Ob als Belohnung nach dem Putzen, zur Motivation beim Training oder einfach als kleine Freude zwischendurch – Leckerlis dürfen im Pferdealltag nicht fehlen. Die Auswahl an Snacks im Handel ist groß und hält für so gut wie jeden Vierbeiner etwas Passendes bereit. Doch nicht immer muss es Fertigware sein. Leckerlis fürs Pferd selbst herzustellen, kann richtig Spaß machen und ermöglicht es uns, unserer Zuneigung für unsere Tiere Ausdruck zu verleihen. Schon mit wenigen, einfachen Zutaten lassen sich schmackhafte Leckerlis zubereiten, die für Abwechslung sorgen. In unserem Artikel erfährst du, worauf du bei der Herstellung von Pferdeleckerlis achten solltest. Wir erklären dir, welche Zutaten geeignet sind und welche nicht, und stellen dir fünf Rezepte vor, die einfach umzusetzen sind.
Pferdeleckerlis selber machen: Was dürfen Pferde essen?
Leckerlis sollten aus Zutaten bestehen, die der natürlichen Ernährungsweise von Pferden entsprechen. Dazu muss man wissen, dass Pferde Pflanzenfresser sind und ihr Verdauungssystem auf rohfaserreiche Nahrung ausgelegt ist. Hauptbestandteil ihrer Ernährung sollte Raufutter ausmachen, also Weidegras, Heu oder Stroh. Bei körperlicher Beanspruchung kann zusätzlich Kraftfutter wie Hafer oder Mais verabreicht werden. Im Winter, wenn kein frisches Gras zur Verfügung steht, dient Saftfutter als Ergänzung. Dazu gehören üblicherweise Äpfel, Möhren, Zuckerrüben und Rote Bete. Diese Komponenten eignen sich auch gut für die Zubereitung von Leckerlis. Zum Verfeinern kann man Leinsamen, getrocknete Hagebutten, Kräuter wie Pfefferminze, Brennnessel oder Kamille, Pflanzenöle (Leinsamenöl, Rapsöl etc.), Zuckerrübensirup oder Honig verwenden.
Hier ein Überblick über mögliche Zutaten für Pferdeleckerli:
- Hafer-, Dinkel- oder Hirseflocken
- Vollkornmehl
- Weizenkleie
- Amaranth (gepufft)
- Leinsamen
- Karotten
- Rote Bete
- Pastinaken
- Sellerie
- Fenchel
- Äpfel
- Birnen
- Bananen
- Hagebutten
- Leinsamen-, Raps- oder Kokosöl
- Brennnessel, Kamille, Minze
- Zuckerrübensirup, Honig
Nahrungsmittel, die für Pferde zwar verträglich sind, aber von Natur aus viel Fruchtzucker enthalten, sollten nur in geringen Mengen gegeben werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass getrocknetes Obst wie Apfel- oder Bananenchips einen höheren Zuckeranteil hat als frisches Obst. Grundsätzlich sollte der Kaloriengehalt der Leckerlis in die Gesamtkalorienzufuhr einberechnet werden, um Übergewicht zu vermeiden.
Wichtig ist auch, ausschließlich natürliche und unverarbeitete Zutaten zu verwenden. Industriezucker, Süßstoffe, künstliche Aromen oder Konservierungsstoffe haben in selbstgemachten Pferdeleckerlis nichts verloren.
Tabu für Pferde-Leckerlis sind Lebensmittel, die für Pferde unbekömmlich oder sogar giftig sind. Dazu zählen:
- Steinobst (Pflaumen, Nektarinen, Kirschen usw.): gären stark und können zu Blähungen führen
- Weintrauben: hoher Zuckeranteil
- Ananas: hoher Säureanteil
- Zitrusfrüchte: hoher Säureanteil
- Beeren: zucker- und teils säurehaltig
- Rhabarber: enthält giftige Oxalsäure
- Feigen: hoher Zuckeranteil, gären stark
- Avocados: enthalten giftiges Persin
- Kreuzblütengewächse (Brokkoli, Blumenkohl, Rosenkohl, Kohlrabi etc.): gären stark und sind schwer verdaulich
- Kartoffeln, Tomaten, Paprika: enthalten im rohen Zustand giftiges Solanin
- Ingwer, Radieschen, Meerrettich: magenreizend aufgrund enthaltener Scharfstoffe
- Zwiebeln: enthalten giftige Schwefelverbindungen
- Gurken: enthalten viel Wasser und Cucurbitacine, die u.a. Durchfall auslösen können
- Schokolade: enthalten giftiges Theobromin
Da es sich bei Pferden um Pflanzenfresser handelt, sind sie nicht in der Lage, tierische Proteine zu verdauen. Dementsprechend sind auch Fleisch und Milchprodukte tabu.
