Pferd am Tablet.
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Pferde am Tablet: Was Touchscreens über ihr Denkvermögen verraten

01.04.2026

Pferde gelten als lernfähige und sozial intelligente Tiere. Sie reagieren auf feinste Körpersignale, können sich Abläufe merken und enge Bindungen zu Menschen aufbauen. Doch wie Pferde denken, lässt sich im Alltag nur schwer objektiv erfassen. Häufig werden die Tiere vom Menschen beeinflusst, ohne dass es diesem bewusst sein muss.

Genau hier setzt ein vergleichsweise neuer Forschungsansatz an: Mithilfe von Touchscreens lassen sich die kognitiven Fähigkeiten von Pferden ohne menschliche Einflussnahme untersuchen. Erste Studien liefern spannende Beobachtungen zum Denkvermögen bei Pferden.

Wenn Pferde den Bildschirm bedienen

Bei einer Pilotstudie aus dem Jahr 2022 hatten fünf Garrano-Pferde die Aufgabe, fünf Buchstaben (O, B, X, V, Z) auf einem Touchscreen zu unterscheiden. Die Tiere lernten zunächst, mit der Nase Symbole auf einem Bildschirm zu berühren. Anschließend sollten sie aus zwei verschiedenen Buchstaben den richtigen wählen. Durch ein automatisiertes System konnte eine Einflussnahme durch den Menschen ausgeschlossen werden.

Vier von fünf Pferden meisterten diese Aufgabe erstaunlich zuverlässig. Die durchschnittliche Erfolgsquote lag bei rund 80 %. Besonders aufschlussreich war jedoch die Fehleranalyse. Die Pferde machten ihre Fehler anscheinend nicht zufällig. Sie zeigten dabei spezifische Muster. Buchstaben mit runden Formen (O und B) verwechselten sie eher miteinander. Buchstaben mit geraden Linien (Z, V, X) wurden ebenfalls häufiger untereinander vertauscht. Das deutet darauf hin, dass die Tiere Formen anhand grundlegender Merkmale wie Krümmung oder Geradlinigkeit erkennen und einordnen können.

Einordnung der Pilotstudie

Die Autoren und Autorinnen der Studie interpretieren die Studienergebnisse als Hinweis darauf, dass Pferde über Fähigkeiten zur visuellen Kategorisierung verfügen. Das bedeutet, sie können Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Formen erkennen. Diese Fähigkeiten sind auch bei anderen Tierarten bekannt. Gleichzeitig zeigte die Studie, dass Touchscreen-Methoden sich eignen, um kognitive Fähigkeiten von Pferden zu untersuchen.

Wichtig ist eine differenzierte Betrachtung. Bei einer Pilotstudie geht es in erster Linie darum, Methode, Versuchsaufbau und Fragestellung zu testen. Die Stichprobe ist mit nur fünf Tieren sehr klein. Deshalb ist die Aussagekraft stark begrenzt. Allgemeine Schlüsse können nicht gezogen werden. Die Studie erkundet eher, als dass sie überprüft. Aus diesem Grund liefert sie zwar interessante Beobachtungen und Hinweise, aber keine belastbaren Ergebnisse. Dafür wären größere, kontrolliertere Folgestudien nötig.

Wenn Pferde durch Touchscreens „mitreden“ dürfen

Noch spannender wird es, wenn Touchscreens zu Kommunikationszwecken genutzt werden. Eine Studie aus dem Jahr 2016 ging diesen Schritt. Hier wurden 23 Pferde darauf trainiert, mit Hilfe von Symboltafeln mitzuteilen, ob sie eine Decke tragen möchten oder nicht.

Das Training erfolgte in kurzen täglichen Einheiten und war in mehrere aufeinander aufbauende Schritte gegliedert. Innerhalb von 14 Tagen haben alle Pferde die Aufgabe erfolgreich erlernt.

Einordnung der Kommunikationsstudie

Die Tiere schienen ihre Entscheidungen nicht zufällig zu treffen. Bei kaltem oder regnerischem Wetter wählten sie deutlich häufiger das Symbol für „Decke anlegen“. Bei milden Bedingungen verzichteten sie öfter darauf.

Die Autoren und Autorinnen schlossen aus den Ergebnissen: Pferde können lernen, visuelle Symbole gezielt zur Kommunikation einzusetzen. Außerdem scheinen die Tiere zu verstehen, dass eine Decke ihnen je nach Wetter mehr Komfort bietet.

Was bedeuten die Ergebnisse der Touchscreen-basierten Studien?

Welche Erkenntnisse lassen sich zusammenfassend aus den Touchscreen-Studien ableiten?

