Pferd schwitzt stark.
Tiergesundheit

Kreislauf beim Pferd: Funktion, Bedeutung und Risiken

20.02.2026

Ob beim Grasen auf der Weide, beim gemütlichen Ausreiten oder wilden Toben – im Inneren eines Pferdes ist immer Bewegung. Das Herz-Kreislauf-System arbeitet unermüdlich. Mit jedem Herzschlag wird Blut durch den Körper gepumpt. Es versorgt die Zellen mit Sauerstoff und Nährstoffen, damit sie funktionieren. 

Das Herz-Kreislauf-System ist für Pferde daher lebenswichtig. Gerät es aus dem Takt, kann das Folgen für den gesamten Organismus haben. In unserem Artikel erfährst du alles, was du zu dem Thema wissen musst. 

So funktioniert das Herz-Kreislauf-System beim Pferd

Das Herz-Kreislauf-System dient der Versorgung des gesamten Pferdekörpers. Es hält den Blutfluss in Gang, um den Körperzellen Sauerstoff und Nährstoffe zuzuführen. Die brauchen sie, um ihre Funktion zu erfüllen. Gleichzeitig werden über das Blut Hormone transportiert und Stoffwechselprodukte abgleitet. Auch an der Wärmeregulierung des Körpers ist der Kreislauf beteiligt.

Das Herz ist quasi der Motor des Systems. Es ist im Wesentlichen genauso aufgebaut wie das menschliche Herz. Allerdings ist es deutlich schwerer. Ein Pferdeherz bringt etwa 4 Kilogramm auf die Waage. Das Herz des Menschen wiegt zwischen 250 und 300 Gramm. 

Das Herz hat die Aufgabe, Blut in die Lunge und in den Körper zu pumpen. Dazu arbeitet es in einem Wechsel aus Anspannung und Entspannung. Die Phase der Anspannung nennt man Systole. Hier baut sich ein Druck auf, der das Blut vorantreibt. Die Phase der Entspannung ist die Diastole. Hier erschlafft das Herz, so dass Blut einfließen kann. 

Man unterscheidet zwischen Lungenkreislauf und Körperkreislauf.

  • Lungenkreislauf: Im Lungenkreislauf wird das verbrauchte Blut aus dem Körper mit Sauerstoff angereichert. Es fließt in die rechte Herzhälfte und gelangt von dort in die Lunge. Dort gibt es Kohlenstoffdioxid ab und nimmt Sauerstoff auf. Dann fließt es in die linke Herzhälfte.
  • Körperkreislauf: Von der linken Herzhälfte wird das Blut über die Aorta und ein verzweigtes Netz von Arterien in den Körper befördert. Schließlich kommt es in den Kapillaren an. Das sind die kleinsten Blutgefäße. Dort gibt das Blut Sauerstoff und Nährstoffe an die Zellen ab und nimmt Kohlenstoffdioxid auf. Über die Venen gelangt es zur rechten Herzhälfte zurück.

Das Pferdeherz ist zwar schwerer als das des Menschen. Im Verhältnis zum Pferdekörper und der Leistung, die es erbringen muss, ist es jedoch recht klein. Es braucht daher Unterstützung. Diese bekommt es durch den Hufmechanismus.

Hufpumpe zur Unterstützung des Herz-Kreislauf-Systems

Pferdehufe verändern beim Auf- und Abfußen ihre Form. 

  • Auffußen: Beim Auffußen wird der Huf belastet. Dabei weitet sich die Hornkapsel und der Strahl flacht ab. Das Blut wird dadurch in die Lederhaut gezogen.
  • Abfußen: Beim Abfußen wird der Huf entlastet. Die Hufkapsel zieht sich zusammen. Der Strahl nimmt seine Ursprungsform an. Dadurch wird das Blut wieder nach oben gepresst. 

Beim Laufen wirken die Hufe wie eine Art Pumpe. Sie helfen dabei, das Blut aus der Huf- und Beinregion zum Herzen zurückzubefördern. Das entlastet das Herz. Die Hufe werden daher auch als die „vier Herzen“ des Pferdes bezeichnet. 

Der Hufmechanismus funktioniert nur in vollem Umfang, wenn die Hufe gesund sind und keine Eisen tragen. Bei einem Hufbeschlag ist auf eine optimale Anpassung zu achten.  

Herz-Kreislauf-Probleme beim Pferd

Herz-Kreislauf-Probleme sind bei Pferden keine Seltenheit. Sie können unterschiedliche Ursachen haben. 

