Tierärztin untersuch braunes Pferd mit Stethoskop
Tiergesundheit

Schreckgespenst Kolik – wenn der Darm beim Pferd streikt

28.09.2021

Die Verdauungsorgane des Pferdes arbeiten rund um die Uhr. Wenn in dem komplexen Zusammenspiel der Organe etwas schiefläuft, droht das Schreckgespenst jedes Pferdehalters: eine Kolik.

Der Darm des Pferdes ist ein wahres Hochleistungsorgan. Er stellt aus Gras (und Getreide) Energie bereit. Er ist aber auch prädestiniert für Störungen. Denn das Pferd hat als Steppen- und Fluchttier ein sogenanntes sensibles Vegetativum. Das bedeutet, es reagiert sensibel auf Veränderungen seiner Umwelt. Faktoren wie Wetterumschwünge, Fütterungstechnik, Qualität und Quantität des Futters, Haltungsfehler, Stress und Überarbeitung können für Koliken (Bauchschmerzen) verantwortlich sein. Dann funktioniert der sensible Darm nicht mehr korrekt und das Pferd leidet an starken Bauchschmerzen.

Wie äußert sich eine Kolik?

Die Symptome können vielfältig sein: Das Pferd frisst nicht, es schaut sich wiederholt nach seinem Bauch um, es tritt sich unter den Bauch oder es liegt ruhig in Brustbauchlage. Aber auch heftigere Reaktionen sind möglich, die sowohl für das Pferd selbst als auch für die umstehenden Personen gefährlich werden können. Ist der Schmerz so groß, dass das Pferd fast besinnungslos wirkt, kann es sein, dass es sich hinwirft, wälzt und wieder aufspringt. In diesen Situationen ist für Pferdebesit­zer und Stallpersonal besondere Vorsicht geboten.

Alle Anzeichen für eine Kolik sind ernst zu nehmen, da die Erkrankung lebensbedrohlich für Pferde sein kann und oft eine Operation erforderlich macht.

Was ist bei Kolikanzeichen zu tun?

Der erste Schritt ist der Anruf beim Tierarzt. Eine Kolik ist ein Notfall und der Tierarzt wird sein Tagesgeschäft unterbrechen sowie in der Nacht und am Wochenende umgehend für eine Untersuchung in den Stall kommen. Bei milden Kolikanzeichen kann das Pferd geführt werden. Die Auffassung, dass das Wälzen vermieden werden sollte, ist nicht immer korrekt. In erster Linie stehen die Sicherheit des Menschen und die Sicherheit des Pferdes im Vordergrund. Ein Pferd mit massivsten Bauchschmerzen wird sich sogar auf eine Vertrauensperson werfen. Die Tiere sind dann wie von Sinnen vor Schmerzen und niemand sollte sich in ihrer unmittelbaren Nähe aufhalten.

Sind die Koliksymptome so schlimm, dass sich das Pferd unkontrolliert auf den Boden wirft, dann sollte es zum Beispiel in eine Halle oder auf einen Platz geführt werden, der genügend Raum zum Wälzen und Aufspringen bietet und wenig Verletzungsgefahr birgt.

Was macht der Tierarzt?

Eine Kolik drückt sich durch Schmerz im Bauchraum aus. Der Tierarzt wird zu Beginn eine allgemeine Untersuchung durchführen, um die Ursache des Schmerzes zu finden. Dabei schaut er sich die Schleimhäute an, testet die kapillare Rückfüllzeit und den Hautturgor (durch Ziehen einer Falte am Hals), fühlt den Puls, hört das Herz ab und misst Fieber. Kolikanzeichen können auch ein Anhaltspunkt für einen fieberhaften Infekt sein, deshalb ist eine gründliche Untersuchung durch den Tierarzt elementar. Zusätzlich werden die Atemfrequenz ausgezählt und der Darm abgehört.

