Ein Andalusier mit dichter Mähne im Schnee.
Rasseportrait

Andalusier: Temperamentvolle Warmblüter aus Spanien

21.01.2026

Ähnliche Artikel

RasseportraitDer Knabstrupper
RasseportraitArabisches Vollblut

Mit seiner aufrechten Haltung, seiner üppigen Mähne und seinem eleganten Körperbau ist der Andalusier eine imposante Erscheinung. Er war lange Zeit das bevorzugte Pferd des Adels und prägte die klassische Reitkunst wie kaum eine andere Rasse. 

Auch charakterlich weiß der Andalusier zu überzeugen. Er gilt als intelligent, sensibel und menschenbezogen. Aufgrund seiner Beweglichkeit und Lernfreude ist er für viele Reitdisziplinen geeignet. In unserem Artikel erfährst du mehr über die temperamentvolle Pferderasse.

Zur Herkunft des Andalusiers

Die Herkunftsbezeichnung des Andalusiers leitet sich vom arabischen Al-Andalus ab. Damit bezeichnete man Teile der iberischen Halbinsel, die im 8. Jahrhundert von den Mauren erobert wurden. Die Region war deutlich größer als das heutige Andalusien in Südspanien. Sie umfasste beinahe die gesamte iberische Halbinsel. 

„Andalusier“ ist genau genommen ein Oberbegriff für Pferde verschiedener spanischer Linien. Sie alle stammen von den frühen iberischen Pferden ab. Sie zeichneten sich durch Ausdauer, Beweglichkeit und Robustheit aus. Durch Einkreuzung von Arabern und Englischen Vollblütern wurden sie veredelt. Es besteht auch eine Verwandtschaft zu Berberpferden, deren Ursprung in Nordafrika liegt. 

Die Blütezeit der Andalusierzucht bildeten das Spätmittelalter und die Renaissance. Von großer Bedeutung war die Zucht der spanischen Kartäuserpferde. Ihre Geschichte begann im 15. Jahrhundert im kleinen Dörfchen Jerez de la Frontera. Dort lebende Kartäusermönche hatten sich zum Ziel gesetzt, das „reine spanische Pferd“ zu erhalten. Die spanischen Kartäuserpferde gelten als besonders edle Unterrasse der Andalusier. Sie etablierten sich als bevorzugte Reitpferde des Adels und fanden ihren Platz an Königshöfen in ganz Europa. 

Aufgrund seiner Wendigkeit, Kraft und Lernfreude ist der Andalusier seit jeher prädestiniert für die klassische Reitkunst. Daneben war er militärisch von großer Bedeutung und wurde als Kriegspferd genutzt. Gleichzeitig wurde er gezielt zur Veredelung anderer Pferderassen eingesetzt. Das beeinflusste viele Warmblut- und Barockpferderassen nachhaltig.

Unterschied von PRE und Andalusier

Im 19. Jahrhundert geriet die Zucht der Andalusier zeitweise in den Hintergrund, unter anderem durch Kriege und Seuchen. Trotzdem gelang es, die Rasse zu erhalten. 

Seit 1912 wird die Zucht streng dokumentiert und reglementiert. Damals gab es für in Spanien und Portugal gezüchtete Andalusier ein gemeinsames Zuchtbuch. 1967 trennten sich die beiden Zuchtlinien in den Puro Sangue Lusitano (Portugal) und die Pura Raza Española (Spanien).

Als Pura Raza Española (PRE) bezeichnet man heute iberische Pferde aus anerkannten spanischen Zuchtlinien mit Abstammungsnachweis. Pferde ohne Papiere werden umgangssprachlich als „Andalusier“ bezeichnet.

Daneben unterscheidet man noch:

  • Menorquiner: galt früher als dunkle Variante des PRE, seit 1989 mit eigenem Zuchtbuch, bekannt für schwarze Fellfarbe (Rappe)
  • Tres Sangres („Dreiblüter“): Kreuzung als drei Blutlinien (meist PRE, Araber, Englisches Vollblut), keine eigenständige Rasse
  • Hispano-Araber: spanisches Warmblut, Kreuzung aus PRE und Arabischem Vollblut

Aussehen des Andalusiers

Andalusier gelten in der Pferdewelt als besonders ästhetisch. Sie sind der Inbegriff des barocken Typs. Folgende Merkmale sind typisch:

  • Mittelgroße Statur (Stockmaß: 150 bis 169 cm)
  • Muskulöser, kompakter, eleganter Körperbau
  • Lange Gliedmaße
  • Edel geformter Kopf
  • Kräftiger, geschwungener Hals
  • Schräge Schultern
  • Kurzer Rücken
  • Dreieckig geformte Augen
  • Ausdrucksstarker Blick
  • Starke Hinterhand
  • Leicht abfallende Kruppe
  • Üppiger Schweifansatz
  • Kleine Hufe

Kennzeichnend für Andalusier sind ihre geschmeidigen, harmonischen Bewegungen. Ihre kräftige Hinterhand verleiht ihnen eine natürliche Versammlungsfähigkeit. Dadurch eignen sie sich sehr gut für die hohe Reitkunst und anspruchsvolle Lektionen.

Was die Fellfarbe betrifft, dominiert der Schimmel. Daneben gibt es Falben, Braune, Füchse und Rappen. Schecken kommen nicht vor.

Charakter und Wesen des Andalusiers

Der Andalusier gilt als aufmerksames, treues und sensibles Pferd. Er sucht die Nähe zu seinem Menschen und möchte sich binden. Das ermöglicht eine enge, vertrauensvolle Beziehung. Im Umgang zeigt sich Andalusier höflich, kooperativ und zuverlässig. Er möchte gefallen und zeigt große Bereitschaft zur Mitarbeit. 

