Tiergesundheit

Weidemyopathie: Tödliche Gefahr für Pferde

04.06.2020

Plötzlich liegt ein totes Pferd auf der Weide. An diesem Schreckensszenario kann der Bergahorn schuld sein. Denn dieser Ahorn ist giftig für Pferde. Ist ein Pferd betroffen, gibt es oft keine Rettung mehr. So schützen Sie Ihr Pferd vor der tödlichen Gefahr einer Weidemyopathie!

Die Gefahr des Bergahorns für Pferde

Im Frühjahr und im Herbst macht Reitern die atypische Weidemyopathie Sorgen. Das Gift des Bergahorns befindet sich sowohl in den Samen der Flügelfrüchte als auch in den Keimlingen der Ahornbäume. Erste Fälle wurden bereits in den 30er Jahren beschrieben. Tierärzte aus Europa, Australien, Kanada und den USA konnten sich die Erkrankung lange nicht erklären. Erst 2015 konnte eine Arbeitsgruppe die Ursache für die tödlichen Vergiftungen aufklären.

In Mitteleuropa kommen unterschiedliche Arten von Ahornbäumen vor. Der Giftstoff Hypoglycin A, der als Auslöser für die atypische Weidemyopathie gilt, ist jedoch nicht in allen Arten von Ahornbäumen enthalten. Das Toxin wurde bisher nur in den Samen des in unseren Mittelgebirgen weit verbreiteten Bergahorns und in den Samen des Eschenahorns nachgewiesen, einer aus Nordamerika stammenden Ahornart. In den Bäumen und Samen des üblichen Spitz- und Feld-Ahorn ist das Toxin Hypoglycin A jedoch nicht enthalten.

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Die Flügelfrüchte des Bergahorns fallen vor allem im Herbst von den Bäumen. Aber auch im Frühjahr besteht Gefahr: Die Keimlinge des Baums sind beim Verzehr ebenso giftig für Pferde wie die Flügelfrüchte. Mehrere aktuelle Praxisfälle der Uelzener Versicherungen zeigen die steigende Brisanz. Grund: Der trockene Sommer des vergangenen Jahres sorgte für Futterknappheit auf den Weiden. Durch das kürzere Gras nahmen die Pferde beim Fressen vermehrt Ahornsamen mit auf. Der milde Winter sorgt zusätzlich dafür, dass im Frühling eine große Anzahl an Keimlingen vom Baum produziert wird.

Das Krankheitsbild der Myopathie beim Pferd

Die atypische Weidemyopathie ist eine Störung des Muskelstoffwechsels. Der Giftstoff Hypoglycin A aus dem Samen und den Keimling des Bergahorns hemmt den Fettstoffwechsel. Er versorgt die Muskelzellen des Pferdes nicht mehr mit ausreichend Energie. Durch diese Muskelerkrankung werden die Muskeln der Pferde werden lahm.

Die Weidemyopathie-Symptome

Nach der Aufnahme des Ahorns dauert es ein bis zwei Tage, bis die Symptome auftreten. Oft ähneln die Anzeichen einer beginnenden Kolik. Für Pferdehalter aber auch Tierärzte ist es schwierig, die Krankheit auf den ersten Blick zu erkennen. Auf die Vergiftung mit Bergahorn reagieren Pferde zudem sehr unterschiedlich. Mittlerweile ist sogar anzunehmen, dass das Gift auch über Trinkwasser aufgenommen wird. Samen sowie Keimlinge kontaminieren die Tränken.

Pferdebesitzer sollten jedoch auf folgende typische Weidemyopathie-Symptome achten:

  • Steifheit
  • Schwäche / Muskelschwäche
  • Schwitzen
  • Erhöhte Herz- und Atemfrequenz
  • Depression
  • Schlundverstopfung
  • dunkler Urin

Wie können sich Pferdebesitzer schützen?

Erste Abhilfe können Pferdebesitzer mit dem Anbieten von frischem Trinkwasser schaffen – denn die Pferde nehmen das Gift auch über stehendes Wasser auf. Ein zusätzliches Angebot an Raufutter kann dafür sorgen, dass die Pferde die Flügelfrucht oder den Keimling nicht aufnehmen. Wichtig ist, dass die Pferde maximal sechs Stunden auf der Weide stehen. Die Umgebung der Weide sollte auf Ahorn abgesucht und Keimlinge schnell beseitigt werden. Sicher ist sicher: Gegebenenfalls sollten Weiden für Pferde gesperrt oder Bäume abgeholzt werden.

Schnelle Behandlung bei atypischer Weidemyopathie

Kommt es zu einer Myopathie bei Ihrem Pferd ist schnelles Handeln gefragt. Der Tierarzt kann erkrankten Pferden mittels Infusionen von Elektrolyten und Zucker, Gabe von Schmerzmitteln und Verabreichung von Vitaminen und Antioxidantien helfen. Die Prognose hängt von der Schwere der Erkrankung ab. So lange die Pferde noch Stehen können, kann eine vollständige Heilung erfolgen.

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