Die 5 besten Rezepte für Pferdeleckerlis
Selbstgemachte Pferdeleckerlis sind eine tolle Alternative zu fertigen Snacks aus dem Handel. Zum einen brauchst du nur wenige Zutaten, zum anderen weißt du genau, was drinsteckt, und kannst die Pferdesnacks nach Belieben anpassen. Die folgenden Rezepte sind schnell gemacht und kommen ganz ohne unnötige Zusätze aus.
Rezept #1: Apfelchips
Das brauchst du:
- 3 Äpfel
So gehst du vor:
- Wasche und trockne die Äpfel.
- Entferne mithilfe eines Ausstechers das Kerngehäuse.
- Schneide die Äpfel in hauchdünne Ringe. Am besten geht das mit einer Reibe.
- Verteile die Ringe auf einem mit Backpapier ausgelegten Backblech.
- Trockne die Apfelscheiben bei 80 °C Ober-/Unterhitze für 2 Stunden im vorgeheizten Ofen. Lass die Ofentür dabei leicht geöffnet, damit Feuchtigkeit entweichen kann.
- Lass die Apfelchips vollständig auskühlen.
Rezept #2: Apfel-Kekse
Das brauchst du:
- 175 g ungesüßtes Apfelmus (selbstgemacht oder in Bioqualität aus dem Handel)
- 175 g zarte Haferflocken
- 20 g geschrotete Leinsamen
So gehst du vor:
- Gib alle Zutaten in eine Schüssel und verknete sie zu einem Teig.
- Lass den Teig für 10 Minuten quellen, damit er sich besser formen lässt.
- Lege den Teig auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech und forme ihn zu einem großen Rechteck.
- Backe den Keksteig bei 180 °C Ober-/Unterhitze für etwa 15 Minuten im vorgeheizten Ofen.
- Hole den Teig aus dem Ofen und schneide ihn in kleine Quadrate. Diese zerteilst du nochmals in Dreiecke.
- Backe die Kekse weitere 15 Minuten im Backofen.
- Lass sie im Anschluss vollständig auskühlen.
Rezept #3: Knusper-Cracker
Das brauchst du:
- 1 Tasse Haferflocken (zart oder kernig)
- 1 Tasse Leinsamen (naturbelassen)
- ½ l Wasser
So gehst du vor:
- Gib die Leinsamen zusammen mit dem Wasser in einen Topf und koche sie auf, bis sie schleimig und breiig werden.
- Lass sie dann auf niedriger Stufe 10 bis 15 Minuten lang köcheln.
- Gib die Haferflocken hinzu und vermenge das Ganze, bis ein homogener Brei entsteht.
- Stich mit einem Löffel kleine Häufchen von der Masse ab und setze sie auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech.
- Backe die Kekse bei 180 °C Ober-/Unterhitze für etwa 30 Minuten im vorgeheizten Ofen.
- Lass sie im Anschluss vollständig auskühlen.
Rezept #4: Bananen-Leckerli
Das brauchst du:
- 500 g zarte Haferflocken
- 100 ml Wasser
- 50 g Leinsamen (naturbelassen)
- 4 sehr reife Bananen
So gehst du vor:
- Schäle die Bananen und zerdrücke sie mit einer Gabel.
- Gib Haferflocken, Leinsamen und Wasser hinzu und verknete alles zu einem Teig
- Lass den Teig für 10 Minuten quellen.
- Lege den Teig auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech, forme ihn zu einem großen Rechteck und drücke ihn flach.
- Backe den Keksteig bei 180 °C Ober-/Unterhitze für etwa 15 Minuten im vorgeheizten Ofen.
- Nimm den Teig heraus und schneide ihn in kleine Würfel.
- Backe die Kekse weitere 15 Minuten im Backofen.
- Stelle den Ofen auf 100 °C herunter und lass die Leckerlis 45 Minuten aushärten.
- Stelle den Ofen aus und lass die Leckerlis darin auskühlen.
Rezept #5: Rote-Bete-Cookies
Das brauchst du:
- 300 g Haferflocken (zart oder kernig)
- 350 g Vollkornmehl
- 200 g Zuckerrübensirup
- 100 ml Rote-Bete-Saft
So gehst du vor:
- Gib alle Zutaten in eine Rührschüssel und verarbeite sie zu einem glatten Teig.
- Forme den Teig zu langen Rollen und schneide sie in 2 cm dicke Scheiben.
- Verteile die Scheiben auf einem mit Backpapier ausgelegten Backblech.
- Backe die Leckerlis bei 150 °C Ober-/Unterhitze für etwa 30 Minuten im vorgeheizten Ofen.
- Lass sie im Anschluss vollständig auskühlen.
Wichtig: Durch den Gehalt an Rote-Bete-Saft und Zuckerrübensirup sind die Kekse recht feucht. Aus diesem Grund solltest du sie mindestens eine Woche trocknen lassen, bevor du sie verfütterst. Dadurch verlieren sie an Feuchtigkeit, werden fester und bröckeln nicht so leicht. Zudem knabbern Pferde gerne auf härteren Leckerlis. Abgesehen davon halten sich die Kekse länger, wenn sie komplett durchgetrocknet sind.
