Zwei reitende Frauen am Strand.
Erziehung und Training

Training im Sommer: Wie du dein Pferd bei Hitze fit hältst

15.07.2026

Die Sonne steht hoch am Himmel. Die Luft flirrt über dem Reitplatz. Schon nach wenigen Minuten im Sattel bildet sich ein Schweißfilm auf dem Fell deines Pferdes. Du merkst schnell: Deinem Vierbeiner setzt das Training mehr zu als vor ein paar Wochen, als es noch kühler war.

Zwar bietet der Sommer ideale Voraussetzungen für Ausritte und Trainingseinheiten im Freien. Er bringt aber auch Herausforderungen mit sich. Durch die Hitze wird der Kreislauf des Pferdes stärker belastet. Hinzu kommen ausgetrocknete, harte Böden, die Sehnen und Gelenke strapazieren. Lästige Insekten können das Pferd zusätzlich ablenken und stressen.

Damit dein Vierbeiner auch in den Sommermonaten motiviert, fit und leistungsbereit bleibt, solltest du das Training entsprechend anpassen. Wir erklären dir, worauf du dabei achten musst.

Warum der Sommer für Pferde besonders anstrengend sein kann

Der Sommer verlangt unseren Pferden einiges ab. Hohe Temperaturen, veränderte Bodenverhältnisse und das vermehrte Aufkommen von Insekten können ihnen zu schaffen machen.

Sommerhitze

Pferde regulieren ihre Körpertemperatur hauptsächlich über das Schwitzen. Verdunstet der Schweiß auf der Haut, kühlt der Körper ab. Je heißer es ist, desto anstrengender ist dieser Mechanismus für den Organismus. Das merkt man daran, dass das Pferd schneller ermüdet.

Besonders herausfordernd wird es an schwül-heißen Tagen. Bei hoher Luftfeuchtigkeit verdunstet der Schweiß langsamer. Dadurch bleibt die Körpertemperatur länger erhöht.

Bodenverhältnisse

Im Sommer verändert sich der Untergrund. Der Boden trocknet zunehmend aus. Er verliert an Elastizität, wird hart und uneben. Die Stoßkräfte wirken dadurch stärker. Das strapaziert die Sehnen und Gelenke und erhöht das Verletzungsrisiko.

Außerdem entsteht aufgrund der Trockenheit mehr Staub. Dieser kann die Atemwege des Pferdes reizen.

Insektenvorkommen

Sommerzeit ist Insektenzeit. Es treten vermehrt Fliegen, Bremsen und Mücken auf. Das hat zur Folge, dass Pferde nahezu permanent umschwirrt, belästigt und gestochen werden.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Plagegeister durch den Pferdeschweiß noch stärker angezogen werden. Die Kombination aus Wärme und Feuchtigkeit ist für sie besonders attraktiv.

Sommertraining ohne Risiko: Darauf musst du achten

Mit den richtigen Anpassungen beim Training kannst du dein Pferd gut durch die warme Jahreszeit bringen. Wir zeigen dir, worauf es ankommt.

Die Tageszeit

Die Mittags- und Nachmittagsstunden sind für das Pferdetraining denkbar ungünstig. Gegen 12 Uhr steht die Sonne am höchsten. Über den Tag staut sich die Hitze auf. Am späten Nachmittag und frühen Abend werden häufig die Höchsttemperaturen erreicht. Das belastet den Kreislauf des Pferdes und wirkt sich auch auf seine Konzentrationsfähigkeit aus.

Aus diesem Grund eignen sich für das Training folgende Zeiten besser:

  • die frühen Morgenstunden, wenn die Temperaturen noch niedrig sind
  • die späten Abendstunden, wenn die Sonne bereits sinkt und die Luft abkühlt

Der Trainingsort

Wähle eine Trainingsumgebung, in der dein Pferd so wenig wie möglich direkter Sonne und Hitze ausgesetzt ist.

Empfehlenswert sind:

  • Schattige Waldwege: Sie sind spürbar kühler als offene Reitplätze und haben häufig weichere Böden. Für Ausritte oder lockere Trainingseinheiten sind sie gut geeignet.
  • Bewässerte Reitplätze: Regelmäßiges Wässern reduziert die Staubentwicklung und verhindert, dass der Boden vollständig austrocknet.
  • Gut belüftete Reithallen: Reithallen bieten Schutz vor direkter Sonne. Wichtig ist, dass sie gut belüftet sind und sich die Hitze darin nicht staut.

Die Trainingsintensität

Auf langes und intensives Training solltest du bei großer Hitze verzichten. Setze stattdessen auf kurze und klar strukturierte Einheiten.

Folgende Maßnahmen sind dabei wichtig:

  • Konkrete Ziele setzen: Definiere pro Einheit ein klares und überschaubares Ziel, das du mit deinem Pferd erreichen möchtest.
  • Mehrere längere Pausen einbauen: Integriere ausreichend Pausen in das Training, damit sich der Kreislauf deines Pferdes zwischendurch erholen kann.
  • Auf Warnsignale achten: Brich das Training ab, sobald dein Pferd erschöpft wirkt. Mögliche Anzeichen sind übermäßiges Schwitzen, eine sehr schnelle Atmung und nachlassende Konzentration.

