Pferd vertraut Reiterin sie stehen Stirn an Stirn.
Häufige Fragen

Vertrauen vom Pferd erkennen: So zeigen sie ihr Vertrauen

11.05.2022

Grundsätzlich zeigen Pferde ihr Vertrauen durch die Zuneigung, die sie dem Menschen entgegenbringen. Wenn sich dein Pferd bei dir sicher fühlt, dann drückt es das mit vielen, oft unscheinbar wirkenden Gesten aus. Damit du die Körpersprache deines Pferdes besser einordnen und verstehen kannst, zeigen wir dir in diesem Beitrag welche Gesten das Vertrauen deines Pferdes ausdrücken.

Beim Pferd Vertrauen aufbauen – so entsteht die Bindung

Wer bereits viel Zeit mit einem Pferd verbracht hat, weiß, welches Band sich zwischen Mensch und Tier entwickeln kann. Egal, ob du Turniere reitest, eher im Freizeitbereich unterwegs bist oder dein Pferd nur vom Boden aus betreust – Ruhe und Zeit sind die Basis für eine vertrauensvolle Beziehung. Ausgiebiges Putzen, eine entspannende Massage, ein Führungstraining oder ein Spaziergang sind gute Alternativen zum Reiten, die Mensch und Pferd oft gleichermaßen genießen. Je besser du dein Pferd kennst, desto eher kannst du die kleinen Gesten deuten, mit denen dein Tier seine Zuneigung ausdrückt. Natürlich ist jedes Pferd ein Individuum, aber es gibt trotzdem ein paar gängige Gesten, wie Pferde ihr Vertrauen ausdrücken.

Vertrauen vom Pferd: Das sind typische Gesten

  • Das Pferd nimmt eine entspannte Körperhaltung an: Pferde sind Fluchttiere. Es liegt also in ihrer Natur, sich ständig nach potenziellen Gefahren umzusehen. Fühlt sich ein Pferd in deiner Gegenwart sicher, äußert sich das in der Körperhaltung des Pferdes. Erkennbar ist diese ruhige Pose an mehreren Merkmalen: Die Ohren klappen entspannt zur Seite, die Augen können halb geschlossen sein und die Unterlippe hängt locker herab. Der Hals wird gesenkt, vielleicht sogar eines der Hinterbeine entlastet. Um einen Vertrauensbeweis handelt es sich auch, wenn das Tier den Menschen auf beiden Seiten seines eigenen Körpers akzeptiert. Denn durch die bessere Verbindung zum Gefühlszentrum in der rechten Gehirnhälfte haben Pferde ihre Reiter:innen allgemein lieber auf ihrer linken Seite.
  • Das Pferd kann dich gut riechen: Eine Steigerung findet die entspannte Haltung, wenn ein Pferd seinen Kopf auf die Schulter des Menschen In einem solchen Moment können die Augen sogar gänzlich geschlossen sein. Das Tier atmet ruhig und tief.
  • Das Pferd folgt aufmerksam: Wenn ein Pferd aktiv Nähe zu seinen Menschen sucht, ist das ebenfalls ein Zeichen für Zuneigung und Vertrauen. Mit einem kleinen Experiment lässt sich das testen: Steht das Tier frei in der Nähe und richtet seine Ohren oder gar seinen gesamten Kopf in Richtung Halter:in, kannst du dich umdrehen und langsam weggehen. Wenn das Pferd direkt folgt, zeigt das sein Vertrauen in deine Verlässlichkeit und deine Führungsqualitäten. Denn in der Natur wäre es für ein Pferd lebensgefährlich, jemandem zu folgen, dem es nicht vertraut. Kommt das Tier nicht hinterher, dann zahlen sich weitere beziehungsfördernde Aktivitäten aus: Also statt einer Lektion auf dem Reitplatz lieber einmal mehr gemeinsam spazieren gehen, ausgiebig putzen oder vom Boden aus zusammen einen Geschicklichkeitsparcours bewältigen – ohne Druck, aber mit viel Lob, wenn etwas gut klappt.
  • Das Pferd sucht Nähe: Neben dem Folgen kann auch ein generelles Bedürfnis nach deiner Nähe Zuneigung ausdrücken. Egal ob beim Fressen auf der Weide oder beim Spielen: Pferde sind es gewohnt, dass sie sich parallel zueinander positionieren. Setzt es dieses Verhalten auch mit einem Menschen fort, ist das ein gutes Zeichen.
  • Das Pferd begrüßt seinen Reiter oder seine Reiterin: Die Begrüßung zwischen Mensch und Pferd fällt in der Regel sehr individuell aus. Es kommen also verschiedene Gesten in Frage, die dein Pferd machen kann, wenn du in den Stall oder auf die Weide kommst: Manche Pferde brummen etwas, wenn man sich nähert. Andere wiehern vielleicht sogar und kommen dem Menschen Wieder andere heben nur den Kopf und gucken erwartungsvoll und mit gespitzten Ohren herüber. Ein leichtes Anstupsen mit der Nase kann als freundschaftlicher Handschlag betrachtet werden. Wichtig ist hier jedoch zu beachten: Wer zur Begrüßung immer Leckerlis dabei hat, wird vermutlich nicht (nur) auf Grund seiner Person willkommen geheißen, sondern weil es eine Belohnung gibt. Es ist daher ratsam, auf Leckerlis zugunsten von Beziehungsarbeit zu verzichten oder sie nur sparsam zu geben.
  • Das Pferd vertraut deinen Kommandos: Egal, ob am Boden oder im Sattel: Hört ein Pferd auf deine Hilfen, ist das grundsätzlich ein gutes Zeichen. Wenn es sogar deinen Anweisungen folgt, wenn die Situation ungewohnt oder ängstigend ist, zeugt das abermals von einer engen Beziehung. Nähert sich beispielsweise beim Ausritt ein großer Traktor und dein Pferd bleibt brav stehen und senkt sogar den Kopf, dann schenkt es dir damit einen Vertrauensbeweis. Auch beim Verladen in einen Hänger zeigt sich oft, wie die Bindung zwischen Mensch und Tier ist. Aber selbst bei Alltagstätigkeiten im Reitstall wie Satteln oder Hufe auskratzen lässt sich die Bereitschaft eines Pferdes, stillzustehen und die Aktivitäten mitzumachen, feststellen.

