Hund bei der Untersuchung auf Parodontitis.
Tiergesundheit

Parodontitis: Die häufigste Zahnerkrankung bei Hunden

06.08.2026

Parodontitis ist eine Entzündung des Zahnhalteapparats. Sie kann zu Schmerzen, Zahnverlust und weiteren gesundheitlichen Problemen führen. Bei Hunden zählt sie zu den häufigsten Zahnerkrankungen. Schon bei jungen erwachsenen Hunden können erste Veränderungen auftreten.

Oft übersehen Halter und Halterinnen die Anzeichen oder nehmen sie nicht ernst. Aus diesem Grund wird Parodontitis häufig erst erkannt, wenn bereits Schäden entstanden sind. In unserem Artikel erfährst du alles, was du zu dem Thema wissen musst.

Was ist eine Parodontitis?

Der Zahnhalteapparat heißt fachsprachlich Parodont oder Parodontium. Er besteht aus Strukturen, die den Zahn im Kiefer verankern und schützen. Dazu zählen:

  • das Zahnfleisch (Gingiva)
  • der Zahnzement (Cementum)
  • die Wurzelhaut beziehungsweise das Desmodont
  • der Alveolarknochen beziehungsweise das Zahnfach

Bei einer Parodontitis entzünden sich die tieferen Strukturen dieses Zahnhalteapparats. Die Erkrankung beginnt häufig mit einer Gingivitis. Das ist eine oberflächliche Entzündung des Zahnfleischs. Breitet sich die Entzündung auf tiefer liegende Strukturen aus, spricht man von einer Parodontitis.

Dabei können nach und nach Wurzelhaut und Kieferknochen geschädigt werden. Im Gegensatz zu einer einfachen Gingivitis sind bereits entstandene Schäden am Zahnhalteapparat nicht vollständig umkehrbar. Aus diesem Grund ist eine möglichst frühe Erkennung wichtig.

Wie entsteht eine Parodontitis?

Eine zentrale Rolle bei der Entstehung einer Parodontitis spielt Zahnbelag in Form von Plaque. Dabei handelt es sich um einen Biofilm aus Bakterien, Speichelbestandteilen und weiteren Ablagerungen.

Wird Plaque nicht regelmäßig entfernt, können sich Mineralien einlagern. Dadurch verhärtet der Belag und es entsteht Zahnstein. Die raue Oberfläche erleichtert es wiederum neuer Plaque, sich anzulagern.

Entzündet sich zunächst das Zahnfleisch und schreitet dieser Prozess weiter fort, können sich Zahnfleischtaschen bilden. Dort sammeln sich weitere Bakterien. Im Verlauf können Wurzelhaut und Kieferknochen geschädigt werden. Verliert der Zahn zunehmend seinen Halt, kann er sich lockern und schließlich ausfallen.

Verschiedene Faktoren können die Entstehung beziehungsweise das Fortschreiten einer Parodontitis begünstigen:

  • Zahnfehlstellungen: Engstände und ungünstige Zahnstellungen können Bereiche schaffen, die sich schlechter reinigen lassen. Besonders kleine und kurzköpfige Hunderassen haben häufiger sehr eng stehende Zähne.
  • Anatomische Besonderheiten: Fehlbildungen oder andere Besonderheiten an Zähnen und Zahnwurzeln können das Risiko für Zahnerkrankungen erhöhen.
  • Verletzungen und Fehlbelastungen: Das Kauen auf sehr harten oder ungeeigneten Gegenständen kann Zähne beschädigen und Entzündungen begünstigen.
  • Verminderter Speichelfluss: Speichel trägt zur natürlichen Reinigung der Maulhöhle bei. Bestimmte Medikamente oder Erkrankungen können den Speichelfluss beeinflussen.
  • Zahnpflege: Wird Plaque nicht regelmäßig entfernt, steigt das Risiko für Gingivitis und Parodontitis.
  • Weitere Zahnerkrankungen: Erkrankungen einzelner Zähne können auch das umliegende Gewebe betreffen.
  • Allgemeinerkrankungen: Bestimmte Stoffwechsel- oder Hormonerkrankungen können die Abwehrkräfte oder die Heilung beeinflussen.
  • Alter: Mit zunehmendem Alter steigt bei vielen Hunden die Wahrscheinlichkeit, dass sich Zahn- und Zahnfleischprobleme entwickeln.

