Eine Frau läuft mit ihrem Pferd über eine grüne Wiese, sie sind beim Führtraining.
Erziehung und Training

Führtraining: Pferde richtig führen

21.09.2020

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Ein Pferd führen, das klingt erst einmal ganz einfach. Doch nicht jedes Pferd folgt einem auf Schritt und Tritt! Hier findest du Tipps, wie du die Führungsrolle übernehmen kannst.

Manche haben vielleicht das Glück, dass ihnen ihr Pferd auf Schritt und Tritt folgt, ohne dass sie dafür viel Training absolvieren müssen. Andere haben’s schwer: Das Pferd läuft weiter, obwohl man stehenbleibt, es rempelt einen an, beißt in den Führstrick oder Zügel, kommt nicht vom Fleck, lässt sich mühevoll um jeden einzelnen Schritt bitten. Da macht schon das Führen von der Wiese zum Putzplatz oder später vom Putzplatz zur Reitbahn absolut keinen Spaß.

Die Vertrauensfrage

In der Beziehung zwischen Pferd und Mensch kann nur einer von beiden der Ranghöhere sein. Das ist mehr oder weniger die Kernforderung, die sich nicht nur auf den Umgang mit dem Pferd generell und das Reiten, sondern speziell auch auf das Führen bezieht. „Der Mensch bestimmt den Weg“, fasst es die Pferdewirtschaftsmeisterin Waltraud Böhmke zusammen. Sie hat sich seit Jahren dafür eingesetzt, dass in der Berufsreiter-Ausbildung die Basis-Bodenarbeit ihren Platz findet und ist Mitglied im FN-Arbeitskreis Bodenarbeit. „Im Ergebnis lässt sich ein Pferd dann führen, wenn es den Menschen als Ranghöheren akzeptiert und ihm damit auch vertraut und folgt“, sagt die Ausbilderin. Doch wie bringe ich dem Pferd bei, dass es sich von mir führen lässt?

Dreimal „K“: Kompetenz, Konzentration, Konsequenz

Die meisten Probleme beim Führen von Pferden entstehen aus Unwissenheit oder Unachtsamkeit. „Der Mensch findet immer wieder Entschuldigungen, warum es beim Führen diesmal nicht so funktioniert hat oder warum er sein Pferd erst gar nicht selbst zur Weide führt, sondern dies jemand anderem überlässt“, beschreibt Böhmke ihren Alltag mit Pferdehaltern. „Wenn man aber eine klare Vorstellung davon hat, was man möchte, und diese konsequent verfolgt, dann klappt das auch!“, ist sich die Expertin sicher, die in vielen Kursen und Seminaren anderen Pferdehaltern beibringt, wie man Bodenarbeit sinnvoll gestaltet.

Es fängt schon an mit der Körperhaltung und -sprache: Der Mensch sollte sich beim Führen stets so positionieren, dass er das Pferd noch im Augenwinkel beobachten kann – Kopf des Pferdes ungefähr auf Schulterhöhe des Menschen. So sieht der Mensch, ob das Pferd aufmerksam ist, kann am Ohrenspiel ablesen, ob das Pferd sich auf den Menschen konzentriert oder seine Aufmerksamkeit beispielsweise schon lange zu der Stute der Nachbarherde abgewandert ist.

Man sollte schon jungen Pferden das Führen konsequent beibringen und sie lehren, die Körpersprache des Menschen zu verstehen: Geht der Mensch vorwärts, soll das Pferd folgen (nicht überholen!), bleibt er stehen, soll das Pferd ebenfalls stehenbleiben. Wendet der Mensch, folgt das Pferd. Soweit die Theorie.

Viele Menschen widmen der Erziehung vom Boden aus allerdings nicht genügend Aufmerksamkeit, „es wird auch heutzutage weniger gelehrt“, stellt Böhmke fest. Statt das Pferd zu „lesen“ wird erwartet, dass der Vierbeiner Gedanken lesen kann und brav tut, was man sich vorstellt. Allein durch Konzentration auf das, was man tut, gepaart mit konsequenter Erziehung beim Führen lassen sich fast alle Führungsdiskussion zwischen Mensch und Pferd verhindern. Und das ist wichtig. Nicht nur, weil ziehende oder schleichende Pferde einem auf die Nerven gehen, sondern weil es auch gefährlich werden kann, wenn das Pferd nicht das macht, was der Mensch von ihm erwartet.

