Vielleicht hast du folgende Situation schon einmal beobachtet: Dein Pferd steht in der Box und presst seine Schneidezähne auf eine Kante. Es spannt die Halsmuskulatur an und plötzlich ertönt ein Geräusch, das sich anhört wie ein Rülpsen. Das mag zunächst witzig anmuten, kehrt das Verhalten jedoch wieder, solltest du alarmiert sein. Man spricht in dem Zusammenhang vom sogenannten Koppen. Dabei handelt es sich um eine Verhaltensstörung, die dem Pferd dabei hilft, Stress abzubauen. Die Ursachen dafür können vielfältig sein. Was es mit dem Koppen beim Pferd auf sich hat und wie du dem Verhalten vorbeugen kannst, fassen wir an dieser Stelle für dich zusammen.
Ungewöhnliches Verhalten: Wenn Pferde koppen
Das Koppen gehört zu den Stereotypien, womit sich wiederholende, gleichförmige Bewegungsmuster ohne erkennbaren Zweck und Nutzen beschrieben werden. Schätzungen zufolge sind bis zu acht Prozent aller Pferde davon betroffen.
Grundsätzlich lassen sich zwei Arten des Koppens differenzieren:
- Aufsetzkoppen: Pferde, die diese Variante zeigen, werden auch als Aufsetzkopper bezeichnet. Hierbei setzt das Tier die oberen Schneidezähne auf einem Gegenstand ab (beispielsweise auf dem Boxenrand, Zaun oder Futtertrog) und spannt die Halsmuskulatur an, um den Schlundkopf zu öffnen und Luft in die Speiseröhre strömen zu lassen. Dabei ertönt das charakteristische Koppgeräusch. Einige Pferde wiederholen dieses Verhalten wie unter Zwang mehrmals hintereinander.
- Freikoppen: Freikopper hingegen neigen ihren Kopf erst Richtung Brust und lassen diesen dann in einer ruckartigen Bewegung hochschnellen. Sie setzen ihre Zähne also nicht erst auf einen Gegenstand auf. Auch das Freikoppen wird teils mehrmals hintereinander wiederholt.
Das Aufsetzkoppen ist stärker verbreitet, das Freikoppen hingegen seltener zu beobachten.
Mögliche Gründe und Ursachen fürs Koppen
Wenn dein Pferd anfängt zu koppen, kann das unterschiedliche Ursachen haben. Grundsätzlich nutzen die Tiere dieses Verhalten zum Stressabbau. Sowohl beim Aufsetzkoppen als auch beim Freikoppen werden Endorphine ausgeschüttet, durch die sich das Pferd beruhigt und entspannt. Das führt dazu, dass es immer wieder das Verhalten zeigt. Extreme Kopper verbringen sogar bis zu 65 Prozent des Tages damit.
Ursachen für die Verhaltensstörung beim Pferd
Als Ursache fürs „Rülpsen” kommen mehrere Faktoren in Frage. Dazu gehören zum Beispiel:
- nicht artgerechte Haltung
- ungenügende oder mangelhafte Fütterung
- falsche oder unpassende Trainingspraktiken
- Bewegungsmangel
- soziale Aspekte
- zu frühe Trennung vom Muttertier
- extreme Stresssituationen im jungen Alter
- Einsamkeit
- zu wenig Zuwendung
- Langeweile
Hinzu kommt eine mögliche genetische Disposition, die jedoch meist nur in Kombination mit anderen Faktoren zu dieser Verhaltensstörung führt.
Häufige Anzeichen fürs Koppen
Wenn du vermutest, dass ein Pferd koppt, es aber noch nie direkt dabei beobachtet hast, gibt es mehrere Dinge, auf die du achten kannst.
Bei Aufsetzkoppern geben die Zähne bereits einen Hinweis. Durch das wiederholte Aufsetzen der oberen Schneidezähne auf harte Gegenstände kommt es zu einem unnatürlichen Abrieb. Zudem kannst du Objekte auf Maulhöhe des Pferdes auf Abnutzungsspuren untersuchen. Sind an der Box, am Zaun oder am Futtertrog Zahnspuren erkennbar, ist das ein Indiz dafür, dass das Pferd koppt.
Freikopper sind schwieriger als solche zu erkennen, da weder die Zähne noch Gegenstände der Umgebung Abnutzungsspuren aufweisen. Allerdings können Verhaltensveränderungen und eine ausgeprägtere Halsmuskulatur auf die Verhaltensstörung hindeuten. Diese Anzeichen sollten genauer beobachtet und ernst genommen werden.
