Reitlehrerin unterrichtet Reitschülerin auf weißem Pferd an der Longe, sie hat ihr Hobby zum Beruf gemacht.
Erziehung und Training

Berufe mit Pferden: Vom Hobby zum Beruf

17.08.2022

Egal ob schon von Kind auf oder erst im Erwachsenenalter: Für viele Pferdemenschen ist es ein Traum, das Hobby zum Beruf machen zu können. Wer die Leidenschaft zum Pferd beibehält und zu seinem Broterwerb macht, kann unter anderem Tierärzt:in, Pferdewirt:in oder Hufschmied:in werden. Ganz richtig gelesen: Die Bandbreite, wie man mit einem Pferd arbeiten kann, umfasst weit mehr als Reiten und Stallarbeit.

Sieht man ein Pferd auf der Weide stehen, denkt man gar nicht daran, wie viele Menschen regelmäßig rund um dieses Tier arbeiten. Jemand muss das Pferd versorgen, damit es immer ausreichend Futter, Wasser und einen sauberen Stall hat. Für seine Gesundheit sind Tierärzt:innen zuständig. Die Hufe überprüfen wiederum ein:e Schmied:in oder Hufpfleger:in. Und dann wird das Tier ja auch zu einem Zweck gehalten – sei es beispielsweise entspanntes Reiten, Zucht oder Leistungssport. Auch hier gibt es Trainingsstunden, Anleitungen und Vorbereitungen, für die eine oder mehrere Personen verantwortlich sind.

Auf ein Pferd kommen somit schnell einige Menschen, die regelmäßig mit dem Tier zusammen sind, weil sie ihrem Beruf nachgehen. Gemeinsam haben sie alle, dass sie im Laufe ihrer Ausbildung einiges über Pferde gelernt haben, damit sie bestmöglich mit ihnen arbeiten können.

Die Arbeit als Pferdewirt:in – von der Ausbildung bis zum Meister

Der umfassendste Beruf mit Pferden ist die Arbeit als Pferdewirt:in. Vor Beginn der dreijährigen Ausbildung sollte man sich bereits Gedanken über eine Spezialisierung machen. Pferdewirt:innen vertiefen ihr Wissen grundsätzlich in einem von fünf Bereichen:

  • Klassische Reitausbildung: Später arbeiten diese Menschen meist als Reitlehrer:innen oder Trainer:innen im Turniersport. Auch das Einreiten von Pferden als Bereiter:in sowie die Ausbildung eines Lehrpferdes sind mögliche Berufsfelder.
  • Pferdehaltung und Service: Auf diese Vertiefung folgt in der Regel die Arbeit in einer Pferdepension. Auch landwirtschaftliche Betriebe können Jobs in diesem Bereich bieten.
  • Pferderennen: Auch Pferderennen sind ein vielschichtiges Arbeitsfeld. Neben der direkten Arbeit an Renntagen zählt auch die Beurteilung von Pferden zu diesem Tätigkeitsfeld.
  • Pferdezucht: Pferdezüchter:innen kümmern sich um alle Schritte von der Befruchtung und der Aufzucht bis zur Pflege der Fohlen. Über mehrere Pferdegenerationen kann so ein bedeutsamer Stammbaum entstehen. Diese Arbeit findet meist in Gestüten oder Deckstationen statt.
  • Spezialreitweisen: Neben der klassischen Reitausbildung werden hier auch Stile wie das Westernreiten und das Reiten von Gangpferden vermittelt.

In den ersten beiden Ausbildungsjahren lernen alle Auszubildenden die Grundlagen im Umgang mit Pferden. Im dritten Jahr folgen dann die vertiefenden Inhalte. Voraussetzung für die Ausbildung zu Pferdewirt oder -wirtin sind gute Reitkenntnisse und einige Erfahrung mit Pferden. Zusätzlich ist zudem in der Regel mindestens ein anerkanntes Reitabzeichen vorzuweisen. Wer die Ausbildung abschließt, erfüllt nach zwei Jahren Berufserfahrung die Voraussetzungen für eine Fortbildung zum Pferdewirtschaftsmeister:in. Diese dauert dann weitere zwei Jahre und berechtigt die neuen Meister:innen selbst auszubilden und beispielsweise einen eigenen Pferdetrieb zu führen. Wenn es so weit ist, kann unser Existenzgründerrabatt dir sicher noch ein Stück weiterhelfen.

