Hunde zeigen ihre Liebe auf unterschiedliche Weise. Sie begrüßen uns euphorisch beim Nachhausekommen, folgen uns auf Schritt und Tritt durch die Wohnung und bringen uns ihr Lieblingsspielzeug. Manchmal wird ihre Zuneigung ganz besonders deutlich – etwa wenn sie ihren Kopf auf unseren Schoss legen, uns mit ihren feuchten Nasen anstupsen oder übers Gesicht schlecken.
Eine weitere Form der Liebesbekundung sind Liebesbisse. Dabei knabbern Hunde ihre Menschen mit den Vorderzähnen vorsichtig an. Es fühlt sich an wie ein leichtes Zwicken. In der Hundesprache sind Liebesbisse eine sehr vertrauensvolle Geste. Es handelt sich dabei um ein natürliches Verhalten. Hunde drücken damit unter Artgenossen ihre Zuneigung aus.
Was genau dahintersteckt, erfährst du in diesem Artikel.
Liebesbisse und Cobbing
Liebesbisse sind eine Art von Cobbing. Der Begriff kommt aus dem Englischen. Er leitet sich von corn cobbing ab. Das heißt so viel wie „Mais anknabbern“. So sieht es nämlich aus, wenn Hunde mit ihren Vorderzähnen an Artgenossen, sich selbst, ihrem Menschen, Spielzeug oder einem anderen Gegenstand knabbern.
Cobbing ist ein angeborenes Verhalten. Es tritt schon im Welpenalter in Erscheinung. So versuchen die meisten Hundebabys durch kleine Bisse, mehr Milch von ihrer Mutter zu bekommen. Auch beim Zahnen neigen Welpen zum Cobben. Sie knabbern dann fast alles an, was ihnen in die Quere kommt – manchmal auch die Finger ihres Menschen. Damit versuchen sie, sich Erleichterung zu verschaffen.
Auch bei erwachsenen Hunden zeigt sich das Verhalten. Hier erfüllt es unterschiedliche Funktionen.
- Stressbewältigung: Viele Hunde, die reizüberflutet oder überfordert sind, versuchen sich durch Cobbing zu beruhigen. Das Knabbern hilft ihnen, sich selbst zu regulieren und zu entspannen.
- Suche nach Aufmerksamkeit und Beschäftigung: Manche Hunde fangen an zu knabbern, wenn sie Aufmerksamkeit suchen oder ihnen langweilig ist. Sie senden damit das Signal, dass sie kuscheln oder spielen wollen.
- Fellpflege: Das Cobben dient auch der Fellpflege. Es hilft dabei, lose Haare und Schmutz zu entfernen. Hunde putzen sich auf diese Weise selbst oder gegenseitig.
- Soziale Kommunikation: Hunde beknabbern sich nicht nur bei der Fellpflege, sondern auch beim Spielen und Kuscheln. Das stärkt die Bindung. Außerdem dient es der Beschwichtigung, um Konfliktsituationen zu entschärfen.
Der soziale Aspekt spielt auch bei Liebesbissen eine Rolle. Der Hund möchte seinem Menschen damit zeigen, dass er sich verbunden und zugehörig fühlt. Es ist ein Ausdruck von Fürsorge und Vertrauen.
Liebesbisse vom Hund richtig deuten
Nicht jedes vorsichtige Knabbern ist automatisch eine Liebeserklärung. Hunde cobben aus unterschiedlichen Beweggründen. Es ist daher wichtig zu erkennen, wann es sich um einen Liebesbiss handelt und wann nicht. In dem Zusammenhang sollte man sich die Körpersprache des Hundes näher ansehen.
- Liebesbeweis: Bei einem Liebesbiss knabbert der Hund sanft und behutsam. Der Gesichtsausdruck ist weich, der Körper entspannt. Viele Hunde schließen leicht die Augen oder schauen weg. Damit signalisieren sie, dass sie nicht auf Konfrontation aus sind.
- Spielaufforderung: Das Knabbern mit den Vorderzähnen kann auch als Spielaufforderung gemeint sein. Ein starker Hinweis darauf ist, wenn der Hund beim Knabbern in die Vorderkörpertiefstellung geht. Dabei legt er die Vorderbeine bis zur Höhe der Ellenbogen flach auf den Boden, während er das Hinterteil in die Höhe streckt.
- Angst- oder Stressbewältigung: Ob ein Hund angst- oder stressbedingt knabbert, lässt sich aus der Körpersprache und dem Kontext ableiten. Hat das Tier kurz vorher eine unangenehme oder beängstigende Situation erlebt? Dann ist es sehr wahrscheinlich, dass er nach einem Weg der Selbstregulation sucht. Das Knabbern wirkt dann oft besonders hektisch und exzessiv. Hinzu kommen eine angespannte Körperhaltung, ein verkrampfter Gesichtsausdruck und weit geöffnete Augen (mit sichtbarem Augenweiß).
