Katze liegt erschöpft im Gras.
Tiergesundheit

Schock bei Katzen: Wenn der Kreislauf zusammenbricht

18.02.2026

Ein Schock bei Katzen ist ein Zustand, der plötzlich eintritt und lebensbedrohlich sein kann. Der Körper ist nicht mehr in der Lage, die Zellen mit ausreichend Blut zu versorgen. Dadurch fehlt ihnen wichtiger Sauerstoff. Ohne medizinische Hilfe kommt es zu einem tödlichen multiplen Organversagen. 

In unserem Artikel erfährst du mehr über die Ursachen und Anzeichen eines Schocks. Außerdem erklären wir dir, wie du im Notfall richtig reagierst.

Was ist ein Schock?

Ein Schock ist keine eigenständige Erkrankung. Es ist eine körperliche Reaktion auf eine akute Belastung. Das kann zum Beispiel eine schwere Verletzung oder ein extremer Flüssigkeitsverlust sein. Der Körper schaltet dann in eine Art Notfallprogramm.

Zuerst wird das Blut aus den Gliedmaßen und äußeren Körperregionen zur Körpermitte transportiert. Das nennt man Zentralisation. Der Zweck dahinter ist, die Versorgung der inneren Organe aufrechtzuerhalten. Was auf den ersten Blick sinnvoll erscheint, führt jedoch zu einer Abwärtsspirale.

In den äußeren Körperregionen werden die Zellen nicht mehr ausreichend durchblutet. Es fehlen ihnen Sauerstoff und Nährstoffe. Gleichzeitig können Giftstoffe und Stoffwechselprodukte nicht mehr herausgeleitet werden. Das führt zu einer Übersäuerung. 

Die Übersäuerung hat Auswirkungen auf die Mikroblutgefäße. Sie können das verbrauchte Blut nicht mehr abtransportieren. Es kommt zu einem Blutstau, in dem sich kleine Blutgerinnsel bilden. 

Durch die Entstehung der Blutgerinnsel werden wichtige Blutgerinnungsstoffe verbraucht. Das führt zu Blutungen im Körper. Irgendwann werden auch die lebenswichtigen Organe nicht mehr ausreichend versorgt. Dann bricht der Kreislauf zusammen und es kommt zu einem multiplen Organversagen. 

Was kann einen Schock bei Katzen verursachen?

Ein Schock bei Katzen kann verschiedene Ursachen haben. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Verletzungen mit hohem Blutverlust
  • Innere Verletzungen (Quetschungen durch Kippfenster, Stürze usw.)
  • Starker Flüssigkeitsverlust durch Erbrechen oder Durchfall
  • Vergiftungen (durch Medikamente, Reinigungsmittel o.ä.)
  • Herzerkrankungen
  • Stoffwechselerkrankungen (Schilddrüsenüberfunktion etc.)
  • Blutvergiftung

In der Medizin unterscheidet man mehrere Arten von Schocks. Sie haben jeweils verschiedene Auslöser. Bleiben sie unbehandelt, verlaufen sie jedoch immer gleich.

  • Hypovolämischer Schock: Ein hypovolämischer Schock geht mit einem Mangel an Blutvolumen einher. Grund dafür ist ein starker Blut- oder Flüssigkeitsverlust. Auslöser können zum Beispiel schwere Blutungen, Durchfälle und Nierenversagen sein.
  • Distributiver Schock: Bei einem distributiven Schock sind Blut und Flüssigkeit in ausreichender Menge vorhanden. Sie verteilen sich aber auf ein größeres Gefäßsystem. Das passiert, wenn sich die Gefäße weiten oder nicht mehr verengen. Das Blut fehlt dann in wichtigen Körperregionen. Man spricht von einem relativen Volumenmangel. Er kann infolge einer Blutvergiftung (septischer Schock), einer allergischen Reaktion (anaphylaktischer Schock) oder eines Schlaganfalls (neurogener Schock) entstehen.
  • Kardiogener Schock: Ein kardiogener Schock wird durch eine verminderte Herzleistung verursacht. Das Herz befördert dann nicht mehr genug Blut in den Körper. Grund dafür sind Herzerkrankungen wie Herzrhythmusstörungen, Herzklappenfehler oder Herzmuskelverdickungen (HCM). 
  • Obstruktiver Schock: Bei einem obstruktiven Schock sind Blutgefäße blockiert, beispielsweise durch Verstopfung oder Verengung. Das beeinträchtigt den Blutkreislauf. Mögliche Ursachen sind Blutgerinnsel, die den Blutfluss behindern. Der obstruktive Schock ist dem kardiogenen Schock sehr ähnlich. Er muss jedoch völlig anders behandelt werden. 

