Hunde können mit Giardien infiziert werden, wenn sie aus Pfützen trinken.
Tiergesundheit

Giardien beim Hund erkennen und behandeln

12.07.2024

Giardien sind eine häufig vorkommende Ursache für Durchfall beim Hund. Es handelt sich dabei um Parasiten, die den Dünndarm besiedeln und Verdauungsstörungen hervorrufen. Fachsprachlich wird eine Ansteckung auch als Giardiose bezeichnet. Bei gesunden und erwachsenen Hunden kann eine Giardiose weitgehend unauffällig verlaufen. Das bedeutet, die infizierten Tiere zeigen keine oder kaum Symptome. Bei jungen und älteren Hunden sowie Tieren, deren Immunsystem geschwächt ist, können Giardien jedoch größere gesundheitliche Beschwerden verursachen. Ein Problem ist, dass die Parasiten leicht übertragbar sind. Werden keine ausreichenden Hygienemaßnahmen ergriffen, besteht die Gefahr, dass der Hund die Parasiten auf andere überträgt oder sich selbst erneut infiziert. In diesem Blogartikel geben wir einen Überblick, wie man Giardiose beim Hund erkennen und behandeln kann.

Was sind Giardien?

Giardien sind eine Gattung einzelliger Dünndarmparasiten, die sowohl Säugetiere als auch Amphibien, Reptilien und Vögel befallen können. Sie sind weltweit verbreitet und gliedern sich in 41 unterschiedliche Arten. Manche davon sind wirtspezifisch, kommen also nur bei bestimmten Tierarten vor. Andere können auf verschiedene Spezies übertragen werden. Ein Beispiel dafür sind Giardia intestinalis (Syn. Giardia duodenalis, Giardia lamblia), von denen es mehrere Genotypen gibt. Während die Genotypen C und D hundespezifisch sind und Giardiose beim Hund hervorrufen, treten die Genotypen A und B auch beim Menschen auf.

Giardien sind winzig klein und nur unter dem Mikroskop erkennbar. Sie haben eine birnenähnliche Form und nutzen Geißeln zur Fortbewegung, weswegen sie auch zu den Geißeltierchen (Flagellaten) gezählt werden. Gelangen sie in den Darmtrakt eines Wirts, setzen sie sich mithilfe einer Bauchhaftscheibe an der Darmwand fest und vermehren sich dort explosionsartig. Sie stören die Nährstoffaufnahme im Darm und reizen die Darmschleimhaut, was zu Entzündungen führen kann. All das beeinträchtigt die Darmfunktionen und kann Verdauungsprobleme zur Folge haben.

Im Lebenszyklus von Giardien werden zwei Entwicklungsstadien unterschieden:

  • Trophozoiten: Die Trophozoiten bilden die aktive und bewegliche Form von Giardien. Sie besiedeln den Dünndarm, ernähren sich von den im Darm befindlichen Nahrungsbrei (allen voran Kohlenhydrate) und vermehren sich durch Zellteilung. Anschließend wandern sie weiter zum Dickdarm.
  • Zysten: Im Dickdarm wandeln sich die Trophozoiten in Zysten um, die die Dauerform der Giardien bilden. Sie werden über den Kot ausgeschieden und gelangen so wieder in die Umwelt. Während Trophozoiten nicht in der Lage sind, in der Außenwelt zu überleben, verhält es sich bei Zysten völlig anders. Sie sind mit einer Schutzhülle umgeben und dadurch extrem widerstandsfähig gegenüber äußeren Einflüssen. 

Gelangen die Zysten wieder in den Organismus eines Wirts, wandeln sie sich bei Kontakt mit Magensäure zu Trophozoiten um und der Kreislauf beginnt von vorn. 

Wie können sich Hunde mit Giardien anstecken?

Die Giardienzysten stellen die eigentliche Infektionsquelle dar. Sie können in Wasser bis zu drei Monate und im Kot bis zu einer Woche lang infektiös bleiben. In Anbetracht der Tatsache, dass ein infizierter Hund vier bis fünf Wochen lang bis zu zehn Millionen Zysten pro Gramm Kot ausscheidet und bereits zehn Zysten ausreichen, um ein anderes Tier zu infizieren, ist das Risiko der Ansteckung sehr groß. 

