Erziehung und Training

Katze erziehen – mit positiver Verstärkung und Target-Übungen

07.05.2019

Ähnliche Artikel

Erziehung und TrainingKatzen stubenrein bekommen – so funktioniert es
Erziehung und TrainingDie Lautsprache der Katzen
Erziehung und TrainingKatze und Baby – geht das gut?

Katzen sind sture Einzelgänger und lassen sich nicht erziehen – oder etwa doch? Was an dem Mythos der unbelehrbaren Katze dran ist und wie Sie Ihre Kommunikation mit dem Stubentiger trotzdem stärken können, lesen Sie hier.

Katzen lernen gern und schnell. Warum also sollten die intelligenten Tiere nicht durch eine proaktive und achtsame Erziehung wichtige Dinge für das Zusammenleben mit uns lernen? Elementar dabei ist die richtige Herangehensweise. Das Hauptaugenmerk bei der Katzenerziehung sollte nicht darauf liegen, dass sie etwas NICHT machen soll. Vielmehr sollte eine junge Katze lernen, dass der Umgang mit Menschen Spaß macht und ein positives Verhalten Erfolg und Belohnung bringen kann.

Erziehung mit positiver Verstärkung

Zugunsten eines harmonischen Miteinanders ist es sinnvoll, ein Umfeld zu schaffen, in dem Verbote überwiegend unnötig sind. Katzen tun sehr viele Dinge einfach, weil Katzen sie tun. Abgewöhnen oder völliges Verhindern ist unrealistisch und meistens nur von Erfolg gekrönt, wenn man einen Knacks in der Beziehung zur Katze in Kauf nimmt. Viel sinnvoller ist es, einer Katze ein Lebensumfeld zu bieten, indem sie katzentypische Verhaltensweisen leben und dabei trotzdem brav sein kann.

Dazu gehören alle Arten von erlaubtem Unfug – zum Beispiel ausgiebiges Toben mit geeignetem Spielzeug oder das Klettern auf einen hohen Kratzbaum – und viele passive Sicherheitsmaßnahmen wie ein gesicherter Balkon und geschlossene Schränke, die Verbote unnötig machen. Zudem sollten Sie Ihr Augenmerk auf all jene Verhaltensweisen legen, die der Katze erlaubt sind, und diese positiv verstärken – mit einem Clicker oder Zungenschnalzer, Streicheleinheiten, einem Spiel oder Leckerbissen. Dann erübrigt sich das Verbieten und Sie haben einen Prozess des Erziehens kultiviert, der zu Erlaubtem hinzieht, statt Unerwünschtes zu bestrafen.

Was sollte die Katze lernen?

Mit einigen Übungen sollte jede Katze vertraut sein und sie stressfrei mitmachen. Sie sind selbst dann sinnvoll, wenn Sie keinerlei Ambitionen haben, mit Ihrer Katze an der Leine spazieren zu gehen oder ihr routinemäßig die Krallen zu kürzen – es geht vor allem um die grundsätzliche Erfahrung und Toleranz gegenüber dem Menschen.

Hier eine kleine Auswahl an Übungen, mit denen Katzen vertraut sein sollten:

  • Hochheben und Tragen
  • in eine Transportbox einsteigen
  • Kämmen und Krallenschneiden
  • Stillhalten, berührt oder fixiert werden für einfache Untersuchungen wie Augen, Ohren, Mund, Pfoten, Bauch, Temperaturmessen etc.
  • Tragen von Brustgeschirr und Leine
  • Eingeben von Tabletten
  • Zähne putzen

Neben diesen überwiegend körperlichen Aufgaben können Katzen natürlich noch viel mehr lernen:

  • ihren Namen und auf Rufen oder Pfeifen kommen
  • still sitzen und leise warten, wenn sie etwas wollen, beispielsweise Futter
  • die Namen diverser Aktivitäten und Ereignisse im Alltag, um sie ankündigen zu können, beispielsweise Warten, Essen, Einsteigen oder Tabletten geben

 

Ziele erreichen mit Target-Übungen

Um der Katze mit positiver Verstärkung bestimmte Verhaltensweisen beziehungsweise Signale beizubringen, bietet sich die Arbeit mit einem sogenannten Target an. Dafür brauchen Sie ein attraktives Futter, das Sie in klitzekleinen Portionen anbieten und ein prägnantes Geräusch, das Sie mit ihrem Mund machen – etwa mit der Zunge schnalzen.

Im Folgenden stellen wir zwei Target-Übungen vor, bei denen die Katze einerseits lernt, ein konkretes Ziel zu kontaktieren und andererseits, wie Lernen mit Menschen überhaupt funktioniert.

1. Nasen-Target

Beim Nasen-Target wird die Zeigefingerspitze eine Handbreit vor die Katzennase gehalten. Das hat bei so gut wie allen Katzen die gleiche Reaktion zur Folge – sie stupst den Finger mit ihrer Nase an, hat also das Ziel Fingerspitze kontaktiert. In diesem Moment machen Sie Ihren Zungenschnalzer und geben ihr sofort einen der kleinen Leckerbissen. Diese Übung wiederholen Sie so lange, bis die Katze nicht mehr mitspielt – meistens sind es zwei bis fünf Wiederholungen, die für die Katze ausreichen, um das Prinzip zu begreifen und es langweilig zu finden.

2. Sitzplatz-Target

Die zweite Übung mit einer ähnlich vorhersagbaren Katzenreaktion ist das Sitzplatz-Target: Katzen sitzen liebend gerne in kleinen Schachteln oder an definierten Orten wie einer Zeitung oder einem Handtuch, das am Boden liegt. Stellen Sie eine Schachtel auf den Boden und machen Sie Ihren Zungenschnalzer mit anschließender Belohnung, sobald die Katze hineinsteigt. Bei zögerlichen Jungkatzen kann man schon bei einer ersten Annäherung schnalzen und sie belohnen: Also wenn sie die Schachtel beschnuppert oder eine Pfote hineinsetzt. Alternativ kann man sie mit dem eben gelernten Nasentarget hineinlocken und dann belohnen.

Damit haben sie mehrere Übungen etabliert, auf denen alle weiteren Lernprozesse aufgebaut werden können:

  • Ein akustisches Signal, das der Katze punktgenau sagt, was sie jetzt gerade richtig macht und die kommende Belohnung verspricht;
  • einen Finger, mit dem die Katze gezogen werden kann und
  • einen definierten Platz, an dem die Katze sitzen kann, wenn sie etwas möchte.

Auch interessant