Gut zu wissen: Ein klassischer Schock hat immer mit einem Sauerstoffmangel in den Zellen aufgrund einer gestörten Durchblutung zu tun. Ein hypoglykämischer Schock ist davon zu unterscheiden. In dem Fall befindet sich nicht genug Zucker im Blut. Das Gehirn wird deswegen nicht mit ausreichend Energie versorgt. Auch wenn sich das ähnlich äußern kann, sind beide Arten voneinander abzugrenzen.

Symptome: Daran erkennst du einen Schock bei der Katze

Bei einem beginnenden Schock ist die Katze noch bei Bewusstsein und ansprechbar. Die Körpertemperatur befindet sich mit durchschnittlich 38 bis 39 °C im normalen Bereich. Allerdings zeigen sich gerötete Schleimhäute. Der Puls ist erhöht.

Im weiteren Verlauf verschlechtert sich der Zustand der Katze. Im Gegensatz zu Hunden kühlen Katzen rapide aus. Die Körpertemperatur sinkt teils auf unter 37 °C.  Im Zuge dessen fallen Herzfrequenz und Blutdruck ab. Auch die Atmung wird flacher. Die Schleimhäute erscheinen grau bis weiß.

Anzeichen für einen fortgeschrittenen Schock:

  • Sinkende Körpertemperatur: Kalte Gliedmaßen und Ohren
  • Blasse Schleimhäute
  • Flache, schnelle Atmung, ggf. Hecheln
  • Sinkender Blutdruck und Puls
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Zunehmende Schwäche und Apathie
  • Bewusstseinstrübung

Zeigt eine Katze Symptome eines Schocks, muss sie umgehend medizinisch versorgt werden. Das bedeutet, Erste-Hilfe-Maßnahmen zu ergreifen und die Tierarztpraxis oder Tierklinik zu verständigen. Ein Schock kann für betroffene Katzen lebensbedrohlich sein. Jede Sekunde zählt.

Erste Hilfe: So reagierst du bei einem Schock richtig

Grundsätzlich gilt: Wenn deine Katze einen Unfall hatte, solltest du sie sofort zum Tierarzt oder zur Tierärztin bringen. Selbst wenn sie körperlich unversehrt zu sein scheint, kann es sein, dass sie innere Verletzungen davongetragen hat. Ein Schock kann auch mit Verzögerung eintreten. Eine medizinische Versorgung ist daher sehr wichtig.

Wenn deine Katze Zeichen eines Schocks zeigt, ergreife folgende Maßnahmen:

  • Hilfe verständigen: Kontaktiere die nächstgelegene Tierarztpraxis oder Tierklinik. Schildere den Vorfall und kündige dich an. So kann man vor Ort schon alles Notwendige für deine Katze vorbereiten. Alternativ kannst du einen mobilen Tiernotdienst rufen. Hier solltest du dich jedoch über die Anfahrtszeit informieren. Eventuell bist du schneller, wenn du deine Katze selbst fährst.
  • Wunden versorgen: Sollte deine Katze verletzt sein, decke die Wunde mit einem sauberen Tuch ab. Bei starken Blutungen hilft ein Druckverband. Dazu legst du eine sterile Kompresse auf die Wunde, fixierst sie mit etwas Mullbinde und legst dann einen Druckgegenstand darauf. Das kann eine geschlossene Mullbindenpackung sein. Anschließend umwickelst du alles straff mit einer elastischen Binde. Solltest du dir das nicht zutrauen, nimm ein sauberes Tuch und übe damit selbst Druck auf die Wunde aus. Achte darauf, nichts abzuschnüren.
  • Behutsam wärmen: Wenn sich deine Katze kalt anfühlt, wickle sie in ein Handtuch oder eine Decke. So bewahrst du sie vor Auskühlung. Verwende auf keinen Fall eine Wärmflasche oder ein Heizkissen. Die Katze sollte nur langsam aufgewärmt werden. Alles andere kann dem Kreislauf stark zusetzen. 
  • Stabil und sicher lagern: Leg deine Katze seitlich und flach hin. Die Hintergliedmaße sollten etwas erhöht lagern. Überstrecke den Kopf leicht und zieh die Zunge aus dem Maul, so dass sie seitlich heraushängt. Fixiere deine Katze, damit sie ruhig liegt. 
  • Transport: Bringe deine Katze so schnell und schonend möglich zur Praxis oder in die Tierklinik. Am besten eignet sich eine geschlossene und gepolsterte Transportbox. Falls möglich, bitte eine weitere Person, dir zu helfen. Sie kann fahren oder deine Katze während der Fahrt im Blick behalten.