Die Körpersprache eines Hundes zu deuten, erfordert etwas Übung. Aber je mehr man sich damit beschäftigt, desto leichter fällt es, die Zeichen zu verstehen. Und es lohnt sich allemal. Denn gegenseitiges Verständnis schafft die Basis für eine innige Hund-Mensch-Beziehung.
So reagierst du richtig bei Liebesbissen
Echte Liebesbisse sind ein Kompliment für den Menschen. Der Hund drückt damit seine Zuneigung aus. Aber wie geht man am besten damit um? Das kommt auf die Situation an.
- Positiv erwidern: Wenn die Liebesbisse deines Hundes zärtlich sind und nicht weh tun, kannst du sie positiv erwidern. Dazu streichelst du ihn ruhig oder sprichst ihm sanft zu. Dein Hund wird sich freuen, dass du seinen Liebesbeweis annimmst und ihm Zuneigung zurückgibst.
- Grenzen setzen: Sollte dein Hund zu grob sein, unterbrich ihn. Wichtig ist dabei, nicht schroff, sondern entschieden zu sein. Wenn er bei einem klaren „Nein“ nicht aufhört, stehst du auf und beendest die Situation. Es kann sein, dass dein Hund knabbern muss, weil er überreizt ist oder zahnt. Dann kannst du ihm ein Kauspielzeug als Alternative anbieten.
Wichtig ist, dass du deinen Hund im Blick behältst. Fällt dir auf, dass er vermehrt an sich selbst knabbert und schon kahle Stellen entstehen, solltest du das abklären lassen. In dem Fall kann eine körperliche Erkrankung oder ein psychisches Problem dahinterstecken. Eine Hundekrankenversicherung bietet Schutz vor hohen Tierarztkosten. So kannst du deinen Vierbeiner umfassend untersuchen und behandeln lassen, wenn es nötig ist.
Fazit
Wenn dein Hund sanft und behutsam an dir knabbert, kannst du das als echtes Kompliment verstehen. Es zeigt, dass dein Tier dir vertraut und sich bei dir sicher fühlt. Mit Liebesbissen drücken Hunde ihre Zuneigung aus. Für sie ist dieses Verhalten ganz natürlich und Teil ihrer Kommunikation. Es ist ihre Art zu sagen: Wir gehören zusammen. Liebevoller kann ein Hund seine Verbundenheit kaum zum Ausdruck bringen.
FAQ – häufig gestellte Fragen zum Thema Liebesbisse von Hunden
Knabbern manche Rassen häufiger als andere?
Rassen, die sehr sozial veranlagt sind, haben eine größere Tendenz zum Cobben als Rassen mit einem eher unabhängigen Wesen. Beispiele dafür sind Retriever und Spaniel. Auch Hütehunde wie der Australian Shepherd oder Australian Cattle Dog knabbern häufiger. Sie wurden dazu gezüchtet, Vieh zu treiben. Zu diesem Zweck zwicken sie den Tieren in die Fersen. Das Hüteverhalten zeigt sich mitunter auch beim Menschen und ist unerwünscht.
Sind Liebesbisse für mich gefährlich?
Wenn der Hund vorsichtig mit seinen Zähnen ist, ist das Knabbern nicht gefährlich. Allerdings solltest du offene Hautstellen oder Wunden schützen. Im Hundemaul befinden sich viele Bakterien, die durch das Knabbern leicht übertragen werden und Entzündungen verursachen können.
Können Liebesbisse im Laufe des Lebens häufiger oder seltener auftreten?
Ja. Die Häufigkeit kann sich mit dem Alter ändern. Welpen und junge Hunde zeigen Liebesbisse oft häufiger, weil sie ihre Umwelt stark über das Maul erkunden. Mit zunehmender Reife werden viele Hunde ruhiger. Sie drücken ihre Verbundenheit eher durch Kontaktliegen oder ruhiges Anlehnen aus.
Warum zeigt mein Hund Liebesbisse nur bei mir und nicht bei anderen Menschen?
Liebesbisse setzen ein hohes Maß an Vertrauen voraus. Zu fremden oder weniger vertrauten Personen halten Hunde mehr Abstand. Wenn dein Hund nur an dir knabbert, ist das ein Zeichen für eine besonders enge Bindung.
Sollte man Liebesbisse bei Kindern erlauben?
Nein, zumindest nicht unbeaufsichtigt. Auch wenn Liebesbisse gut gemeint sind, können Kinder sie falsch deuten und Angst bekommen. Zudem ist die Haut von Kindern empfindlicher. Hier ist es sinnvoll, klare Regeln zu setzen und dem Hund Alternativen anzubieten.
Muss man Liebesbisse grundsätzlich unterbinden?
Nein. Solange sie sanft sind und nicht stören, müssen Liebesbisse nicht unterbunden werden. Wichtig ist, dass der Hund seine Grenzen akzeptiert, wenn man das Verhalten nicht möchte.





