Tierärztin kotrolliert bei braunem Pferd das Auto
Tiergesundheit

Pferdeauge – Sensibles Sehorgan

02.12.2021

Eine gute Sehfähigkeit ist für das Fluchttier Pferd von großer Bedeutung. Veränderungen am Pferdeauge sollten deshalb immer ernst genommen und tierärztlich behandelt werden. Unsere Gesellschaftstierärztin Dr. Saskia Walther gibt einen Überblick über die häufigsten Erkrankungen des Auges.

Infografik zum Pferdeauge

Das Auge des Pferdes weist im Vergleich zum menschlichen Sehzentrum einige Besonderheiten auf. Es ist an die Lebensweise als grasendes und flüchtendes Tier angepasst. Durch die seitliche Ausrichtung am Kopf verfügt das Pferd über ein panoramisches Sehvermögen. Das binokulare Gesichtsfeld beträgt zwar nur etwa 65 Grad, kann aber durch Seitwärtsdrehung des Kopfes ausgeglichen werden.

Die Ursachen und der Umfang von Augenverletzungen beim Pferd können sehr unterschiedlich sein. Sie reichen von leichten Schürfverletzungen um das Auge herum über Rissverletzungen an den Augenlidern bis hin zu komplizierten Brüchen der knöchernen Umrandung des Auges. Die Perforation der Hornhaut sowie das Auslaufen des Auges sind weitere Krankheitserscheinungen. Verletzungen des Pferdeauges sorgen oft für großes Erschrecken beim Pferdehalter und sollten immer ernst genommen werden.

 

Bindehautentzündungen

Eine der am häufigsten vorkommenden Erkrankungen des Auges ist die Bindehautentzündung. Die Bindehäute bilden die innere Auskleidung der Augenlider und sind eigentlich blassrosa. Liegt eine Bindehautentzündung vor, sind die Häute gerötet und die Augen weisen einen deutlichen Tränenfluss auf. Es gibt auch eine eitrige Form. Ursache können lokale Reizungen durch Insekten, Staub oder Schadgase sein. Sind nur die Bindehäute betroffen, kann eine antibiotika- oder kortisonhaltige Salbe schnell Linderung verschaffen. Bindehautentzündungen können aber auch in Verbindung mit anderen Erkrankungen des Auges auftreten.

Defekte der Hornhaut

Verletzungen der Hornhaut können leicht durch einen Fremdkörper im Auge auftreten. Die Hornhaut ist im Normalfall glasklar und nur circa 0,4 Millimeter dick. Verletzungen der Hornhaut können mitunter mit dem bloßen Auge sichtbar sein, müssen ansonsten aber mit dem Fluorescintest angefärbt werden. Dabei wird ein gelber Farbstoff in das Auge geträufelt, der auf einer intakten Hornhaut von der Tränenflüssigkeit weggespült wird. Liegt ein Defekt vor, bleibt die Farbe hängen. Bei umfangreichen Verletzungen kann die Hornhaut perforiert werden und das Auge kann auslaufen.

Ganz wichtig beim Hornhautdefekt: Das Auge muss mit einer antibiotikahaltigen Salbe behandelt werden – auf keinen Fall mit Kortisonsalbe.

Idiopathische Keratokonjunktivitis

Pferde können auch an einer sogenannten immunvermittelten Erkrankung der Hornhaut und der Bindehaut leiden. Dabei sind Bindehäute und Hornhaut stark entzündet. Anzeichen sind gerö­tete Bindehäute und eine Einsprossung von Blutgefäßen in die Hornhaut. Letztere ist eigentlich frei von Blutgefäßen. Die Ursache für die Beschwerden ist medizinisch noch unklar, deswegen der Namenszusatz idiopathisch. Es wird vermutet, dass Herpesviren eine Rolle spielen. In diesem Fall werden über einen langen Zeitraum auch kortisonhaltige Salben gegen die hartnäckige Erkrankung eingesetzt. Schlägt das Salben der Augen nicht an, muss das Pferd operiert werden. Dabei wird die Hornhaut mit einer Gitterkeratektomie angeritzt. Mittlerweile wird auch eine moderne Therapie mit Lasern eingesetzt, die wesentlich schonender für das Auge ist.