Symptome einer Parodontitis

Parodontitis wird häufig erst spät erkannt. Zum einen entwickelt sie sich schleichend. Zum anderen zeigen Hunde Schmerzen im Maul nicht immer deutlich.

Mögliche Anzeichen sind:

  • Mundgeruch: auffälliger, unangenehmer Geruch aus dem Maul
  • Sichtbarer Zahnbelag: gelbliche bis bräunliche Beläge auf den Zähnen, besonders am Übergang zum Zahnfleisch
  • Verändertes Zahnfleisch: gerötetes, geschwollenes oder leicht blutendes Zahnfleisch
  • Vermehrter Speichelfluss: stärkeres Speicheln kann unter anderem auf Schmerzen oder Reizungen im Maul hindeuten
  • Verändertes Fressverhalten: der Hund frisst vorsichtiger, bevorzugt weiches Futter oder meidet Kauspielzeug
  • Reiben oder Scheuern: der Hund reibt mit der Pfote über das Maul oder scheuert den Kopf an Gegenständen
  • Verändertes Allgemeinbefinden: der Hund zieht sich zurück, wirkt lustlos oder wehrt Berührungen am Kopf ab
  • Zahnlockerung oder Zahnverlust: ein Hinweis auf eine fortgeschrittene Erkrankung
  • Schwellungen oder einseitiger Nasenausfluss: können darauf hindeuten, dass tiefere Strukturen betroffen sind

Zeigt ein Hund solche Symptome, sollte er tierärztlich untersucht werden.

Warum eine Parodontitis gefährlich ist

Eine Parodontitis führt nicht nur zu Zahnverlust. Sie kann auch weitere gesundheitliche Folgen haben.

Breitet sich die Entzündung im Kiefer aus, kann Knochensubstanz abgebaut werden. In schweren Fällen wird der Kiefer dadurch instabil. Besonders bei kleinen Hunden und fortgeschrittenem Knochenabbau kann das Risiko für einen Kieferbruch steigen.

An den oberen Zähnen können bei fortgeschrittener Erkrankung Verbindungen zwischen Maul- und Nasenhöhle entstehen. Solche sogenannten oronasalen Fisteln können unter anderem zu chronischem Nasenausfluss und Entzündungen führen.

Bakterien aus entzündetem Zahnfleisch können außerdem zeitweise in die Blutbahn gelangen. Welche Bedeutung dies im Einzelfall für andere Organe hat, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Chronische Entzündungen im Maul stellen jedoch eine dauerhafte Belastung für den Organismus dar.

Unabhängig davon beeinträchtigt eine Parodontitis das Wohlbefinden eines Hundes. Schmerzen, entzündetes Zahnfleisch und Kauprobleme können seine Lebensqualität deutlich einschränken.

Parodontitis diagnostizieren und behandeln

Ein Blick ins Maul reicht in vielen Fällen nicht aus, um das tatsächliche Ausmaß einer Parodontitis zu beurteilen. Ein großer Teil des Zahnhalteapparats liegt unterhalb des Zahnfleischrands.

Für eine vollständige Untersuchung und Behandlung ist deshalb häufig eine Narkose erforderlich. Sie ermöglicht eine gründliche Untersuchung jedes einzelnen Zahns, das Messen von Zahnfleischtaschen sowie dentale Röntgenaufnahmen.

Der Ablauf kann beispielsweise folgende Schritte umfassen:

  • Reinigung: Plaque und Zahnstein werden oberhalb und unterhalb des Zahnfleischrands entfernt.
  • Dentale Diagnostik: Jeder Zahn wird untersucht. Mithilfe einer Parodontalsonde werden Zahnfleischtaschen gemessen. Dentale Röntgenaufnahmen zeigen unter anderem Zahnwurzeln und Kieferknochen.
  • Individuelle Therapie: Erhaltungswürdige Zähne werden gereinigt und je nach Befund weiter behandelt. Zähne mit schweren, nicht mehr behandelbaren Schäden müssen gegebenenfalls vollständig entfernt werden.
  • Politur: Nach der Zahnsteinentfernung werden die Zahnoberflächen häufig poliert, damit sich neue Beläge weniger leicht anlagern.

Antibiotika sind bei einer Parodontitis nicht grundsätzlich erforderlich. Sie beseitigen Plaque und Zahnstein als eigentliche Ursache nicht. Ob sie zusätzlich eingesetzt werden, entscheidet der Tierarzt oder die Tierärztin anhand des individuellen Befunds.