Eine Infektion mit Giardien kann über den direkten fäkal-oralen Kontakt, verseuchte Nahrung oder kontaminiertes Wasser erfolgen. Fäkal-oral bedeutet, dass mit dem Stuhl ausgeschiedene Zysten über das Maul aufgenommen werden. Das Risiko besteht beispielsweise dann, wenn Zysten im Fell eines infizierten Tiers hängen bleiben und es zu Kontakt mit einem anderen Hund kommt (Schnauzenzärtlichkeiten, gegenseitiges Belecken, Fellpflege). Da die Zysten in Wasser monatelang überleben können, besteht beim Trinken aus Pfützen erhöhte Infektionsgefahr. Aber auch beim Schwimmen in stehenden Gewässern, beim Wühlen im Gelände und beim Herumschnuppern können sich Hunde mit den Parasiten infizieren. Ein besonders hohes Infektionsrisiko herrscht in Umgebungen, in denen viele Hunde zusammenkommen, beispielsweise in Tierheimen, Hundezuchten, Hundeschulen, Tierpensionen oder bei Zwingerhaltung mehrerer Tiere.  

Giardien beim Hund erkennen: Die wichtigsten Symptome

Ein Giardienbefall äußert sich in erster Linie in Störungen des Magen-Darm-Trakts, die sich auf das Allgemeinbefinden auswirken können. Dazu gehören:

  • Durchfall: schleimig, schaumig, fettig, breiig oder wässrig, sehr übelriechend, oft wechselhaft auftretend mit Phasen normalen Stuhlgangs
  • Gelber bis grünlicher Stuhl
  • Blut im Stuhl
  • Blähungen
  • Bauchkrämpfe
  • Koliken
  • Erbrechen
  • Juckreiz
  • Leichtes Fieber
  • Gewichtsverlust (trotz regulärer Futteraufnahme) 
  • Fehlende Gewichtszunahme und Wachstumsverzögerungen bei Jungtieren
  • Glanzloses, schuppiges Fell
  • Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Lustlosigkeit

Grundsätzlich können sich Hunde aller Rassen und jeden Alters mit Giardien infizieren und Symptome entwickeln. Besonders häufig betroffen sind jedoch Welpen und Junghunde, deren Immunsystem noch nicht vollständig entwickelt ist. Zudem können Wurmkuren und Impfungen in den ersten Lebensmonaten sowie Stress (beispielsweise bei der Trennung von Mutter und Wurf) eine zusätzliche Belastung darstellen. Ein höheres Risiko, an Giardiose zu erkranken, besteht auch bei älteren Tieren und Hunden, die gesundheitlich angeschlagen sind.

Giardien beim Hund diagnostizieren und behandeln

Bei immunstarken und gesunden Hunden, die keine Symptome zeigen, können Giardien lange Zeit unentdeckt bleiben. Zwar besteht in solchen Fällen kein akuter Handlungsbedarf, problematisch ist jedoch, dass infizierte Tiere die Parasiten trotzdem übertragen können. Bleiben Giardien unbehandelt, können sie sich zudem ungehindert weiter vermehren, so dass früher oder später mit gesundheitlichen Auswirkungen zu rechnen ist. Es ist daher sinnvoll, bei einem Verdacht auf Giardien einen Tierarzt oder eine Tierärztin aufzusuchen. Eine sichere Diagnose lässt sich mittels Untersuchung einer Sammelkotprobe treffen. Die Kotprobe sollte aus Kotabsätzen mehrerer Tage (mindestens drei) bestehen. Das ist deswegen notwendig, weil die Zysten nicht mit jedem Stuhlgang, sondern nur phasenweise ausgeschieden werden. Im ungünstigsten Fall sind in der Kotprobe keine Giardien nachweisbar, obwohl eine Infektion vorliegt.

Zur Behandlung von Giardien werden üblicherweise antiparasitäre Medikamente verabreicht. In Deutschland sind dafür zwei Präparate zugelassen: Das Wurmmittel Fenbendazol und das Antibiotikum Metronidazol. Dosierung, Intervalle und Dauer der Medikation werden vom Tierarzt oder der Tierärztin festgelegt und individuell auf das Tier abgestimmt. Unter anderem spielen dabei das Gewicht, das Alter und der Immunstatus eine Rolle. Während und nach der Therapie wird anhand weiterer Kotproben überprüft, ob das Medikament anschlägt und Giardien nachweisbar sind. Gegebenenfalls muss die Therapie wiederholt werden. 

Es kann sein, dass ein Wirkstoff bei einem Hund keinen Erfolg erzielt oder das Tier eine Resistenz dagegen entwickelt. Dann muss nach Möglichkeit auf einen anderen Wirkstoff ausgewichen werden. Eine Behandlung kann sich in solchen Fällen in die Länge ziehen, was für Halterinnen und Halter mit einem steigenden finanziellen Aufwand verbunden ist. Eine Hundekrankenversicherung leistet in solchen Fällen gute Dienste, da sie die Kosten für Diagnose- und Therapiemaßnahmen übernimmt. 