Grüner Star

Beim Grünen Star, auch Glaukom genannt, ist der Augeninnendruck erhöht. Diese Problematik ist beim Pferd häufig Folge einer anderen Grunderkrankung, wie zum Beispiel der periodischen Augenentzündung.

Grauer Star

Eine innere Augenentzündung ist in vielen Fällen der Auslöser für den Grauen Star. Sie kann aber auch durch ein Trauma des Auges hervorgerufen werden. Der Graue Star wird auch als Katarakt-Linsentrübung bezeichnet.

Periodische Augenentzündung

Die equine rezidivierende Uveitis (ERU) wurde früher auch als Mondblindheit bezeichnet und heißt heute im Volksmund periodische Augenentzündung. Sie ist das Schreckgespenst unter den Augenerkrankungen.

Die Uveitis ist eine Entzündung des inneren Auges. Sie wird entweder durch eine äußere Verletzung des Auges oder durch eine Leptospiren-Infektion ausgelöst. Durch eine gezielte Behandlung mit Salben klingt sie wieder ab.

Bei der ERU handelt es sich um wiederkehrende Entzündungsschübe. Liegt eine wiederkehrende Entzündung vor, ist sie in der Regel durch spiralförmige Bakterien, sogenannte Leptospiren, verursacht. Die Bakterien befinden sich im Glaskörper des Auges. Wie sie dorthin gelangen, wann sich das Pferd infiziert und wie es diese aufnimmt, ist bisher noch nicht komplett erforscht. Die Bakterien verursachen wiederkehrend auftretende Entzündungen des inneren Auges und können das Auge bis zur Verkleinerung und Erblindung schädigen. Für Pferde ist diese Erkrankung sehr schmerzhaft. Leiden die Tiere an einem akuten Schub, kneifen sie das Auge zu, haben Tränenfluss, die Bindehäute sind gerötet und die Pupille ist eng gestellt. Der Augenhintergrund kann grünlich schimmern. Mitunter ist der Schmerz so stark, dass die Pferde das Fressen einstellen.

Ein akuter Schub wird mit Schmerzmitteln und Augensalben (Kortison und Atropin) behandelt. Ist er abgeklungen, hängt es von dessen Schwere ab, ob und wie sehr das Auge geschädigt ist. In manchen Fällen sind die Zeichen der Entzündung so minimal, dass nur ein erfahrener Augenspezialist sie erkennen kann. In schwerwiegenden Fällen kommt es zu Verklebungen der Iris mit der Vorderfläche der Linse. Als Folge kann auch ein Grüner oder Grauer Star auftreten. Nach Abheilung und Abklingen des Schubes lässt sich nicht voraussagen, wann der nächste Entzündungsschub kommt. Es gibt auch atypische Formen, die ohne jegliche Symptomatik ablaufen und erst dann auffallen, wenn das Pferd blind ist. Die periodische Augenentzündung kann sogar eine Ablösung der Netzhaut bewirken.

Treten die Schübe an einem Auge auf, besteht ein 75-prozentiges Risiko, dass das andere Auge ebenfalls infiziert ist und erkrankt. Glücklicherweise kann diese Erkrankung durch die sogenannte Vitrektomie gut therapiert werden. Bei dieser Operation am Auge, die in Vollnarkose durchgeführt wird, erfolgt ein Austausch des Glaskörpers mit einer Ersatzflüssigkeit. Nach der Operation sind die Pferde zu 95 Prozent schubfrei.

Eine Besonderheit besteht beim Appaloosa und beim Paint Horse. Bei diesen Pferderassen ist die Vitrektomie nicht wirksam. Ihnen hilft nur ein Implantat, das ein Medikament zur Immunsuppression absondert.

Hat das Auge mehrere schwere Schübe erlitten, ist es bei einigen Pferden nicht mehr zu retten. Liegt ein so dramatischer Zustand vor, wird das Auge meist vollständig entfernt. Dadurch können weitere schmerzhafte Schübe für das Pferd verhindert werden.

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