  • Trächtigkeit: Stuten sind vor allem im letzten Drittel der Trächtigkeit einer großen Belastung ausgesetzt. Der Fötus hat dann bereits ein gewisses Gewicht erreicht. Er drückt auf das Zwerchfell und die Organe. Herz-Kreislauf-Beschwerden sind deshalb nicht unüblich. 
  • Wachstum: Wenn ein Pferd einen Wachstumsschub hat, kann sich das auf den Kreislauf auswirken. Meist gehen solche Phasen schnell wieder vorbei. 
  • Alter: Viele Pferde entwickeln mit zunehmendem Alter Kreislaufprobleme. Das Herz ist nicht mehr so leistungsfähig. Der Körper braucht länger zum Regenerieren.
  • Überanstrengung: Überanstrengung oder mangelnde Kondition können Herz-Kreislauf-Probleme hervorrufen. Das wird beispielsweise sichtbar, wenn untrainierte Pferde mit dem Training starten. Eine langsame Eingewöhnung ist wichtig.
  • Infektion oder Entzündungen: Schwere Infektionen oder Entzündungen können dazu führen, dass sich die Blutgefäße weiten. Dadurch fällt der Blutdruck. Die Organe werden dann schlechter durchblutet. 
  • Starker Flüssigkeitsmangel: Wenn ein Pferd zu wenig trinkt oder viel Flüssigkeit verliert, nimmt das Blutvolumen ab. Dann muss das Herz stärker arbeiten. Zu einer Dehydrierung kann es zum Beispiel nach starker körperlicher Belastung (Schwitzen), starkem Durchfall und Erbrechen kommen.
  • Hoher Blutverlust: Wenn sich ein Pferd schwer verletzt und viel Blut verliert, passiert etwas ähnliches wie bei einer Dehydrierung. Das Blutvolumen sinkt. Der Blutdruck fällt und die Sauerstoffversorgung im Körper bricht ein. 
  • Erkrankungen: Oft sind Herz-Kreislauf-Probleme eine Folge von Erkrankungen. Bei einer Kolik beispielsweise wird der Kreislauf extrem belastet. Das kann in einem lebensbedrohlichen Schock resultieren. Auch Zahnerkrankungen oder Herzerkrankungen wie Herzrhythmusstörungen können hinter Herz-Kreislauf-Beschwerden stecken.
  • Blockaden und Satteldruck: Manche Pferde entwickeln Kreislaufbeschwerden aufgrund von Verspannungen oder Blockaden im Wirbelsäulenbereich. Diese können den Kreislauf belasten. Das gilt auch, wenn Satteldruck entsteht. Ein unpassender Sattel drückt auf Haut, Muskeln und Gewebe. Das beeinträchtigt die Blutzirkulation.
  • Nährstoffmangel: Nährstoffdefizite können Herz-Kreislauf-Probleme begünstigen. Fehlt es dem Pferd an wichtigen Mineralstoffen und Vitaminen, kann sich das zum Beispiel auf die Herzfunktion auswirken. 

Oft sind Herz-Kreislauf-Probleme ein Symptom. Sie zeigen, dass etwas im Körper nicht stimmt. Deswegen sollten sie immer abgeklärt werden. 

Herz-Kreislauf-Probleme bei Hitze und Wetterumschwung

Pferde kommen mit Hitze normalerweise gut zurecht. Sie können ihre Körpertemperatur durch Schwitzen gut regulieren. Bei starker körperlicher Belastung funktioniert das aber nicht mehr so gut. Die Muskeln produzieren dann zusätzlich Wärme. Außerdem besteht die Gefahr der Dehydrierung, wenn das Pferd nicht genug trinkt. Beides ist für das Herz-Kreislauf-System sehr belastend. Im schlimmsten Fall kommt es zu einem Hitzschlag und einem Kreislaufzusammenbruch. Das ist eine absolute Notsituation. Das Tier braucht dann sofort medizinische Hilfe.

Auch bei Wetterumschwüngen haben manche Pferde mit Kreislaufproblemen zu kämpfen. Besonders wenn es vom Spätwinter in den Frühling übergeht. Viele Tiere haben dann noch ihr dickes Winterfell. Es passiert leicht, dass sie überhitzen, wenn die Sonne darauf scheint. 