Das Warm-up

Das Aufwärmen und Abkühlen spielen im Pferdetraining eine wichtige Rolle. Dabei wird im Sommer gerade das Aufwärmen häufiger vernachlässigt. Das ist jedoch ein Fehler.

Zwar kommt die Muskulatur durch die Hitze schneller auf Betriebstemperatur. Sehnen, Bänder und Gelenke müssen aber trotzdem schrittweise auf die Trainingsbelastung vorbereitet werden.

Beachte dabei:

  • Ausgiebige Schrittphase: Reite dein Pferd mindestens 15 bis 20 Minuten im Schritt am langen Zügel.
  • Sanfte Übergänge: Verzichte zu Beginn auf abrupte Wendungen oder intensive Sprints. Gehe sanft vom Schritt in den Trab und Galopp über, damit sich Sehnen und Bänder auf die Belastung einstellen können.
  • Atmung beobachten: Beobachte die Atmung deines Pferdes und passe das Warm-up daran an. Dein Tier sollte nicht bereits beim Aufwärmen an seine Belastungsgrenze kommen.

Das Cool-down

Das Cool-down ist an heißen Tagen besonders wichtig, um einen Hitzestau zu vermeiden und den Kreislauf nach der Belastung zu stabilisieren.

Achte auf Folgendes:

  • Ausgiebiges Abreiten: Reite dein Pferd so lange im Schritt am langen Zügel, bis sich Atmung und Puls deutlich beruhigt haben.
  • Sattel und Gurt abnehmen: Gurte dein Pferd nach dem Training ab und nimm den Sattel herunter, damit sich keine zusätzliche Hitze darunter staut.
  • Schattenplatz aufsuchen: Bringe dein Pferd zum Abkühlen an einen schattigen, luftigen Ort oder in eine kühle Stallgasse.
  • Mit Wasser kühlen: Kühle Beine und bei Bedarf auch größere Körperbereiche mit Wasser. Beginne vorsichtig und beobachte, wie dein Pferd reagiert.

Trainingsformen für warme Tage

An besonders heißen oder schwülen Tagen solltest du dein Pferd nicht stark körperlich belasten. Hier bieten sich Trainingsformen an, die schonend und trotzdem abwechslungsreich sind.

  • Ausritte im Wald: In schattigen Wäldern herrscht im Sommer häufig ein angenehmeres Mikroklima. Unterschiedliche Untergründe und leichte Steigungen fördern Balance und Trittsicherheit des Pferdes.
  • Abwechslungsreiche Bodenarbeit: Bodenarbeit mit Pylonen oder Stangen, Führtraining oder kleine Parcours bieten geistige Auslastung. So wird das Pferd beschäftigt, ohne sich stark körperlich zu verausgaben.
  • Gelassenheitstraining: Beim Gelassenheitstraining gewöhnt man das Pferd an ungewohnte Reize, damit es im Alltag weniger schreckhaft reagiert. Dabei kann es beispielsweise Flatterbänder oder Regenschirme erkunden. Solche kurzen Übungseinheiten eignen sich gut für warme Tage.
  • Dehnungsübungen: Dehnungsübungen können die Beweglichkeit unterstützen und sind eine sinnvolle Ergänzung zum Training. Bei der sogenannten Möhrchengymnastik wird der Kopf des Pferdes mithilfe eines Leckerlis vorsichtig in verschiedene Richtungen geführt.

Wasser- und Elektrolythaushalt im Blick behalten

Pferde verlieren beim Schwitzen Flüssigkeit und Mineralstoffe. Deshalb ist es wichtig, auf eine ausreichende Wasser- und Elektrolytzufuhr zu achten.

Wasserhaushalt

Damit dein Pferd genügend Flüssigkeit zu sich nimmt, solltest du folgende Punkte im Hinterkopf behalten:

  • Hoher Flüssigkeitsbedarf: Ein ausgewachsenes Großpferd trinkt im Ruhezustand etwa 30 bis 50 Liter Wasser pro Tag. Bei großer Hitze und körperlicher Belastung kann der Bedarf deutlich steigen.
  • Sauberes Wasser: Die Tränken und Wasserbottiche sollten täglich kontrolliert und gereinigt werden. Das Wasser muss sauber und jederzeit frei zugänglich sein.
  • Fließrate automatischer Tränken prüfen: Automatische Tränken können eine zu geringe Wassermenge pro Minute liefern. Deshalb sollte regelmäßig geprüft werden, ob das Pferd ausreichend Wasser aufnehmen kann. Bei Bedarf können zusätzliche Wassereimer angeboten werden.

Elektrolythaushalt

Über den Pferdeschweiß gehen wichtige Mineralstoffe verloren. Bei starkem oder längerem Schwitzen kann es notwendig sein, diesen Verlust auszugleichen.