Weitere Pferdeberufe im Überblick

Pferdewirt:innen sind vielseitig ausgebildet und in ebenso unterschiedlichen Jobs beschäftigt. Das heißt aber nicht, dass sie alle Tätigkeiten ausführen können, die die artgerechte Pferdehaltung erfordert. Die folgende Übersicht zeigt, mit welchen Menschen aus anderen Ausbildungsberufen Pferdewirt:innen täglich zusammenarbeiten:

  • Hufschmied:innen lernen entweder im Metallbau mit Kernbereich Hufbeschlag ihr Handwerk und machen einen anschließenden Lehrgang oder starten in anderen Fachrichtungen und schließen eine zweijährige Weiterbildung an. In der Regel erfolgt das Ende der Ausbildung mit der Hufbeschlagsprüfung nach drei bis fünf Jahren. In Folge arbeiten sie meist selbstständig und suchen ihre Kund:innen an unterschiedlichen Höfen auf. Dabei bearbeiten sie die Hufe, passen neue Eisen an und korrigieren Huffehlstellungen. Einige von ihnen bearbeiten auch Barhufer und passen Hufschuhe individuell an. Insgesamt ist die Hufpflege eine körperlich sehr fordernde Arbeit. Ein ausgeprägtes Talent zum Umgang mit Pferden ist nötig, um das Vertrauen des Pferdes zu gewinnen und die Hufe sicher bearbeiten zu können.
  • Wer sich eher um gesundheitliche Aspekte kümmern möchte, kann sich als Tierärzt:in verwirklichen. Das Studium der Veterinärmedizin mit Staatsexamen dauert in der Regel elf Semester. Voraussetzung sind ein gutes naturwissenschaftliches Verständnis und die Bereitschaft, körperlich zu arbeiten. Auch sollte man den Anblick von Blut vertragen können. Schließlich wird man später regelmäßig Untersuchungen und Operationen durchführen oder Erste Hilfe bei einem Pferd leisten müssen. Im Anschluss an das Studium kann eine weitere vierjährige Weiterbildung zum Fachtierarzt oder -ärztin für Pferde erfolgen. Auch eine Spezialisierung in Bereichen wie Pferdechirurgie oder der Betreuung von Pferdesportveranstaltungen ist denkbar. Tierärzt:innen können auch in der Forschung oder im Tierschutz Arbeit finden.
  • Sattler:innen arbeiten hauptsächlich handwerklich mit Leder. Nach einer dreijährigen Ausbildung folgt die Gesellenprüfung. Während die meisten im Fachbereich Fahrzeugsattlerei ausgebildet werden, gibt es auch eine spezielle Ausbildung zur Reitsportsattlerei, die für Pferdeinteressierte spannend sein dürfte. Die Arbeit besteht hauptsächlich darin, für die verschiedenen Pferderücken und Einsatzmöglichkeiten Sättel zu finden und gegebenenfalls anzupassen. Dafür sind genaue Kenntnisse der Pferdeanatomie und der typischen Bewegungsabläufe notwendig. Schließlich soll das Pferd nicht unter Druckstellen oder Verspannungen leiden. Sattelzubehör wird häufig maßgeschneidert hergestellt, weshalb es regelmäßig zu engem Kontakt mit den Tieren kommt.
  • Auch wenn der Beruf durch das Auto stark verdrängt wurde, gibt es heute noch Kutscher:innen. Meist kommen diese über die Ausbildung als Pferdewirt:in im Bereich Haltung und Service in die Branche. Generell ist ein Kutschenführerschein zu empfehlen, aber bisher nicht gesetzlich verpflichtend. Wer allerdings gewerblich Personen transportieren möchte, braucht eine Bescheinigung der Klasse B. Bei ihrer täglichen Arbeit mit Pferden brauchen Kutscher:innen gute Kenntnisse über das Wohlbefinden ihrer Tiere. Darüber hinaus sind sie aber auch für die Organisation der Fahrten und ihre Gäste verantwortlich.
  • Die Arbeit als Reitlehrer:in ist kein Ausbildungsberuf und nicht alle haben die Pferdewirt-Ausbildung abgeschlossen. Stattdessen können erfahrene Reiter:innen Lehrgänge abschließen und so nach und nach die Trainerscheine C bis A erlangen. Dafür werden im Vorfeld allerdings unter anderem die Mitgliedschaft in einem Reitverein, das Reitabzeichen 4 und das Longierabzeichen 5 benötigt. An Reitschulen oder auf Reiterhöfen können diese Menschen dann Reitanfänger:innen sowie fortgeschrittene Reiter:innen ausbilden und im Umgang mit dem Pferd schulen. Sie unterstützen etwa bei der richtigen Hilfengebung beim Reiten und führen ihre Schüler:innen an eine gymnastizierende und gesundheitsbewusste Reitweise heran. Da vor allem Anfänger:innen, häufig Kinder oder Jugendliche, intensive Anleitung benötigen, sind viel Geduld und Einfühlungsvermögen und ein guter Umgang mit Mensch und Pferd wichtig.