Das Prinzip KKK gilt natürlich auch für andere Trainingsarten wie dem Intervalltraining.

Schritt für Schritt – so klappt’s mit dem Führtraining

Der wichtigste Grundsatz beim Führtraining ist die positive Verstärkung von erwünschtem Verhalten. Wenn du Probleme mit dem Führen hast, suche dir zunächst einen ruhigen Ort, wo möglichst keine Ablenkung droht. So gelingt es am besten, sich voll und ganz auf das Pferd zu konzentrieren – und umgekehrt das Pferd auch auf sich.

Die meisten Pferde sind es gewohnt, von links geführt zu werden – es ist aber Übungssache, ob man von links oder rechts führt. Gerade bei problematischen Pferden allerdings ist es ratsamer, zunächst von links, also mit der rechten Hand, zu führen, besonders wenn man Rechtshänder ist.

Wenn du das Pferd am Halfter führst, gehe ein paar Schritte und halte wieder an, eine Stimmhilfe, zum Beispiel „Hooo“ oder „Haaaalt“ ist sehr hilfreich. Falls du ein sehr eifriges Pferd hast: Nutze deinen Körper. Richten dich auf, wenn du anhalten willst, touchiere das Pferd eventuell mit der Hand oder einer kleinen Gerte an der Brust oder am Buggelenk, damit es stehen bleibt.

Wenn dein Pferd eher zu den gemütlichen Kandidaten gehört und sich zu sehr „bitten lässt“, nimm eine längere Gerte in die Hand, mit der du dem Pferd auf die Sitzbeinhöcker oder tiefer am Hinterbein leichte Impulse geben kannst. „Auch ein Leitseil kann hilfreich sein, mit dessen Hilfe man das Pferd hinter sich touchieren kann“, weiß Waltraud Böhmke aus jahrelanger Erfahrung. Verwende auch hier eine Stimmhilfe zur Unterstützung, beispielsweise „komm“. Achte darauf, nicht dauerhaft am Strick oder Zügel zu ziehen – durch Druck entsteht Gegendruck. „Zupfe“ lieber mehrfach am Strick oder Zügel. Und vergiss auch hier das Loben nicht, wenn das Pferd korrekt reagiert!

Konzentriere dich darauf, dein Pferd langfristig stets an einem leicht durchhängenden Strick oder Zügel zu führen und sorge konsequent dafür, dass das Pferd nicht am Strick oder Zügel knabbert. Auch hier: Lobe erwünschtes Verhalten und trainiere es, bis es selbstverständlich ist.

Das Führen auf Trense ist vor dem Reiten üblich – diese Pferde haben aber meist auch schon Führtraining hinter sich. Denn die Trense birgt gerade beim Lernen die Gefahr, dass man das Pferd bei unachtsamen Bewegungen oder wenn es gar zur Seite springt, im Maul verletzt. Außerdem kann das Führen auf Trense auch wichtig sein, wenn Pferde im Straßenverkehr geführt werden. Denn die StVO schreibt vor, dass die führende Person geeignet sein muss, ausreichend auf die Tiere einwirken zu können. Deshalb ist ein Führtraining mit deinem Pferd vor der Teilnahme am Straßenverkehr zu empfehlen.

Einen kompletten Online-Kurs zum Führtraining findest du übrigens bei wehorse. In diesem Kurs lernst du Schritt-für-Schritt, wie du ein Pferd sicher und korrekt führst. Zudem erhältst du hilfreiche Tipps für unsichere Situationen und einen Einstieg in den Bereich Horsemanship.

Checkliste Führtraining

  • Führtraining kann früh, sogar schon im Fohlenalter begonnen werden.
  • Kompetenz, Konzentration und Konsequenz sind die wichtigsten Bestandteile des Trainings.
  • Die Arbeit mit positiver Verstärkung bringt relativ schnelle Erfolge.
  • Training sollte am Halfter oder Knotenhalfter erfolgen, weil das Führen mit Trense Verletzungsgefahren birgt.

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