Gleichzeitig hat der Andalusier viel Temperament. Dabei wird er selten hektisch oder nervös. Er ist reaktionsschnell, gelehrig und intelligent. Neue Aufgaben versteht er rasch. Dadurch eignet er sich sehr gut für die klassische Dressur und Übungen der Hohen Schule. Der Andalusier wird aber auch im Fahrsport, Springen, Distanz- und Freizeitreiten eingesetzt.

Für wen eignet sich ein Andalusier

Durch seine Sensibilität und sein Temperament eignet sich der Andalusier vor allem für Fortgeschrittene. Anfänger und Anfängerinnen können damit überfordert sein. Der Mensch sollte klar kommunizieren können und eine feine Hilfengebung beherrschen.

Für ambitionierte Einsteiger kann der Andalusier dennoch ein passender Partner sein. Voraussetzung dafür ist eine fachkundige Begleitung. 

Der Andalusier ist kein „unkompliziertes Mitlaufpferd“. Man muss sich Zeit für ihn nehmen und Lust haben, sich regelmäßig mit ihm zu beschäftigen. Wenn er sich verstanden fühlt und fair behandelt wird, blüht er regelrecht auf und ist ein treuer Partner.

Haltung und Pflege

Andalusier müssen wie alle Pferde artgerecht gehalten und gepflegt werden. Sie brauchen ausreichend Auslauf, Sozialkontakte zu Artgenossen und Beschäftigung. Offenstall- oder Aktivstallkonzepte sind eine gute Möglichkeit, dem Bewegungsdrang gerecht zu werden. Ein gutes Management ist dafür Voraussetzung.

Pflegeintensiv sind vor allem Mähne und Schweif. Das lange, dichte Haar neigt zum Verknoten und sollte regelmäßig gebürstet werden. Regelmäßige Hufpflege ist ebenfalls wichtig. 

Durch seine Herkunft ist der Andalusier an warme Temperaturen gut angepasst. Er kommt aber mit unserem Klima in der Regel gut zurecht. Wichtig sind ein ausreichender Witterungsschutz und eine angepasste Fütterung.

Grundsätzlich ist die Ernährung im Blick zu behalten. Andalusier neigen zu Übergewicht und können Stoffwechselprobleme entwickeln. Rassebedingt zeigen manche Vertreter eine Bewegung namens „Bügeln“. Dabei schwingen die Vorderbeine seitlich nach außen. Früher war diese Bewegung erwünscht. Heute weiß man jedoch, dass sie die Gelenke stark belastet. Damit steigt das Risiko für Arthrose. Zwar verzichtet man in der Zucht darauf, trotzdem kann es immer mal wieder vorkommen. 

Hat ein Pferd gesundheitliche Probleme, können hohe Kosten entstehen. Eine Pferdekranken– oder Pferde-OP-Versicherung schützt. Sie übernimmt die Kosten für medizinische Behandlungen. Damit bietet sie finanzielle Sicherheit.

Fazit

Der Andalusier ist eine Pferderasse mit einer langen Geschichte. Er steht für Temperament, Kraft, Athletik und Eleganz. Dabei überzeugt er nicht nur mit einer imposanten Erscheinung, sondern vor allem mit Charakter. Wer sich für einen Andalusier entscheidet, wählt ein Pferd mit Persönlichkeit. Die Zusammenarbeit erfordert Einfühlungsvermögen, Geduld und klare Kommunikation. Dafür wird man mit Vertrauen, Loyalität und echter Partnerschaft belohnt.

FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Thema Andalusier

Wie alt werden Andalusier durchschnittlich?

Andalusier können ein Lebensalter von 25 bis 30 Jahren erreichen. 

Warum sind so viele Andalusier Schimmel?

Der hohe Anteil an Schimmeln ist züchterisch bedingt. Über Jahrhunderte wurden helle Pferde bevorzugt. Sie galten an Adelshöfen als besonders repräsentativ. Das Schimmel-Gen ist dominant und setzt sich daher häufig durch.

Was unterscheidet einen Andalusier von einem PRE?

„Andalusier“ ist die gebräuchliche Bezeichnung der Rasse. Pura Raza Española (PRE) beschreibt offiziell eingetragene Pferde mit vollständigem Zuchtpapier. Nicht jeder als Andalusier bezeichnete Vertreter erfüllt die PRE-Kriterien.

Wie anspruchsvoll ist die Fütterung eines Andalusiers?

Viele Andalusier sind „leichtfuttrige“ Pferde. Bei zu viel Kraftfutter oder zu energiereichen Rationen können sie schnell Übergewicht entwickeln. Eine rohfaserreiche Ernährung ist für sie am besten geeignet.

Sind Andalusier temperamentvoll oder eher ruhig?

Beides, je nach Situation. Sie haben viel Temperament und Ausdruck, aber Kontrolle darüber. Bei richtiger Führung zeigen sie sich gelassen und kooperativ. Bei Überforderung oder Unsicherheit können sie jedoch nervös werden.

Was sollte man vor dem Kauf eines Andalusiers bedenken?

Neben Optik und Abstammung sollten vor allem Charakter, Ausbildungsstand und das persönliche Reitniveau berücksichtigt werden. Ein Andalusier braucht Zeit, Verständnis und kontinuierliche Beschäftigung. Dann entwickelt er sein volles Potenzial.

Auch interessant