Was muss ich beachten, wenn ich meinem Pferd Leckerlis gebe?
Leckerlis sind eine schöne Möglichkeit, dem Pferd eine Freude zu machen. Auch wenn wir unsere Vierbeiner gerne verwöhnen, gilt es, ein paar Verhaltensregeln zu beherzigen:
- Maß halten: Raufutter ist und bleibt die Grundlage der Pferdeernährung. Leckerlis sind dafür kein Ersatz. Ein paar Stück am Tag reichen völlig aus.
Auf die Zutaten achten: Verwende keine Zutaten, die industriellen Zucker, Gewürze oder künstliche Zusatzstoffe enthalten. Auch natürliche Lebensmittel, die für Pferde unverträglich sind, sind tabu. - Individuelle Bedürfnisse berücksichtigen: Pferde mit Stoffwechselerkrankungen (Equines Metabolisches Syndrom, Diabetes etc.) sollten nur zuckerarme Leckerlis bekommen. Verzichte hier auf Honig, Zuckerrübensirup, zuckerreiches Obst und Gemüse. Hat das Pferd Magen-Darm-Probleme, setzt du am besten auf leicht verdauliche Zutaten wie Heucobs oder Karottenflocken.
- Richtig lagern: Selbstgemachte Leckerlis solltest du gut durchtrocknen lassen und in einem luftdicht geschlossenen Behältnis lichtgeschützt aufbewahren. Ist das Innere noch feucht oder kommen die Leckerlis von außen in Kontakt mit Feuchtigkeit, führt das früher oder später zur Schimmelbildung.
Selbst wenn man bei der Fütterung alles richtig macht, kann es passieren, dass Pferde etwas nicht vertragen und medizinische Hilfe brauchen. Eine Pferdekrankenversicherung leistet in solchen Momenten gute Dienste. Sie übernimmt die Kosten für tierärztliche Behandlungen, so dass das Tier bestmöglich versorgt werden kann.
Fazit
Selbstgemachte Leckerli sind ein Ausdruck echter Zuneigung und eine tolle Alternative zu Fertigprodukten aus dem Handel. Viele Rezepte lassen sich schnell zubereiten und enthalten wenige Zutaten, die nicht viel kosten. Zudem besteht die Möglichkeit, selbst kreativ zu werden und Leckerlis herzustellen, die perfekt auf die Vorlieben des Pferdes abgestimmt sind. Wichtig ist, auf natürliche und pferdegerechte Nahrungsmittel sowie auf das richtige Maß zu achten. So bleiben die Leckerlis etwas Besonderes und man kann seinem Vierbeiner etwas Gutes tun.
FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Thema Leckerlis für Pferde
Sind selbstgemachte Leckerlis besser als gekaufte?
Nicht unbedingt – entscheidend sind die Zutaten und deren Qualität. Es gibt viele Hersteller, die hochwertige und natürliche Leckerlis für Pferde anbieten. Das kann jedoch mit einem höheren Preis einhergehen. Selbstgemachte Snacks sind einfach herzustellen und bestehen aus wenigen und günstigen Zutaten.
Was mache ich, wenn mein Pferd nach Leckerlis Durchfall bekommt?
In dem Fall ist es wichtig, keine Leckerlis mehr zu geben und dem Pferd Heu und Wasser anzubieten. Sollte der Durchfall anhalten, muss das Pferd dem Tierarzt oder der Tierärztin vorgestellt werden. Sonst besteht die Gefahr, dass es dehydriert.
Dürfen Pferde Brot oder Brötchen bekommen?
Nein. Neben Roggen- oder Weizenmehl enthalten Brot und Brötchen Backtriebmittel und viel Stärke, die Pferde nicht richtig verdauen können. Stärke wird im Magen-Darm-Trakt zu Zucker umgewandelt und eingelagert, was auf Dauer Stoffwechselprobleme und Übergewicht nach sich ziehen kann.
Was mache ich mit misslungenen oder zu weichen Leckerlis?
Zu weiche Leckerlis enthalten meist eine gewisse Restfeuchtigkeit. Hier kann es helfen, sie nochmals im Ofen nachzutrocknen. Sollten sie auseinanderbrechen, kann man sie als Futterzusatz zerbröseln und unter das Heu mischen.
Kann ich für mein Pferd dieselben Zutaten verwenden wie für Hundekekse?
Viele Zutaten, die Hunde fressen, sind für Pferde unbekömmlich. Dazu gehören insbesondere Produkte, die tierisches Protein enthalten, beispielsweise Joghurt, Eier, Leberwurstpaste und Erdnussbutter.

Nun wünschen wir dir viel Freude beim Nachbacken!
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