Gerade in Kombination von mehreren dieser Merkmale kann die Zuneigung eines Pferdes relativ sicher abgelesen werden. Sucht das Pferd etwa die Nähe seiner Menschen und wirkt dabei absolut entspannt, dann vertraut es und fühlt sich sicher in dieser Umgebung.

Aufdringliches Verhalten ist keine Zuneigung

Vorsicht ist geboten, wenn Zuneigung mit übergroßer Nähe verwechselt wird. Jede freundschaftliche Annäherung des Pferdes sollte mit Respekt und Vorsicht erfolgen – schließlich handelt es sich um ein großes Tier mit mehreren Hundert Kilo und harten Hufen. Wer also seinem Pferd erlaubt, sich den Kopf regelmäßig mit voller Wucht am Menschen zu schubbern, der riskiert seine eigene Unversehrtheit. Ebenso kann es gefährlich sein, wenn ein Pferd sich beim Putzen hin- und herdreht, ohne den möglicherweise deutlich kleineren Menschen neben sich zu beachten.

Klare Grenzen verbessern das Vertrauen zwischen Pferd und Mensch

Tatsächlich vertieft es eher das Band zwischen Mensch und Pferd, wenn du deinem Pferd die Grenzen der Liebesbeweise deutlich aufzeigst. In der Pferdesprache ist es vollkommen normal, das Gegenüber in Schranken zu weisen und auf einem gewissen respektvollen Abstand zu bestehen. Verhält sich dein Pferd also allzu aufdringlich oder respektlos, dann achte auf deine Körperhaltung und Ausstrahlung. Wer sich groß macht, vor dem Pferd aufrichtet und es mit einem deutlichen „Nein“ zurückschickt, erarbeitet sich Respekt. So sollte das Pferd auch beim Führen den Menschen nicht überholen – das würde sich in der Rangordnung einer Herde ein Tier nur mit einem rangniedrigeren Genossen erlauben. Um das Vertrauen deines Pferdes langfristig zu erhalten, solltest du es immer liebevoll, klar und konsequent, aber niemals mit Androhung von Strafen oder Schmerzen zurechtweisen. Auch Bodenarbeiten oder Vertrauensübungen mit deinem Pferd können helfen, die Beziehung zwischen dir und deinem Pferd zu verbessern und das Vertrauen zu stärken.

Fazit: Das Vertrauen des Pferdes muss erarbeitet werden

Es sind viel Zeit und Geduld vonnöten, bis ein Pferd seinen Menschen vertraut und es braucht ebenso viel Aufmerksamkeit, dass die Zeichen der Zuneigung bemerkt werden. Wenn du dir also die Frage stellst, ob dir dein Pferd vertraut, solltest du auf die kleinen Gesten achten und auch selbst Liebe mit in die Beziehung einbringen. Somit kannst du, die Freundschaft zu deinem Pferd jeden Tag ein Stück mehr festigen.

FAQ: Häufig gestellte Fragen

Wie gewinne ich das Vertrauen meines Pferdes?

Im Laufe der Zeit baut dein Pferd Vertrauen zu dir auf. Beim Putzen, Massieren, Spazieren und natürlich beim Reiten gewinnt dein Pferd Vertrauen. Dieser Prozess dauert aber natürlich seine Zeit und du solltest Geduld mitbringen.

Vertraut mir mein Pferd?

Ob dir dein Pferd vertraut kannst du an bestimmten Gesten festmachen. Wenn dein Pferd deine Nähe sucht, dich begrüßt oder deinen Kommandos vertraut können dies Signale sein, dass es dir vertraut. Dabei ist natürlich jedes Pferd unterschiedlich und so sind auch die Signale bei jedem Pferd unterschiedlich.

Warum sind Grenzen zwischen Mensch und Pferd gut?

Grenzen zwischen dir und deinem Pferd fördern das Vertrauen. Du solltest deinem Pferd klar sagen, was es darf und was nicht. Dabei solltest du es natürlich nicht verletzen, aber du solltest in der Beziehung einen höheren Rank einnehmen um Gefahren aus dem Weg zu gehen.

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