Pferd in Pferdeanhänger verladen
Erziehung und Training

Schritt für Schritt in den Pferdeanhänger – Tipps für ein entspanntes Verladetraining mit Pferd

10.04.2022

Ob Turnier, Ausritt oder als Notfall in die Pferdeklinik: Irgendwann muss jedes Pferd einmal im Pferdeanhänger transportiert werden. Damit das funktioniert, solltest du mit deinem Tier frühzeitig das Verladen trainieren. Welche Schritte dabei zu beachten und welche Fehltritte zu vermeiden sind, erfährst du in diesem Beitrag.

Die Fahrt zum Turnier ist geplant, die Ausrüstung liegt parat, jetzt muss nur noch das Pferd in den Anhänger verladen werden und los geht’s. Was in der Theorie einfach klingt, ist in der Praxis das Ergebnis von viel Vorbereitung und Übung. Nur mit dem richtigen Training wird das Verladen zu einem Vorgang, der weder Pferd noch Reiter:in stresst. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist jederzeit: Genügend Zeit einplanen sowie Ruhe bewahren und ausstrahlen.

Bei einem Transport von Pferden kann es leider auch immer zu Unfällen kommen. Um gut geschützt zu sein sollte unbedingt eine Pferde-Transport-Versicherung abgeschlossen werden.

Voraussetzungen für das Verladetraining mit dem Pferd

Am besten übernimmt ein Mensch das Verladetraining, der das Pferd gut kennt und dem es vertraut. Das Pferd sollte sich vorwärts und rückwärts kontrolliert führen lassen und auch an sämtliche Ausrüstung gewöhnt sein, die beim Verladen gebraucht wird.

Grundsätzlich sollte das Pferd beim Aufenthalt im Anhänger ein stabiles, breites und gutsitzendes Halfter tragen. Des Weiteren ist der Gebrauch von Transportgamaschen oder Bandagen mit Hufglocken zu empfehlen, damit das Pferd sich beim Abrutschen auf der Rampe oder sonstigen Fehltritten nicht verletzt. Gegen kalte Temperaturen, den Fahrtwind und Insekten hilft zudem eine Decke. Das Tragen von Gamaschen oder Decke sollte schon vor dem Verladetraining ausreichend geübt werden, da besonders junge Pferde dazu neigen, sich mit ungewohnter Ausrüstung kaum noch zu bewegen, geschweige denn sicher führen zu lassen. Schließlich braucht das Pferd natürlich auch noch Zeit, um sich an den Anhänger zu gewöhnen. Gerade die Geräusche und mögliche wackelige Untergründe können sonst schnell für Stress und Unruhe sorgen.

Auch Pferdehalter:innen sollten sich vorbereiten. So sollten das Ankuppeln des Pferdeanhängers an das Auto und eine ruhige Fahrweise mit dem Pferdeanhänger bereits im Vorfeld ohne Pferd geübt werden. Zum Verladen des Pferdes empfiehlt sich immer das Tragen von festem Schuhwerk und Handschuhen.

Mit dem Pferd das Verladen trainieren

Das erste Verladetraining sollte immer an einem ruhigen Ort stattfinden, an dem sich das Pferd wohlfühlt. Im Idealfall sind keine anderen Menschen oder Tiere in der Nähe, sodass sich das Pferd voll auf das Training konzentrieren kann und nicht abgelenkt wird. Der Pferdeanhänger steht dabei sicher auf einem festen Untergrund.

Zuerst kann das Pferd den Anhänger ganz in Ruhe beschnuppern, bis es keine Fluchttendenzen mehr zeigt. Im Folgenden wird es dann schrittweise und frontal auf gerader Linie an die Rampe herangeführt und zunächst gestoppt, wenn es mit beiden Vorderhufen auf dem Aufgang steht. Wenn das entspannt funktioniert, kann das Tier mit allen vier Beinen auf die Klappe geführt werden. Jedes kooperative Verhalten wird dabei belohnt – entweder durch verbales oder auch durch Futterlob.

Je nach Bauweise des Pferdeanhängers kann das Betreten des Innenraums nun erst ohne, dann mit seitlich verschobener und schließlich mit eingebauter Trennwand trainiert werden. Erst wenn das Tier in diesem letzten Schritt stressfrei steht, kann die Heckstange geschlossen werden. Natürlich wird das Pferd auch dabei ausgiebig gelobt und gestreichelt. Dann erfolgt das Anbinden mit dem Führstrick – gerade so lang, dass sich das Pferd ausbalancieren kann. Entsprechend sollte auch das Heunetz hoch genug hängen.

