Erziehung und Training

Jagdtrieb beim Hund abgewöhnen

30.01.2020

Ein gemütlicher Spaziergang durch den Wald – daran ist mit einem jagdambitionierten Hund ohne Leine kaum zu denken: Kaum hat die Spürnase eine vielversprechende Fährte aufgenommen, begibt sich der Vierbeiner auf die Jagd und verschwindet zwischen den Büschen. Was Sie tun können, um Ihrem Hund den Jagdtrieb abzugewöhnen und im Fall der Fälle sicher zu stoppen, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Der Jagdtrieb beim Hund

Das Jagdverhalten ist in allen Hunden in unterschiedlicher Ausprägung angelegt – je nach Rasse oder Zucht variiert die Art und Intensität des Jagdverhaltens beim Hund. Anders als beim Wolf kommt es beim Hund bei der Jagd nicht auf den Jagderfolg im Sinne des Erlegens der Beute an, sondern das Aufspüren und Hetzen des Wildes führt beim Hund bereits zur Ausschüttung von Glückshormonen. An einen gemütlichen Spaziergang durch den Wald oder waldnahe Gebiete ist bei einem Hund mit ausgeprägtem Jagdinstinkt meistens nicht zu denken.

Wenn der Hund gerne jagt

Unsere Hunde jagen nicht, weil sie Hunger haben oder der Jagderfolg wahrscheinlich erscheint – sie jagen, weil das Hinterherhetzen und Aufspüren des Wildes Endorphine freisetzt.

Ist Ihr Hund ein leidenschaftlicher Jäger, der während eines Spaziergangs bereits mehrfach unkontrolliert Wild gehetzt hat, wird es auch mit einer konsequenten Hundeerziehung sehr schwierig bis unmöglich, jemals entspannt ohne Leine in einem wildreichen Gelände unterwegs zu sein. Um das Verhalten des Tieres zu ändern, ist ein Antijagdtraining bei einem auf diese Thematik spezialisierten Hundetrainer in diesem Fall eine gute Idee.

Jeder Hund, ganz gleich welcher Rasse, sollte trainieren, Reizen auch in einem erhöhten Erregungszustand nicht nachzugeben. Um den Jagdtrieb des Hundes abzugewöhnen, muss das Tier lernen, sich selbst zu kontrollieren und die Situation auszuhalten. Bevor das Training intensiviert werden kann, ist es zunächst wichtig, dass der Vierbeiner Bewegungsreizen standhält.

Jagdverhalten beim Hund früh umlenken

Impulskontrolle ist hier das Stichwort. Es gibt viele Situationen im Alltag, in denen man das Training der Impulskontrolle mit einbinden kann. Beispielsweise sollte ein Hund nicht immer wieder unkontrolliert einem Spielzeug hinterherjagen. Im ersten Schritt muss daran gearbeitet werden, dass der Hund Bewegungsreize entspannt aushalten kann. Erst wenn der Vierbeiner ruhig und mental erreichbar bleibt, beginnen Frauchen oder Herrchen mit kontrollierten Apportierspielen. Schon beim Welpen können Hundehalter mit kleinen Dingen beginnen.

Ein weiteres Beispiel für Impulskontrolle im Alltag ist das Warten auf eine Freigabe. Dies kann zum Beispiel über Handzeichen oder eine Hundepfeife erfolgen. Eine Freigabe bietet sich an, bevor Ihr Hund mit dem Fressen beginnt und bevor er aus der Haustür oder aus dem Kofferraum stürmt. Ist Ihr Hund in solchen Situationen ansprechbar und weiß sich zurückzunehmen, bietet dies eine gute Grundlage für das weitere Training.

Zuverlässiges „Stopp“-Kommando etablieren

Wenn der vorherige Punkt gut funktioniert und der Hund seinem Jagdtrieb sowie diversen Reizen nicht unkontrolliert nachgeht, kann das kontrollierte Ballspielen in das Training integriert werden. Diese Methode ist eine große Hilfe, um Ihrem Hund den Jagdtrieb abzugewöhnen. Das Spiel mit dem Ball bietet eine Ersatzjagdbefriedigung. Voraussetzung dafür ist, dass das Stopp-Kommando gut funktioniert. Sie stoppen Ihren Hund, während Sie das Spielzeug in eine Richtung werfen. Hält der Hund auf das Kommando hin an, wirft man mit großem Jubel seinen Lieblingsball in die andere Richtung. Die Belohnung für den Vierbeiner ist somit ein neues, aufregenderes Spiel. Der Hund soll dabei lernen: Es lohnt sich für mich, auf das Stopp-Kommando zu hören und auf meinen Menschen zu achten.

Wer die vorherigen Übungen gut gemeistert hat, kann den Trainingsort in den Wald verlegen. Hier bleibt der Hund zur Sicherheit erstmal angeleint. Dabei empfiehlt sich eine Schleppleine. Die Schleppleine bietet dem Hund ausreichend Bewegungsfreiheit, gibt aber zugleich auch dem Hundehalter etwas mehr Sicherheit beim Umgang mit einem Hund mit Jagdtrieb. Das „Stopp und Spiel“ sollte ihr Hund gut verinnerlicht und automatisiert haben, sodass er gar nicht erst überlegen muss, was er tun sollte.

Hund mit Jagdtrieb frei laufen lassen

Wann und ob es überhaupt jemals soweit sein wird, dass ein Hund mit Jagdtrieb frei laufen gelassen werden kann, ist nicht nur eine Frage der Hundeerziehung und des Antijagdtrainings, sondern auch eine Frage der inneren Einstellung des Hundebesitzers.

Grundsätzlich ist es ratsam, das richtige Mindset zu haben. Dazu sollte der innere Fokus von „Wehe, du gehst jetzt jagen!“ (aggressiv, hohes Erregungslevel) zu „Toll angezeigt und jetzt entspannen wir uns wieder“ (wohlwollend, freundlich, ruhig) gerichtet sein. Wenn Sie die zuvor genannten Punkte beherzigen, sind Sie schon einen ganzen Schritt weiter, um Ihrem Hund den Jagdtrieb abzutrainieren.

Abhängig von der Rasse und Persönlichkeit des Hundes kann das Abgewöhnen des Jagdverhaltens beim Hund allerdings langwierig sein. Es hilft, dran zu bleiben und nicht aufzugeben. Lassen Sie sich als Hundehalter nicht entmutigen, wenn ein Ausrutscher passiert. Konsequentes Training zahlt sich am Ende aus.

Jagen ist kein Kavaliersdelikt

Wichtig ist, sich im Klaren darüber zu sein, dass Jagen und das mögliche Erlegen einer Beute kein Kavaliersdelikt ist. Dass der Hund vermutlich kein Wild erlegen wird, kann nicht als Entschuldigung gelten. Zum einen haben auch Wildtiere ein Recht auf Unversehrtheit und Schutz und dürfen nicht von unseren Hunden in Panik und Todesangst versetzt werden. Zum anderen birgt so eine wilde Hatz große Gefahren. Das panische Wildtier könnte beispielsweise über eine Straße getrieben werden, wobei der Tod des Wildes oder des Hundes nur eines von vielen Risiken ist.

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