Um sich ein noch genaueres Bild zu machen, führt der Tierarzt eine rektale Untersuchung durch. Eine sogenannte Nasen-Schlund-Sonde wird über die Nase in den Magen geschoben. Dort wird der Füllungszustand des Magens überprüft. Je nach Befund können gleichzeitig Medikamente wie Paraffinöl, Glaubersalz und Wasser eingegeben werden. Ist der Magen zu voll, weil zum Beispiel eine Passagestörung im Dünndarm besteht, kann dieser leichter platzen als beim Menschen oder bei anderen Tieren. Der Kampf gegen die Kolik ist dann leider verloren.

Nach den Untersuchungen spritzt der Tierarzt in der Regel ein Medikament zur Beruhigung des Darms sowie ein Schmerzmittel. Die meisten Koliken lassen sich damit gut behandeln. In der Regel sind es Störungen der Darmperistaltik (Darmbewegung), die zu Darmkrämpfen oder Aufgasungen führen.

Was sind die organischen Ursachen für eine Kolik?

Ein häufiger Grund für eine schwere Kolik ist eine Verlagerung des Dickdarms. Der Dickdarm mit seiner doppelten Hufeisenform kann sich um sich selbst drehen (Dickdarmdrehung), sich nach rechts verlagern (Kolonrechtsverlagerung) oder sich über das Milz-Nieren-Band legen. Diese Kolikformen sind nicht mit einer Spritze behandelbar. Die Verlagerung muss durch eine Operation behoben werden.

Die Ursachen für eine Kolik sind vielfältig. Es gibt auch Formen, bei denen der Dünndarm verstopft (z. B. Ileumopstipation) oder im Netzbeutel abgeklemmt wird. Aufgrund seiner großzügigen Aufhängung im Bauchraum kann sich der Dünndarm auch um ein in der Bauchhöhle pendelndes Fettgeschwulst (Lipoma pendulans) wickeln und abgeklemmt werden. Eine weitere Kolikursache ist die Einstülpung von Darmteilen ineinander, die sogenannten Invaginationen. Dabei können verschiedene Darmteile absterben.

Was passiert bei einer Kolik-Operation?

Ist eine Operation in einer Klinik notwendig, erhält das Pferd eine Vollnarkose und der Bauchraum wird geöffnet. Der Chirurg betrachtet die einzelnen Abschnitte des Darms. Er holt die einzelnen Anteile nacheinander aus der Bauchhöhle, untersucht sie, befreit sie gegebenenfalls von Verstopfungen und legt sie dann in der Bauchhöhle zurück an den richtigen Platz.

Die Tage nach der Operation können je nach Kolikform und Verfassung des Patienten eine intensive Nachsorge erfordern. Das Pferd ist in den ersten drei bis fünf Tagen ein Intensivpatient. Für die Klinik bedeutet das, rund um die Uhr ein vollständiges OP-Team in Bereitschaft zu haben, das aus mindestens drei bis fünf Personen besteht.

Wie hoch sind die Kosten einer Kolik-Operation?

Der hohe personelle und organisatorische Aufwand rettet Pferdeleben, ist aber auch mit hohen Kosten verbunden. Eine Kolik-Operation kann Kosten zwischen 5.000 und 15.000 Euro verursachen.

Eine Operationskostenversicherung für Pferde kann das finanzielle Risiko mindern. Sie übernimmt je nach Tarif die Kosten für die Kolik-Operation bis zum zweifachen Satz der GOT (Gebührenordnung für Tierärzte) und die Nachsorge an den ersten drei, sieben oder zehn Folgetagen.

Aber auch eine sogenannte konservative Kolikbehandlung, also die Behandlung mit Medikamenten und Infusionen sowie die Eingabe von Medikamenten über eine Nasen-Schlund-Sonde, kann sich über mehrere Tage ziehen. Die dafür anfallenden Kosten können von 500 bis 1.500 Euro pro Tag reichen. Hier bietet eine Pferde-Krankenversicherung finanziellen Schutz. Sie deckt die Kosten für alle ambulanten und stationären, konservativen sowie chirurgischen Eingriffe ab.

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