Beim Ausladen wird der Strick zuerst gelöst und dann die Stange geöffnet. Das Zurückführen erfolgt ohne Druck, um das Pferd durch fehlende Fluchtoptionen nicht zu stressen. Wenn es im Begriff ist, die Rampe schief zu verlassen und seitlich von der Rampe zu rutschen, sollte der/die Pferdeführer:in den Kopf des Tieres in Richtung der Schieflage drehen, sodass es seinen Kurs korrigiert. Nach Möglichkeit sollte eine zweite Person an der Seite der Klappe stehen und notfalls die Hinterhand des Pferdes in die richtige Richtung schieben, um Fehltritte und Verletzungen zu vermeiden.

Wenn diese Schritte problemlos funktionieren, können die Lektionen später an einem belebteren Ort wiederholt und gefestigt werden. Wenn das Pferd an das Verladen gewöhnt ist, sollte der Vorgang immer ruhig und gelassen, aber zügig durchgeführt werden.

Generell gilt beim Verladetraining wie bei jedem Training, dass nur so viel Fortschritt erzielt werden kann, wie das Tier anbietet. Positive Verstärkung wirkt dabei motivierend: Optimal ist es, wenn das Pferd sofort nach jeder einzelnen Aufgabe gelobt wird. Wahlweise kann dieses Lob aus Streicheln, Kraulen, ruhigen Worten oder einer Futterbelohnung bestehen. Das Training sollte immer mit einem positiven Ergebnis beendet werden, sodass das Pferd den Pferdeanhänger und das Verladen mit etwas Positivem verbindet. Wenn das individuelle Training keinen Erfolg zeigt, kann auch ein Verladetrainer oder eine Verladetrainerin hinzugeholt werden.

Den Pferdeanhänger überprüfen

Für einen stressfreien Pferdetransport ist natürlich auch ein verkehrssicherer Pferdeanhänger entscheidend. Grundsätzlich muss dieser TÜV-geprüft sein. Weitere Aspekte sollten zusätzlich regelmäßig kontrolliert werden, etwa wenn der Anhänger während des Winters nicht bewegt wurde: Licht und Reifen könnten beschädigt sein, die Auflaufbremse nicht oder nicht mehr sanft funktionieren und auch die Kupplung gilt es zu überprüfen. Des Weiteren können (besonders bei alten Holz-Anhängern) Böden und Seitenwände Schäden aufweisen.

Voraussetzung für eine sichere Fahrt ist außerdem, dass das Pferd zum Anhänger passt und der Anhänger zum Zugfahrzeug. Welche Last ein Fahrzeug ziehen darf, ist unter dem Punkt „technisch zulässige Anhängelast gebremst“ im Fahrzeugschein vermerkt. Wer die Führerscheinklasse B hat, muss eine Zusatzprüfung (Schlüsselzahl 96) absolvieren, um mit einem Anhänger samt Pferd fahren zu dürfen. Soll mehr als ein Pferd transportiert werden, wird hingegen meist die Führerscheinklasse BE notwendig. Zudem muss immer der Equidenpass mitgeführt werden.

Schritt für Schritt in den Pferdeanhänger, so geht‘s:

  • Vor Fahrtantritt den Pferdeanhänger prüfen
  • die richtige Ausrüstung für Pferd und Pferdeführer:in bereitstellen
  • das Pferd den Pferdeanhänger beschnuppern lassen
  • das Pferd zur Anhängerklappe führen
  • die Vorderhufe auf die Rampe stellen lassen
  • alle Hufe auf der Rampe positionieren
  • das Pferd in den Innenraum führen (erst ohne, dann mit Trennwand)
  • die hintere Stange befestigen, wenn das Tier ruhig steht
  • kurz anbinden, sodass das Pferd sich noch ausbalancieren kann
  • losbinden
  • Stange entfernen
  • vorsichtig zurückführen
  • nach jedem Zwischenschritt loben, loben, loben!

Verladetraining ist wichtig, damit das Verladen des Pferdes jederzeit bei Bedarf reibungslos funktioniert. Wer zudem gut auf seinen Pferdeanhänger achtet, kann jederzeit gelassen der nächsten Fahrt entgegenblicken.

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