkennen. Bleibt die Ursache von Kotwasser unbehandelt, kann es zu verschiedenen unangenehmen Symptomen bei Pferden führen:

  • Die Folge von Kotwasser ist oftmals eine gereizte Afterregion des Pferdes. Bei einer starken Ausprägung kann es zu einer Dermatitis kommen. Die Haut um den After entzündet sich, schwillt an und juckt. Manchmal folgen auch eitrige Ausscheidungen.
  • Die trockenen und harten Kotbrocken können Schmerzen beim Stuhlgang auslösen und die Region um den Darm und After reizen.
  • Kotwasser ist nicht selten übelriechend und mit Bakterien belastet. Wenn es dann mehrmals täglich die Beine runterläuft, verschmutzt der Afterbereich des Pferds stark. Das lockt wiederrum Parasiten an, die sich zum Teil im Darm einnisten oder Eier ablegen.

Unterschied zwischen Kotwasser und Durchfall

Durchfall und Kotwasser sind nicht dasselbe. Bei Durchfall ist der Kot flüssig oder sehr weich. Im Fall von Kotwasser ist der Kot hingegen hart und trocken. Neben dem Kot wird das Wasser dann separat ausgeschieden. Zum Teil ist es verfärbt, meistens bräunlich und kann übel riechen.  Dazu kommt es, wenn Wasser nicht oder nur wenig vom Kot aufgenommen wird. Das Wasser gelangt dann durch Druck aus dem Darm heraus. Man spricht daher von freiem Wasser.

Kotwasser behandeln und vorbeugen

Auch wenn die Auslöser von Kotwasser vielfältig ausfallen, gestalten sich die verschiedenen Methoden zur Behandlung ähnlich wie bei anderen Problematiken im Magen- und Darmbereich. Neben einer ausgewogenen Ernährung ist auf die Eindämmung von Stress und genügend Bewegung zu achten. Durch diese einfach umzusetzenden Maßnahmen lässt sich Kotwasser meist eindämmen oder zumindest präventiv vorbeugen:

Stress vermeiden

Die Psyche von Pferden spielt bei der Entstehung von Kotwasser eine große Rolle. Sind Pferde häufig gestresst und belastet, hat das auch einen Einfluss auf die Gesundheit des Magen-Darm-Bereichs. So konnten verschiedene Studien belegen, dass sozialer Stress bei rangniedrigen Tieren ein Grund von wässrigen Ausscheidungen sein kann. Auch zu intensive Trainingseinheiten und zu großer Druck können diese Art von Stress begünstigen. Zwischen den einzelnen Trainingseinheiten sollte dem Pferd daher ausreichend Zeit zum Ausruhen gegeben werden. Wichtig ist auch ein harmonisches Miteinander zwischen Stallgefährten.

Für Bewegung sorgen

Mangelnde Bewegung und zu wenig Auslastung können ebenfalls Kotwasser auslösen. Der Körper speichert bei einem Bewegungsmangel oftmals viel Flüssigkeit im Körper. Der Darm kann dann aufgrund seiner Trägheit dieses Wasser nicht absorbieren und scheidet es anschließend aus. Bereits durch leichte bis moderate Bewegung kann der Darmträgheit entgegengewirkt werden.

Silage überprüfen

Trockenes Stroh und Silofutter führen bei manchen Pferden zu Verdauungsproblemen. Der Kot verhärtet durch das raue Futter und kann schlechter Wasser binden. Besser ist es daher, möglichst auf siliertes und trockenes Futter zu verzichten oder es dem Pferd nur in Maßen anzubieten. Empfehlenswert sind qualitatives Heu, Kraftfutter und die Fütterung in mehreren kleineren Portionen über den Tag verteilt.

Darmsanierung

Manchmal stecken hinter Magen-Darm-Erkrankungen schädliche Keime und Pilze. Diese breiten sich in der Darmflora aus und bringen sie aus dem Gleichgewicht. Meistens genügt es, dem Tier eine schonende Kost anzubieten und auf Ruhepausen zu achten. Darmsanierungen werden hingegen eher selten durchgeführt und müssen zusammen mit einem Tierarzt oder einer Tierärztin gründlich besprochen werden.

Bei einer Darmsanierung wird der Darm des Tieres zuerst gründlich gereinigt und anschließend durch Probiotika mit gesunden Bakterien besiedelt. Das stellt nach einiger Zeit die Balance der Darmflora wieder her.

Tests und Medikamente beim Tierarzt

Liegt bei Pferden wässriger Ausfluss vor, führen Ärzte zuerst verschiedene Tests durch. Dazu gehören in der Regel Blutuntersuchungen, Kotproben und ein eingehender Zahncheck. Abhängig von den Testresultaten werden dem betroffenen Pferd Antibiotika, Schmerzmittel oder eine Wurmkur verabreicht. In den meisten Fällen lässt sich Kotwasser jedoch ganz ohne Medikamente auskurieren.

Welches Futter bei Kotwasser?

Kotwasser wird bei Pferden oft durch eine falsche Fütterung verursacht. Deswegen ist eine artgerechte Ernährung bei Pferden mit ausreichend Flüssigkeit das A und O einer erfolgreichen Prävention. Neben hochwertigem Heu und gegebenenfalls Kraftfutter können unterschiedliche Zusätze in das Futter des Tieres gegeben werden. Doch nicht alles, was als Wundermittel angepriesen wird, ist auch für Pferde geeignet.