Was tun, wenn der Hund Giardien hat?

Eine medikamentöse Behandlung allein reicht nicht aus, um Giardien dauerhaft loszuwerden, denn die Gefahr einer erneuten Infektion ist aufgrund der weiten Verbreitung und Überlebensfähigkeit von Zysten in der Umwelt sehr groß. Es müssen daher einige Hygienemaßnahmen ergriffen werden:

  • Trink- und Wassernäpfe täglich mit kochendem Wasser reinigen
  • Spielzeug mit kochendem Wasser reinigen oder in der Waschmaschine bei mindestens 65 °C waschen
  • Textilien, mit denen der Hund in Berührung kommt (Bezüge, Decken, Schnuffelkissen etc.), bei mindestens 65 °C waschen
  • Oberflächen, mit denen der Hund in Berührung kommt (Transportbox, Körbchen, Sofas, Autositze, Teppiche usw.) mit heißem Wasser und Desinfektionsmittel oder einem Dampfstrahler reinigen
  • Futter und Wasser nicht offen stehen lassen (Gefahr der Übertragung durch Fliegen)
  • Hund am besten täglich mit mildem Hundeshampoo waschen, mit Fokus auf den Afterbereich, langhaarige Hunde im Analbereich eventuell scheren
  • Afterbereich nach dem Stuhlgang säubern, um Zysten aus dem Fell zu entfernen
  • Hundekot unverzüglich aufheben und in verschlossenem Beutel entsorgen
  • Nach Kontakt mit dem infizierten Tier Hände waschen und desinfizieren

Des Weiteren gilt es, einige Verhaltensregeln zu beachten, um die Gesundheit anderer Tiere und Menschen nicht zu gefährden.

  • Kontakt mit anderen Tieren einschränken
  • Keine stark frequentierten Orte wie Hundewiesen, Hundeschulen, Pensionen etc. aufsuchen
  • Spielplätze und Sandkästen sind für infizierte Hunde tabu
  • Kein Schmusen und Spielen mit Kleinkindern und älteren oder immungeschwächten Personen, um Ansteckungsgefahr für den Menschen zu reduzieren
  • Hund von Pfützen, stehenden Gewässern und dergleichen fernhalten
  • Hund nicht an seinem eigenen oder fremdem Kot schnuppern lassen

Die Verhaltens- und Hygieneregeln sind streng und können Halter und Halterinnen mitunter vor Herausforderungen stellen, vor allem, wenn weitere Tiere im Haushalt leben. Nicht immer ist es möglich, den Hund zu isolieren. Aus diesem Grund ist es in vielen Fällen ratsam, alle Tiere gleichzeitig zu therapieren, denn auch wenn nicht jedes Symptome zeigt, kann es immer noch Überträger sein.

Wie kann ich meinem Hund bei Giardien helfen?

Neben geeigneten Therapie- und Hygienemaßnahmen kann man den Hund bei Giardiose ernährungstechnisch unterstützen. Häufig wird empfohlen, ein möglichst kohlenhydratarmes Futter zu geben. Da sich Giardien hauptsächlich von Kohlenhydraten ernähren, würde ihnen damit eine wesentliche Grundlage entzogen. Allerdings muss dabei auf ein gutes Mittelmaß geachtet werden, da ansonsten die Gefahr besteht, zu viel Fett und Protein zu füttern, was wiederum eine Belastung für den Darm darstellt. Mit leicht verdaulichem Futter, etwa in Form von gekochtem magerem Hühnchen, Reis und Gemüse liegt man während einer Giardiose nicht verkehrt. Wichtig ist, auf eine ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit und Elektrolyten zu achten, denn gerade bei Durchfällen ist das Risiko einer Dehydrierung und eines Nährstoffmangels groß.

Es gibt einige Hausmittel, die unterstützend zur Therapie des Hundes eingesetzt werden können. 