Mit dem Pferd seine Berufung finden

Wer sich nichts Schöneres vorstellen kann, als viele Stunden täglich mit Pferden zusammenzuarbeiten, der hat Glück: Je nach Interessenlage tun sich viele unterschiedliche Pferdeberufe auf, zum Beispiel auch als Turnierhelfer:in. Von den verschiedenen Arten, wie man direkt mit den Tieren arbeiten kann, über medizinische Tätigkeiten, bis hin zur handwerklichen Arbeit am Zubehör, sind die Möglichkeiten breit gefächert. Ein grundlegendes Verständnis für die Besonderheiten und das Verhalten von Pferden braucht man in jedem dieser Berufe. Daher ist es ratsam, schon vor dem Einstieg ins Arbeitsleben seine ersten Erfahrungen mit den Tieren zu sammeln.

FAQ: Häufig gestellte Fragen

Welche Ausbildung benötige ich, um mit Pferden zu arbeiten?

Wer die Leidenschaft zum Pferd beibehält und zu einem Broterwerb macht, kann unter anderem Tierärzt:in, Pferdewirt:in oder Hufschmied:in werden. Ein grundlegendes Verständnis für die Besonderheiten und das Verhalten von Pferden braucht man in jedem dieser Berufe. Daher ist es ratsam, schon vor dem Einstieg ins Arbeitsleben seine ersten Erfahrungen mit den Tieren zu sammeln.

Gibt es viele Möglichkeiten mit Pferden zu arbeiten?

Die Berufe rund ums Pferd sind sehr vielfältig. Über medizinische Tätigkeiten bis zur handwerklichen Arbeit am Zubehör sind die Möglichkeiten breit gefächert. Man unterscheidet z. B.: folgende Berufe: Pferdewirt:in, Reiterlehrer:in, Tiermedizinische:r Fachangestellte:r sowie Tierärzt:in, oder Hufschmied:in und Pferdephysiotherapeut:in und viele weitere.

Wie lange dauert die Ausbildung zum Pferdewirt?

Die reine Ausbildungsdauer für Pferdewirt:innen beträgt in der Regel drei Jahre. Vor Beginn der dreijährigen Ausbildung sollte man sich bereits Gedanken über eine Spezialisierung machen. Pferdewirt:innen vertiefen ihr Wissen grundsätzlich in einem von fünf Bereichen: Klassische Reitausbildung, Pferdehaltung und Service, Pferderennen, Pferdezucht und Spezialreitweisen.

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