Das Wichtigste bei einem Schock ist, dass du handelst und nicht in Panik verfällst. Versuche, Ruhe zu bewahren und fokussiert zu bleiben. So kannst du deiner Katze am besten helfen. 

Schock bei der Katze behandeln

Der Tierarzt oder die Tierärztin wird zunächst Notfallmaßnahmen einleiten. In erster Linie geht es darum, die Katze zu stabilisieren. Dazu gehört zum einen die Gabe von Sauerstoff. Dieser kann über eine Maske oder einen feinen Schlauch verabreicht werden. Bei massivem Blutverlust ist eventuell erst eine Bluttransfusion notwendig. Sonst kann der Sauerstoff im Körper nicht transportiert werden.

Bei einem distributiven oder hypovolämischen Schock erhält die Katze eine flüssigkeitsregulierende Infusion. Das hilft, den Blut- und Flüssigkeitsmangel auszugleichen. In vielen Fällen werden auch Elektrolyte und Schmerzstiller verabreicht. Liegt ein kardiogener Schock vor, wird auf Flüssigkeitsinfusionen verzichtet. Hier besteht die Gefahr, das Herz zu überlasten. Über eine Blutanalyse, ein EKG sowie eine Röntgen- oder Ultraschalluntersuchung lässt sich herausfinden, welche Ursache für den Schock vorliegt. 

Ein weiterer Bestandteil der Notfalltherapie besteht darin, die Körpertemperatur der Katze auf normales Level zu bringen und eventuelle Wunden zu verarzten. Operationen werden erst durchgeführt, wenn der Kreislauf stabil ist.

Ob sich eine Katze wieder vollständig von einem Schock erholt, lässt sich nicht pauschal sagen. Die Prognosen hängen stark davon ab, inwieweit die Organe in Mitleidenschaft gezogen sind. Je schneller die Behandlung erfolgt, desto höher ist die Chance, dass die Katze überlebt und wieder gesund wird. Eine Katzenkrankenversicherung bietet dir im Ernstfall finanziellen Schutz. Sie übernimmt die Tierarztkosten, so dass deiner Katze bestmöglich geholfen werden kann.

Fazit

Wenn eine Katze einen Schock hat, ist das ein absoluter Notfall. Sie braucht so schnell wie möglich tierärztliche Hilfe. Im ersten Schritt geht es darum, den Kreislauf zu stabilisieren und den Körper wieder mit ausreichend Blut und Sauerstoff zu versorgen. Anschließend geht es daran, die Ursache für den Schock zu behandeln. Eine schnelle medizinische Versorgung ist entscheidend, um das Leben der Katze zu retten und Folgeschäden zu vermeiden.

FAQ – häufig gestellte Fragen zum Thema Schock bei Katzen

Kann ein Schock bei Katzen verzögert auftreten?

Ja. Nach einem Unfall oder einer Verletzung kann ein Schock erst später auftreten. Eine tierärztliche Untersuchung deshalb sehr wichtig, auch wenn die Katze zunächst stabil wirkt.

Können ältere Katzen schneller einen Schock erleiden?

Bei älteren Katzen ist der Kreislauf mitunter weniger belastbar. Sie können daher anfälliger für einen Schock sein. Vorerkrankungen erhöhen das Risiko zusätzlich.

Kann eine Katze während eines Schocks bewusstlos werden?

Ja. In einem fortgeschrittenen Stadium des Schocks kann es zu Bewusstlosigkeit kommen.

Müssen Katzen nach einem Schock in der Klinik bleiben?

In den meisten Fällen, ja. Eine engmaschige Überwachung ist wichtig, um Komplikationen frühzeitig erkennen zu können. Parameter wie Blutdruck, Puls und Atemfrequenz werden dabei permanent gemessen.

Wie wichtig ist Ruhe nach einem überstandenen Schock?

Sehr wichtig. Ein Schock ist ein Ausnahmezustand für den Körper. Er braucht Zeit und Ruhe, um sich davon zu erholen.

Kann man einem Schock bei Katzen vorbeugen?

Nicht vollumfänglich. Unfälle, die zu einem Schock führen, können leider immer passieren. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen helfen aber dabei, beispielsweise Herzerkrankungen ausfindig zu machen und zu behandeln. So lässt sich das Risiko für einen kardiogenen Schock reduzieren. 

Kann eine Katze nach einem Schock wieder ganz normal leben?

Wenn der Schock schnell behandelt worden ist und keine Organschäden zurückbleiben, kann eine Katze danach wieder ein normales Leben führen.

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