Schwefelblüten

Der Einsatz von Schwefelblüten als Ergänzungsmittel ist fraglich – hierzu liegen keine wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse vor. Bereits bei Menschen können sie Übelkeit, Kopfschmerzen und Durchfall auslösen. Daher ist von einem solchen Gebrauch bei Pferden eher abzuraten.

Möhren

In großen Mengen wirken Karotten abführend und begünstigen daher Durchfall und Kotwasser beim Pferd.

Bananen

Pferde dürfen in Maßen mit Bananen gefüttert werden. Eine Tagesration sollte eine Menge von ein bis zwei Bananen am Tag nicht übersteigen. Sie enthalten Kalium und einen hohen Anteil an Stärke – diese Stoffe wirken bindend.

Mineralien gegen Kotwasser beim Pferd

Natürliche Mineralien sind essenziell für eine gesunde Ernährung. Fehlen Mineralien in der Nahrung – beispielsweise durch die Fütterung von minderwertigem Raufutter – kann spezielles Mineralfutter eingesetzt werden, um die Spurenelemente des täglichen Bedarfs zu decken. Zwar kann die Versorgung mit Mineralien den wässrigen Ausfluss im akuten Fall nicht stoppen, dennoch können sie Magen- und Darmprobleme langfristig verhindern.

Flohsamen

Flohsamenschalen sowie auch Leinsamen können als Ergänzungsmittel im Futter freies Wasser im Darm binden und bei Kotwasser helfen. Dafür sollten die Schalen und Samen vorher in Wasser eingeweicht werden. Wenn sie sich vollgesogen haben, können sie ins Futter gegeben werden.

Kräuter

Bei Kotwasser und Durchfall können Kräuter unterstützend wirken. Die Bitterstoffe in bestimmten Kräutern – wie Mariendistel oder Löwenzahn – fördern den Gallenfluss und stabilisieren die Darmflora. Eine dauerhafte Fütterung mit Kräutern sollte dennoch tierärztlich abgesprochen werden.

Leinöl

Normalerweise nehmen Pferde Omega-3-Fettsäuren durch frisches Weidegras auf. Besonders in den Herbst- und Wintermonaten bleibt eine solche Fütterung jedoch aus und es wird stattdessen zu Silage gegriffen. Leinöl kann dieses Defizit an Omega-3-Fettsäuren ausgleichen. Ins Futter sollten nur circa 20 ml pro 100 kg Körpergewicht in das Futter gegeben werden.

Heilerde

Heilerde wird gerne als Zusatz verwendet, um Giftstoffe im Darm zu binden und Magensäure zu neutralisieren. Als Nahrungszusatz ist es in den meisten Apotheken in Kapselform erhältlich. Eine Anwendung sollte aber nicht ohne tiermedizinischen Rat erfolgen.

Bierhefe

Bierhefe ist grundsätzlich ein gut verträgliches Futtermittel. Es enthält wichtige B-Vitamine, Aminosäuren, Mineralien und andere Spurenelemente, welche die Darmgesundheit unterstützen können. Es sollten aber nur spezielle Hefen für Pferde eingesetzt werden: Gewöhnliche Backhefe kann zu Durchfall und schmerzhafter Blähung führen.

Futterkohle

Futterkohle in Form von Tabletten oder Pellets soll Toxine und Wasser im Darm binden. Kurzzeitig können hierdurch Durchfall und auch Kotwasser gestoppt werden. Langzeitig ist eine Zusatzernährung mit Futterkohle jedoch gefährlich. Es kann zu Verstopfungen und einer Verschlechterung des Krankheitsbildes kommen.

Schwarzkümmel und Chiasamen

Schwarzkümmel und Chiasamen wirken aufgrund ihres hohen Anteils an Ballaststoffen verdauungsfördernd. Am besten wird es zunächst in kleinen Mengen verfüttert. Manche Pferde reagieren auf plötzliche und vor allem hohe Dosierungen mit Durchfall.

FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Thema „Kotwasser beim Pferd“

Wie kommt es zu Kotwasser?

In den häufigsten Fällen wird Kotwasser bei Pferden durch eine falsche Ernährung verursacht. Oft reicht es aus, wenn man Kotwasser vorbeugen will, auf die richtige Fütterung und Zufütterung zu achten. Es gibt verschiedene Zusätze die eine erfolgreiche Prävention fördern. Wichtig ist auch, dass das Pferd immer mit ausreichend Flüssigkeit versorgt wird.

Wie sieht Kotwasser beim Pferd aus?

Im Gegensatz zu Durchfall zeichnet sich Kotwasser durch einen verhärteten Stuhlgang aus. Dieser wird durch einen wässrigen Ausfluss begleitet, der teilweise bräunlich und übelriechend sein kann.

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Wie Pferde bei Kotwasser richtig reinigen?

Regelmäßiges Säubern ist bei Kotwasser sehr wichtig. Es reizt die Haut des Pferdes und lässt das Fell unangenehm verkleben. Die betroffenen Stellen – also After, Hinterbeine und Schweif – sollten sanft mit lauwarmem Wasser und gegebenenfalls mit speziellem Shampoo gereinigt werden.

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