  • Salzversorgung als Basis: Eine ausreichende Salzversorgung sollte über die Fütterung sichergestellt werden. Ein Salzleckstein kann ergänzend angeboten werden, wird aber nicht von jedem Pferd ausreichend genutzt.
  • Elektrolyte bei starker Belastung: Schwitzt das Pferd sehr stark oder wird es regelmäßig sportlich belastet, können zusätzliche Elektrolyte sinnvoll sein. Die Dosierung sollte an den tatsächlichen Verlust und den Gesundheitszustand des Pferdes angepasst werden.
  • Nur bei gesicherter Wasserversorgung geben: Elektrolyte dürfen nur verabreicht werden, wenn das Pferd jederzeit Zugang zu frischem Wasser hat.

Fazit

Die Sommermonate können für Pferde sehr anstrengend sein. Deshalb ist es wichtig, das Training an Temperaturen, Luftfeuchtigkeit und Bodenverhältnisse anzupassen.

Lange und intensive Einheiten sind bei großer Hitze nicht sinnvoll. Andernfalls können Überlastung, Stress und Erschöpfung die Folge sein. Im Fokus sollte stehen, das Pferd körperlich nicht zu überfordern.

Das kann auch bedeuten, auf die eine oder andere Trainingseinheit zu verzichten. Kopfarbeit, kurze Bodenarbeit und Gelassenheitsübungen sind in solchen Fällen eine gute Alternative. Wer das Wohlbefinden seines Pferdes an die erste Stelle setzt, schafft die Grundlage für einen gesunden und entspannten gemeinsamen Sommer.

FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Thema Pferdetraining im Sommer

Schützt das Abspritzen mit kaltem Wasser das Pferd vor einem Hitzestau?

Das Kühlen mit Wasser kann dazu beitragen, die Körpertemperatur des Pferdes zu senken. Bei deutlich überhitzten Pferden ist es wichtig, größere Körperbereiche wiederholt mit reichlich kühlem Wasser zu übergießen.

Das Wasser muss nicht nach jedem Kühlvorgang sofort mit einem Schweißmesser entfernt werden. Entscheidend ist, das erwärmte Wasser regelmäßig durch frisches, kühles Wasser zu ersetzen und die Kühlung fortzuführen, bis sich Atmung und Körpertemperatur normalisieren.

Zeigt ein Pferd Anzeichen eines Hitzschlags, sollte es umgehend an einen schattigen, luftigen Ort gebracht, intensiv gekühlt und tierärztlich untersucht werden.

Mein Pferd schwitzt im Sommer kaum. Ist das gut oder schlecht?

Schwitzt ein Pferd bei Hitze und unter Belastung kaum oder gar nicht, kann das ein Warnsignal sein. Möglicherweise liegt eine Anhidrose vor, also eine Störung der Schweißbildung.

Betroffene Pferde können ihre Körpertemperatur nicht ausreichend regulieren und überhitzen besonders schnell. Das sollte tierärztlich abgeklärt werden. Die Pferdekrankenversicherung der Uelzener kann vor hohen Kosten schützen, falls eine medizinische Untersuchung oder Behandlung erforderlich wird.

Darf ich mein Pferd im Sommer scheren, um ihm Erleichterung zu verschaffen?

Bei Pferden mit sehr dichtem Fell, starkem Übergewicht oder Erkrankungen wie PPID kann eine Schur im Sommer sinnvoll sein. Sie kann dazu beitragen, dass Wärme besser abgegeben wird und das Pferd nach dem Training schneller trocknet.

Ob und in welchem Umfang geschoren werden sollte, hängt vom einzelnen Pferd ab. Nach einer Schur muss besonders auf ausreichenden Schutz vor Sonne, Insekten und Scheuerstellen geachtet werden.

Sollte ich Elektrolyte direkt vor dem Training füttern?

Elektrolyte können je nach Trainingsumfang vor, während oder nach einer Belastung sinnvoll sein. Entscheidend sind die Schweißverluste, die Dauer der Belastung und die individuelle Versorgung des Pferdes.

Sie sollten nicht pauschal und ohne Bedarf verabreicht werden. Wichtig ist außerdem, dass das Pferd jederzeit Zugang zu ausreichend frischem Wasser hat. Bei Unsicherheiten sollte die Fütterung mit dem Tierarzt, der Tierärztin oder einer qualifizierten Futterberatung abgestimmt werden.

Schadet staubiger Hallenboden der Pferdelunge?

Ja. Feiner Staub kann tief in die Atemwege eindringen und bestehende Atemwegserkrankungen verschlimmern. Bei regelmäßiger Belastung kann er Entzündungen und chronische Atemwegsprobleme begünstigen.

In trockenen Sommermonaten sollte deshalb auf eine ausreichende Bewässerung und Belüftung der Halle geachtet werden. Stark staubige Reitböden sollten bis zur Verbesserung der Bedingungen möglichst nicht genutzt werden.

Auch interessant