Auswirkungen der Verhaltensstörung aufs Pferd
Koppen ist ein zwanghaftes Verhalten, das das Pferd nicht einfach so abstellen kann. Es kann eine erhebliche psychische Belastung darstellen, aber auch zu körperlichen Beeinträchtigungen führen.
Wenn dein Pferd ein Aufsetzkopper ist, wirst du mit der Zeit ein sogenanntes Koppergebiss bemerken. Die oberen Schneidezähne zeigen dann deutliche Abnutzungserscheinungen. In manchen Fällen schreitet der Zahnschaden so weit voran, dass das Pferd Schwierigkeiten bei der Futteraufnahme hat.
Ein möglicher Zusammenhang zwischen Koppen und Koliken wurde lange vermutet, konnte jedoch durch Studien widerlegt werden. Die Annahme entstand aufgrund der übermäßigen Luftaufnahme beim Koppen. Tatsächlich entweicht jedoch der Großteil der Luft direkt wieder. In den Magen-Darm-Trakt gelangt nur ein geringer Anteil. Nichtsdestotrotz kann es durch das Koppen zu vermehrten Bauchschmerzen kommen.
Bei einigen Koppern lässt sich auch eine Gewichtsabnahme feststellen. Dazu kann es beispielsweise kommen, wenn die beschädigte Zahnsubstanz das Beißen und Kauen erschwert. Extreme Kopper bringen den Großteil des Tages mit dem Koppen zu, so dass schlicht weniger Zeit für die Nahrungsaufnahme bleibt.
Koppen: Vorbeugung und Abgewöhnung
Stellst du fest, dass dein Pferd koppt, solltest du dir tierärztliche Unterstützung holen. Die Uelzener Pferde-Krankenversicherung schützt dich vor hohen Tierarztkosten und bietet dir umfassenden Schutz.
Im ersten Schritt muss der Ursache für das Koppen auf den Grund gegangen werden. Da diese nicht immer eindeutig erkennbar ist, kann es nötig sein, mehrere Ansätze auszuprobieren. Der erste und wichtigste Schritt besteht darin, die Haltungsbedingungen so zu optimieren, dass sie den natürlichen Bedürfnissen deines Pferdes bestmöglich entsprechen. Dazu gehören auch ein optimal zusammengesetztes Futter mit geringem Kraftfutteranteil und ein dauerhafter Zugang zu Heu. Gleichermaßen wichtig sind soziale Kontakte, Beschäftigungsmöglichkeiten und ausreichend Bewegung.
Keinesfalls sollte das Koppen mit Maßnahmen wie Kopperriemen oder operativen Eingriffen, bei denen bestimmte Halsmuskeln und -nerven durchtrennt werden, unterdrückt werden. Das führt meist zu noch mehr Stress und kann weitere Verhaltensstörungen auslösen.
Stattdessen sollte der Fokus darauf liegen, die Haltungs- und Lebensbedingungen des Pferdes zu verbessern. Trotzdem bleibt das Koppen in vielen Fällen bestehen. Das Verhaltensmuster gilt als residual-reaktiv, was bedeutet, dass es trotz Beseitigung der Ursache weiterhin auftreten kann.
Fazit
Koppen ist eine ernstzunehmende Verhaltensstörung. Wenn du den Verdacht hast, dass dein Pferd davon betroffen ist, solltest du schnell handeln und tierärztlichen Rat einholen. Ein wichtige Maßnahme ist, Stress zu minimieren und das Wohlbefinden des Tieres wiederherzustellen. Ist die Ursache gefunden und behoben, kann es zwar sein, dass das Koppen nicht vollständig endet. Trotzdem ist es entscheidend, dem Pferd ein stressfreies Umfeld zu bieten. So kann es sich wohlfühlen, entspannen und das Koppen zumindest reduzieren.
FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Koppen
Ahmen Pferde das Koppen nach?
Koppen ist eine Verhaltensstörung und wird in der Intensität von anderen Pferden nicht nachgeahmt. Wenn mehrere Pferde in einem Stall koppen, liegt das wahrscheinlich eher an widrigen Haltungsbedingungen.
Kann es trotz optimaler Haltungsbedingungen zum Koppen kommen?
Es gibt viele mögliche Ursachen für das Koppen, daher kann es selbst unter idealen Haltungs- und Fütterungsbedingungen nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Auch einmalige extreme Stresssituationen oder eine zu frühe Trennung von der Mutter können Auslöser sein.
Was gilt es beim Pferdekauf in Bezug aufs Koppen zu beachten?
Das Koppen ist ein Grund für eine Wertminderung des Pferdes und stellt im rechtlichen Sinne einen Sachmangel dar.