Dazu zählen:

  • Morosche Karottensuppe: Die Morosche Karottensuppe ist ein klassisches Hausmittel bei Durchfall. Die Herstellung ist ganz leicht: 500 Gramm geschälte und zerkleinerte Möhren in einen Topf mit 1 Liter kochendem Wasser geben und 1 ½ Stunden bei niedriger Hitze köcheln lassen. Dann eine kleine Prise Salz zugeben, alles pürieren und mit Wasser wieder auf 1 Liter auffüllen.
  • Naturbelassenes Sauerkraut: Naturbelassenes probiotisches Sauerkraut kann die Darmflora des Hundes unterstützen. Wichtig ist jedoch, nur kleine Mengen zu geben, da Sauerkraut Säure enthält, die bei zu hoher Dosierung den Magen-Darm-Trakt belastet. Das Sauerkraut wird unter Wasser abgespült und ohne Salz und Gewürze gekocht. Bevor der Hund es frisst, sollte es vollständig abgekühlt sein.
  • Naturjoghurt: Probiotischer Naturjoghurt enthält zwar Laktose, ist für die meisten Hunde aber gut verdaulich. Gegebenenfalls kann auch auf laktosefreien Joghurt zurückgegriffen werden. Es dürfen jedoch keine Zusatzstoffe wie Geschmacksverstärker, Aromen, Süßstoffe oder Zucker enthalten sein. Die Milchsäurebakterien im Joghurt können dabei helfen, die Darmflora zu stärken. Auch bei Naturjoghurt gilt, nur geringe Mengen zu füttern.

Generell empfiehlt es sich, jegliche Art der Zufütterung mit dem Tierarzt oder der Tierärztin zu besprechen, um auszuschließen, dass die Ernährung die Medikation beeinflusst. Darüber hinaus gilt es, Hunden mit Giardiose ausreichend Ruhe zu ermöglichen. Schwere oder langanhaltende Durchfälle können dem Organismus stark zusetzen, so dass neben einer geeigneten ärztlichen Behandlung Zeit für Regeneration bleiben muss.

Fazit

Giardien zählen zu den am häufigsten vorkommenden Darmparasiten bei Hunden und können schwere Durchfälle verursachen, die gerade für junge, ältere und gesundheitlich angeschlagene Tiere eine große Belastung sein können. Mit einer entsprechenden Medikation kann man einen Giardienbefall gut behandeln, die Gefahr einer Reinfektion oder Übertragung auf andere Tiere ist jedoch groß. Aus diesem Grund müssen strenge Hygienemaßnahmen eingehalten werden, insbesondere wenn mehrere Hunde zusammenleben. Das kann anstrengend sein, zahlt sich am Ende jedoch aus. Mit Konsequenz, Geduld und einer geeigneten Therapie lässt sich das Problem in den Griff kriegen.  

FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Thema Durchfall beim Hund

 Wie kann ich Giardien vorbeugen?

Aufgrund der weiten Verbreitung von Zysten in der Umwelt lässt sich nie ganz ausschließen, dass sich ein Hund mit Giardien infiziert. Allerdings kann man mit geeigneten Vorsichtsmaßnahmen das Risiko reduzieren. Dazu gehört in erster Linie eine gründliche Hygiene zu Hause. Näpfe, Spielzeug und Liegeflächen sollten regelmäßig gereinigt oder desinfiziert werden, erst recht, wenn mehrere Hunde zusammenleben. Auch bestimmte Verhaltensregeln im Freien gilt es zu beachten. So sollte man den Hund z.B. beim Gassigehen nicht in stehenden oder sumpfigen Gewässern baden oder daraus trinken lassen – zumal in solchen Umgebungen meist noch andere Parasiten und viele Keime zu finden sind. Es ist immer eine gute Idee, das Immunsystem und die natürliche Darmflora in ihrer normalen Funktion zu unterstützen. Das gelingt in erster Linie durch eine ausgewogene, gesunde Ernährung und eine artgerechte Haltung.

Sind Giardien ansteckend für Menschen?

Es gibt bestimmte Genotypen von Giardien, die auf den Menschen übertragbar sind. Diese kommen bei Hunden jedoch tendenziell selten vor, so dass eine Ansteckung eher unwahrscheinlich ist. Bei gesunden und erwachsenen Menschen ist eine Infektion mit Giardien auch nicht immer mit Symptomen oder gesundheitlichen Beschwerden verbunden. Durchfälle beispielsweise treten nicht zwangsläufig auf. Bei Kleinkindern, älteren oder immunschwachen Menschen kann jedoch durchaus eine Gefahr für die Darmgesundheit bestehen.

Kann ich meinen Hund selbst auf Giardien testen?

Im Handel sind Giardientests erhältlich, mit denen man seinen Hund zu Hause selbst testen kann. Es ist allerdings sicherer, in solchen Angelegenheiten einen Tierarzt oder eine Tierärztin aufzusuchen, weil negative Testergebnisse bei Schnelltests nicht immer korrekt sind. 

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