Häufige Fragen

Wolfskralle – Wahrheit oder Mythos?

17.09.2019

Hat Ihr Hund eine Wolfskralle? Nein? Das trifft jedoch nicht auf alle Vierbeiner zu. Was steckt hinter der fünften Kralle und was ist bei der Pflege und dem Schneiden der Hundekralle wichtig?

Was ist die Wolfskralle?

Nicht jeder Hund hat die gleiche Anzahl an Krallen. Grund: Die Wolfskralle bzw. Afterkralle ist nicht bei jedem Hund vorhanden. Sie ist die Zehe an der Innenseite der Hinterläufe unserer Vierbeiner. Bei Menschen handelt es sich anatomisch um die große Zehe. Die Genetik gibt vor, ob die Kralle ausgeprägt ist oder nicht. Bei bestimmten Hunderassen, wie der Deutschen Dogge, dem Afghanen und dem Malinois kommt die Wolfskralle häufig vor. Der FCI (Fédération Cynologique International) verlangt beispielsweise beim Berger de Brie sowie beim Beauceron sogar die fünfte Kralle. Übrigens: Anders als bei den Hinterläufen bestehen die Vorderläufe bei allen Hunden aus 5 Krallen. Denn die sogenannte Daumenkralle hat jeder Hund an der Innenseite seiner Vorderläufe.

Bei diesen Rassen kommt die Wolfskralle besonders häufig vor:

  • Afghane
  • Beauceron
  • Berner Sennenhund
  • Bracco Italiano
  • Briard
  • Deutsche Dogge
  • Gos d’Atura Català
  • Kangal
  • Malinois

 

Hintergrundwissen: Der FCI ist eine weltweite Organisation, welche die Merkmale und Standards von Rassehunden festlegt. Sie sind die Grundlage für Bewertungsrichter auf Schauen sowie die Basis für Hundezüchter. Derzeit sind 349 Hunderassen offiziell anerkannt.

Welche Funktion hat die Wolfskralle beim Hund?

Die Antwort ist schlicht: Keine! Hunde sind Zehentreter. Folglich laufen unsere Partner nur auf den Zehen und die Fußsohlen berühren den Boden überhaupt nicht. Diese Gangart erlaubt schnelles Laufen und die Fähigkeit sich perfekt anzuschleichen. Menschen hingegen rollen den Fuß komplett ab – sogenannte Sohlentreter. Den Pfoten der Hunde wäre dies anatomisch gar nicht möglich.

Hände, Pfoten und Co. aller Art sind durch genetische Anpassungsprozesse entstanden, sie passten sich über Millionen Jahre an verschiedene Anforderungen an. Zu Beginn – vor 340 Millionen Jahren – als die Wirbeltiere das Land besetzten, waren alle Arten mit fünf Fingern ausgestattet. Bereits Charles Darwin stellte fest, dass die Hand des Menschen und des Maulwurfes, die Flosse des Delfins, die Flügel der Fledermaus und der Huf des Pferdes das gleiche Muster zeigen. Die Wolfskralle ist beim Hund für seine Zwecke nicht mehr erforderlich und bildete sich zurück.

Warum ist die Pflege der Krallen so wichtig?

Generell ist eine Pfotenpflege immer wichtig. Wenn die Wolfskralle Ihres Hundes sehr ausgeprägt ist, ist das Risiko einer Verletzung größer. Beim Rennen über losen Untergrund, Wald und Wiesen können Stöcke und Äste hinter der Kralle hängen bleiben. Die Kralle kann abreißen und bei unseren Vierbeinern große Schmerzen auslösen. Wird die Wolfskralle nicht, wie die anderen Krallen, regelmäßig geschnitten, droht das Einwachsen. Auch trotz sorgfältiger Pflege, kann es immer zu Verletzungen kommen. Damit Ihr Hund auch in solchen Fällen versichert ist, empfiehlt sich immer eine Hunde-Kranken-Versicherung. Die Afterkralle zu entfernen ist in Deutschland jedoch nicht erlaubt. Das Tierschutzgesetz verbietet Tieren ohne plausiblen Grund Schmerzen, Leid oder Schäden zuzufügen.

Welche Tipps sollten Sie beachten, wenn Sie die Wolfskralle schneiden?

Das Krallenschneiden gehört zur Pflege eines Hundes. Nutzen sich die Krallen wenig ab – zum Beispiel beim Laufen über Asphalt – kann das Schneiden der Kralle häufiger erforderlich sein. Grundsätzlich sollten die Krallen nicht länger als der Ballen des Hundes sein. Halten Sie den Fuß in die Luft: Ist die Kralle länger als der Ballen des Zehs, ist dies das erste Anzeichen dafür, dass Sie die Wolfskralle schneiden sollten. Haben Sie Fliesen oder Parkett? Sobald Sie die Krallen des Hundes beim Laufen hören, ist es ein weiterer Hinweis, um den richtigen Zeitpunkt zum Krallenschneiden herauszufinden.

Hundekrallen sind im Gegensatz zu Fingernägeln durchblutet. Bei hellen Krallen ist dies leichter zu erkennen als bei dunklen. Tipp: Eine Taschenlampe und ausreichend Licht helfen die Blutbahn zu erkennen.

So erkennen Sie die Blutbahn bei einer Hundekralle:

Bei der Pediküre kann die Kralle scheibchenweise abgeschnitten werden. Die Gefahr, die Blutbahn zu treffen, ist geringer und das Verletzungsrisiko kleiner.

  • Wird die Kralle rosa und hell? Dieses Anzeichen weist bei hellen Krallen auf den durchbluteten Bereich hin.
  • Sehen Sie einen Punkt in der Mitte der Kralle? Dann sind Sie bei dunklen Krallen fast an der Blutbahn und sollten das Schneiden beenden.

Warum darf ich die Wolfskrallen nicht entfernen lassen?

Nach §6 (1) des Tierschutzgesetzes ist es verboten, Körperteile von Haustieren zu amputieren – also auch die Wolfskralle zu entfernen. Überflüssige Operationen zu Schönheitszwecken verursachen unnötige Schmerzen bei Ihrem Tier und bringen weitere Risiken mit sich. Nur in Ausnahmefällen, zum Beispiel infolge einer Verletzung, kann ein Tierarzt die Operation verordnen. Ist die Wolfskralle verletzt – z.B. eingerissen – kann eine operative Entfernung nötig werden. Um auch für solche Fälle Vorbereitet zu sein, sollte auch eine Hunde-OP-Versicherung abgeschlossen werden. Muss der Tierarzt die Wolfskralle entfernen, entstehen Kosten für die Operation, Narkosemittel, OP-Material und die Überwachung des Hundes im Anschluss. Unter Umständen ist auch ein Röntgenbild notwendig.

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