Nach der Behandlung ist eine konsequente Zahnpflege wichtig, weil sich Plaque bereits innerhalb kurzer Zeit erneut bilden kann.

Parodontitis vorbeugen

Da eine Parodontitis dauerhafte Schäden am Zahnhalteapparat verursachen kann, ist Vorbeugung besonders wichtig. Ziel ist vor allem, bakterielle Plaque regelmäßig zu entfernen.

  • Regelmäßiges Zähneputzen: Das tägliche Zähneputzen gilt als besonders wirksame Maßnahme zur Plaquekontrolle. Dafür sollten eine für Hunde geeignete Zahnbürste und Hundezahnpasta verwendet werden. Zahnpasta für Menschen ist ungeeignet.
  • Geeignete Kauprodukte und Zahnpflegeprodukte: Bestimmte Kauartikel, Dentalfutter oder andere Zahnpflegeprodukte können die mechanische Reinigung unterstützen. Sie ersetzen das Zähneputzen jedoch nicht vollständig.
  • Regelmäßige tierärztliche Kontrollen: Kontrollen helfen dabei, Zahnprobleme frühzeitig zu erkennen.
  • Professionelle Zahnreinigung: Haben sich bereits Zahnstein und hartnäckige Beläge gebildet, können diese im Rahmen einer professionellen Zahnbehandlung entfernt werden.

Die Hundekrankenversicherung der Uelzener bietet je nach gewähltem Tarif finanziellen Schutz bei tierärztlichen Behandlungen. Ob prophylaktische Zahnreinigungen oder Zahnsteinentfernungen übernommen werden, richtet sich nach dem jeweiligen Versicherungsschutz und den Versicherungsbedingungen.

Fazit

Parodontitis gehört zu den häufigsten Zahnerkrankungen beim Hund. Sie kann Schmerzen verursachen und zu dauerhaften Schäden an Zähnen, Zahnfleisch und Kieferknochen führen.

Deswegen sollte man nicht erst aktiv werden, wenn der Hund bereits deutliche Beschwerden zeigt. Regelmäßiges Zähneputzen, tierärztliche Kontrollen und bei Bedarf professionelle Zahnbehandlungen helfen dabei, die Zahngesundheit möglichst lange zu erhalten.

FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Thema Parodontitis beim Hund

Ist Parodontitis ansteckend?

Parodontitis wird nicht wie eine klassische Infektionskrankheit von Hund zu Hund übertragen. An ihrer Entstehung sind zwar Bakterien beteiligt, entscheidend sind jedoch die Bildung von Plaque, die Reaktion des Immunsystems und weitere individuelle Risikofaktoren.

Ab welchem Alter sollte man mit der Zahnpflege beginnen?

Am besten bereits im Welpenalter. Dabei geht es zunächst vor allem darum, den Hund schrittweise und positiv daran zu gewöhnen, dass Maul und Zähne berührt werden. So lässt sich regelmäßiges Zähneputzen später leichter in den Alltag integrieren.

Ist eine Zahnreinigung auch bei älteren oder vorerkrankten Hunden möglich?

In vielen Fällen ja. Das individuelle Narkoserisiko hängt nicht allein vom Alter ab, sondern vom allgemeinen Gesundheitszustand und möglichen Vorerkrankungen.

Vor einer Narkose kann deshalb eine entsprechende Voruntersuchung notwendig sein. Je nach Hund gehören dazu beispielsweise eine klinische Untersuchung, Blutuntersuchungen oder weitere Diagnostik. Die Narkose und Überwachung werden anschließend an das individuelle Risiko angepasst.

Gibt es eine Zahnreinigung ohne Narkose?

Es gibt Angebote zur oberflächlichen Zahnsteinentfernung ohne Narkose. Eine vollständige tiermedizinische Zahnbehandlung ersetzt das jedoch nicht.

Bei einem wachen Hund können insbesondere die Bereiche unterhalb des Zahnfleischrands nicht ausreichend untersucht und behandelt werden. Auch eine gründliche Untersuchung aller Zahnflächen, das Messen von Zahnfleischtaschen und dentale Röntgenaufnahmen sind so nicht zuverlässig möglich.

Wie oft muss eine professionelle Zahnreinigung wiederholt werden?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten

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