Kreislaufprobleme beim Pferd erkennen

Wenn ein Pferd Probleme mit dem Kreislauf hat, kann sich das auf unterschiedliche Weise äußern. Oft sind die Anzeichen unspezifisch, so dass eine Einordnung schwerfällt. Mögliche Symptome sind:

  • Kurzatmigkeit
  • Erschöpfung schon nach geringer Belastung
  • Leistungsabfall
  • Bewegungsunlust
  • Abgeschlagenheit
  • Appetitlosigkeit
  • Angelaufene Beine
  • Wasseransammlungen (Ödeme) im Brust- oder Bauchbereich
  • Schwitzen
  • Unsicherer Stand
  • Zittern
  • Blasse bis bläuliche Schleimhäute
  • Apathie

Zeigen sich solche Symptome oder hast du den Verdacht, dass dein Pferd Kreislaufprobleme hat, solltest du das unbedingt tierärztlich abklären lassen. Das ist wichtig, um herauszufinden, ob etwas Ernstes dahintersteckt. Eine Pferdekrankenversicherung bietet Schutz vor hohen Tierarztkosten. So kannst du dein Pferd optimal behandeln lassen.

Herz-Kreislauf-Beschwerden beim Pferd vorbeugen

Herz-Kreislauf-Beschwerden beim Pferd lassen sich nicht zu 100 % ausschließen. Aber du kannst einiges tun, um die Gesundheit deines Pferdes zu unterstützen.

  • Hitzestress vermeiden: an heißen Tagen das Training in die kühleren Tageszeiten legen, Schattenplätze anbieten, für Luftzirkulation im Stall sorgen
  • Stets Wasser bereitstellen: frisches, sauberes Wasser muss jederzeit verfügbar sein
  • Auf ausreichend Bewegung achten: regelmäßige Bewegung ist wichtig für den Kreislauf
  • Belastung langsam steigern: die Kondition des Pferdes berücksichtigen und Überforderung beim Training vermeiden
  • Aufwärmen und Abkühlen nicht vergessen: das unterstützt Herz und Kreislauf
  • Erholungsphasen einplanen: der Pferdekörper muss regenerieren können 
  • Übergewicht vermeiden: ein zu hohes Gewicht belastet Herz und Kreislauf
  • Auf Ernährung achten: eine gute Nährstoffversorgung ist für den Organismus essenziell
  • Gesundheitschecks wahrnehmen: regelmäßige tierärztliche Checks helfen dabei, gesundheitliche Probleme ausfindig zu machen, auch Vorsorge wie Impfung und Parasitenkontrolle gehören dazu

Wichtig ist, dass du Veränderungen an deinem Pferd ernst nimmst und es untersuchen lässt, wenn dir etwas Ungewöhnliches auffällt.

Fazit

Das Herz-Kreislauf-System ist für Pferde genauso wie für uns Menschen lebenswichtig. Es muss zuverlässig funktionieren, damit der Körper seine Aufgaben erfüllen kann. Wenn ein Pferd Kreislaufprobleme hat, kann durchaus etwas Ernstes dahinterstecken. Aber auch wenn nicht, ist das Wohlbefinden des Tieres eingeschränkt. Aus diesem Grund ist es wichtig, den Gesundheitszustand des Pferdes im Blick zu behalten und schnell zu reagieren, wenn sich Veränderungen zeigen.

FAQ – häufig gestellte Fragen zum Thema Kreislauf bei Pferden

Wie hoch ist der normale Ruhepuls eines Pferdes?

Der Ruhepuls liegt bei erwachsenen Pferden zwischen 28 und 44 Schlägen pro Minute. Fohlen haben oft einen höheren Puls.

Wo kann ich beim Pferd den Puls fühlen oder messen?

Gut tastbar ist der Puls an der Unterkieferarterie oder an der Fesselbeuge.

Sind kalte Ohren oder Beine ein Anzeichen für Kreislaufschwäche?

Ja, kalte Körperteile können auf eine gestörte Durchblutung hindeuten.

Was bedeutet es, wenn die Schleimhäute sehr blass sind?

Blasse Schleimhäute sind genauso wie dunkelrote oder bläuliche Schleimhäute ein Warnsignal. Das Pferd sollte umgehend medizinisch untersucht werden.

Wie wirkt sich Fieber auf den Kreislauf aus?

Fieber erhöht den Flüssigkeitsbedarf und belastet Herz und Kreislauf zusätzlich.

Warum ist langsames Abkühlen nach dem Training wichtig?

So kann sich der Kreislauf Schritt für Schritt normalisieren. Das ist für das Pferd gesünder.

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