Sie legen nahe, dass die getesteten Pferde:

  • visuelle Reize differenziert wahrnehmen können
  • Muster erkennen und kategorisieren können
  • durch Training Symbole gezielt zur Kommunikation nutzen können

Bei der Interpretation ist jedoch Vorsicht geboten. Die Ergebnisse zeigen nicht, dass Pferde Sprache im menschlichen Sinne verstehen oder über ein abstraktes Symbolverständnis verfügen. Auch lässt sich nicht ableiten, dass Pferde in der Lage sind, komplexe Gedanken über Touchscreens auszudrücken.

Ein Blick in die Zukunft von Pferdestudien mit Touchscreens

Die Nutzung von Touchscreens in Studien mit Pferden hat einen entscheidenden Vorteil: Sie eliminiert menschliche Einflussfaktoren. So lässt sich untersuchen, wie Pferde denken, unabhängig von Signalen eines Menschen. Der Ansatz ist geeignet, um die kognitiven Fähigkeiten und Grenzen von Pferden objektiv zu erforschen.

Perspektivisch könnten Studien mit größeren Stichproben und kontrollierten Versuchsbedingungen aufschlussreiche Erkenntnisse hervorbringen. Laut den Autoren und Autorinnen der Pilotstudie ließe sich beispielsweise testen, ob Pferde Mitglieder ihrer Herde anhand von Portraits erkennen.

Möglicherweise sind Touchscreens in Zukunft sogar mehr als nur ein Forschungswerkzeug. Sie bieten auch die Option, Tiere aktiv in Entscheidungen einzubeziehen. Wenn Pferde etwa ihre Bedürfnisse gezielt kommunizieren, würde das neue Wege für Haltung und Umgang eröffnen.

Zu einer verantwortungsvollen Pferdehaltung gehört neben einem Verständnis für die Bedürfnisse der Tiere auch eine finanzielle Absicherung für den Ernstfall. Die Pferdeversicherungen der Uelzener bieten Schutz, wenn es darauf ankommt.

Fazit

Touchscreen-Studien geben spannende Einblicke in das Denkvermögen von Pferden. Sie liefern Hinweise, dass Pferde differenzierter wahrnehmen und lernen können, als lange angenommen wurde. Doch die bisherigen Ergebnisse haben nur eine eingeschränkte Aussagekraft. Sie müssen erst durch größere, systematische Studien bestätigt werden.

Dennoch sind Touchscreens ein vielversprechendes Hilfsmittel in der Forschung. Sie ermöglichen es, das Denkvermögen von Pferden objektiv zu untersuchen. Irgendwann können sie vielleicht sogar dabei unterstützen, in Haltung, Umgang und Pflege noch stärker auf die Bedürfnisse von Pferden einzugehen.

FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Thema Pferde-Studien mit Touchscreens

Sind die Ergebnisse von Touchscreen-Studien auf alle Pferde übertragbar?

Pferde unterscheiden sich voneinander, abhängig von ihrer Rasse, ihrem Wesen, ihrer Haltung und Ausbildung. Deshalb ist bei der Interpretation der Ergebnisse Vorsicht geboten. Einzelne Studien können interessante Hinweise liefern, aber nicht belegen, dass jedes Pferd über dieselben Fähigkeiten verfügt. Dafür wären deutlich größere und kontrolliertere Studien nötig.

Gibt es Unterschiede zwischen den Pferderassen in Bezug auf ihre Lernfähigkeit bei kognitiven Aufgaben?

Die Kommunikationsstudie aus 2016 liefert Hinweise auf eine unterschiedliche Lerngeschwindigkeit bei Warm- und Kaltblütern. Jedoch ist die Stichprobe zu klein, um allgemeine Aussagen zu treffen. Es gibt derzeit keine fundierten wissenschaftlichen Vergleiche zwischen verschiedenen Pferderassen in Bezug auf das Lernen mit dem Touchscreen.

Wie beeinflusst die Motivation durch z. B. Futterbelohnung die Ergebnisse solcher Studien?

Motivation ist ein zentraler Faktor in der Tierforschung. Sie beeinflusst maßgeblich, wie gut Tiere Aufgaben lernen und ausführen. In vielen Studien wird mit positiver Verstärkung gearbeitet, häufig in Form von Futterbelohnungen. Diese können die Lernbereitschaft deutlich steigern. Sie bergen aber auch das Risiko, dass Tiere eher auf die Belohnung reagieren und weniger auf die eigentliche Aufgabe achten. Forschende versuchen daher, Trainingsprotokolle so zu gestalten, dass die Tiere die Aufgabe wirklich verstehen und nicht zufällig zum Ziel kommen.

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