Pferde begleiten den Menschen seit Tausenden von Jahren. Trotzdem gibt es Dinge, die selbst erfahrene Pferdeliebhaberinnen und -liebhaber nicht über die Tiere wissen. Wie lange schlafen Pferde? Können sie durch den Mund atmen? Oder menschliche Emotionen erkennen? Das und mehr erfährst du in unserer Zusammenstellung der interessantesten Fakten über Pferde.
Die vielfältige Welt der Pferde
Schätzungen zufolge leben auf der Welt über 60 Millionen Pferde. Das umfasst domestizierte Pferde und Wildpferde. Die meisten verteilen sich auf die USA, Mittel- und Südamerika und Asien. Etwa 6 bis 7 Millionen Pferde sind in Europa beheimatet. Hochrechnungen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung zufolge leben davon etwa 1,2 bis 1,3 Millionen in Deutschland.
Eine genaue Erfassung aller Pferde auf der Welt ist schwierig. Das hat vor allem zwei Gründe:
- Meldepflicht: In der EU gibt es eine gesetzliche Meldepflicht für Pferde. Jedes Tier braucht einen Equidenpass, einen Mikrochip und muss in einer Datenbank registriert sein. Außerhalb der EU ist das anders. In vielen Ländern existiert keine Registrierpflicht. Dadurch gibt es keine verlässlichen Zahlen.
- Wildbestände: Der Bestand an Wildpferden ist schwer zu erfassen. Im Gegensatz zu Hauspferden wandern die Tiere und leben oft in extrem weiten, zerklüfteten Landschaften. Auch mit modernen Zählmethoden (bspw. Infrarottechnik) stößt man hier an Grenzen.
In Ländern mit Meldepflicht wie Deutschland weiß man ziemlich genau, wie viele Pferde es gibt. Globale Angaben bleiben jedoch immer nur Schätzwerte.
Auch die Anzahl der Pferderassen lässt sich nicht eindeutig bestimmen. Weltweit werden zwischen 300 und 500 Rassen unterschieden. Die Angaben schwanken so stark, weil nicht alle Zuchtlinien überall als eigenständige Rassen anerkannt sind.
10 spannende und kuriose Fakten über Pferde
Zahlen zu Beständen und Rassen geben einen guten Überblick über die Verbreitung und Vielfalt von Pferden. Aber wusstest du, dass Pferde in vielerlei Hinsicht echte Ausnahmeerscheinungen sind? Einige ihrer Eigenschaften und Verhaltensweisen wirken geradezu kurios.
1. Pferde müssen viel trinken
Im Ruhezustand benötigt ein Pferd etwa 5 Liter Wasser pro 100 Kilogramm Körpergewicht am Tag. Ein 500 Kilogramm schweres Pferd hat somit bereits einen Grundbedarf von 25 Litern täglich. Bewegt sich das Tier oder wird zur Arbeit genutzt, braucht es mindestens 50 Prozent mehr. Eine Stute, die ihren Nachwuchs säugt, trinkt bereits das Doppelte ihres Grundbedarfs. Sie produziert je nach Größe 15 bis 25 Liter Milch pro Tag. Den Flüssigkeitsverlust muss sie zusätzlich zum Eigenbedarf ausgleichen. Bei extremer Hitze oder unter schwerer Belastung erhöht sich der Grundbedarf auf 80 bis 100 Liter am Tag.
2. Pferde müssen ständig fressen
Pferde haben im Vergleich zu ihrer Körpergröße einen relativ kleinen Magen. Der Magen produziert kontinuierlich Magensäure. Um sie zu puffern, muss es regelmäßig Nachschub an Nahrung und Speichel geben. Anderenfalls greift die Säure die Magenwand an. Pferde müssen deshalb kontinuierlich kleine Mengen fressen. Fresspausen dürfen nicht länger als 4 Stunden dauern. Ansonsten steigt das Risiko für Magenschleimhautentzündungen und Magengeschwüre. Regelmäßiges Fressen ist auch für den Darm wichtig. Steht das System still, können gefährliche Koliken entstehen. Eine Kolik-Versicherung bietet im Ernstfall zielgerichteten Schutz. Sie übernimmt die Kosten für Operationen und Behandlungen, wenn das Pferd an einer Kolik erkrankt.
3. Pferde schlafen nur 20 Minuten
Pferde sind Meister im Power Napping. Das liegt in ihrer Natur. Sie schlafen höchstens 20 Minuten am Stück wirklich tief. Dazu müssen sie sich flach hinlegen. In dieser Zeit findet der lebensnotwendige REM-Schlaf statt. Über den Tag verteilt kommen sie so auf 3 bis 5 Stunden echten Schlaf. Zusätzlich dösen sie im Stehen. Dank der sogenannten Spannsägenkonstruktion können sie ihre Muskeln entspannen, ohne dabei umzukippen. So ruhen sie sich aus und sind trotzdem jederzeit fluchtbereit. Wichtig zu wissen: Bei extremem Schlafmangel können Pferde in den Sekundenschlaf fallen und sich im Fall eines Sturzes ernsthaft verletzen.
4. Pferde haben einen Knochen weniger als Menschen
Ein ausgewachsenes Pferd hat 205 Knochen und damit einen Knochen weniger als der Mensch. Diese Zahl ist aber nicht in Stein gemeißelt. Araber beispielsweise haben nur 5 statt 6 Lendenwirbel. Zudem verwachsen bestimmte Knochen im Laufe eines Pferdelebens miteinander. Trotzdem gibt es einen entscheidenden Unterschied: Pferde haben kein Schlüsselbein. Warum? Weil eine starre Knochenverbindung zwischen Vorderbein und Brustkorb bei der Landung nach einem Sprung zersplittern würde. Die Vorderbeine sind deshalb über Muskeln und Sehnen mit dem Rumpf verbunden. Diese „elastische Aufhängung“ wirkt wie ein Stoßdämpfer. Das Pferd kann dadurch enorme Kräfte beim Springen und Galoppieren abfedern, ohne dass das Skelett Schaden nimmt.
5. Pferde erkennen menschliche Emotionen
Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass Pferde menschliche Emotionen erkennen und einordnen können. Sie sind auch in der Lage, Mimik und Tonlage zu verknüpfen. Das belegt eine Studie der Hokkaido-Universität. Pferden wurden Bilder von lachenden oder wütenden Gesichtern gezeigt. Gleichzeitig hörten sie über Lautsprecher eine dazu passende oder widersprüchliche Stimme. Die Pferde reagierten deutlich irritierter und blickten schneller auf, wenn die Stimme nicht zum gezeigten Gesicht passte. Es gab also einen Moment der Erwartungsverletzung. Das beweist, dass Pferde eine Vorstellung von menschlichen Emotionen besitzen und sie nicht isoliert betrachten. Deswegen sollten wir unsere Pferde immer mit einem freundlichen Gesicht und einer freundlichen Stimme loben. Anderenfalls kommt die Botschaft nicht an.
6. Pferde haben ein Panorama-Sichtfeld
Pferdeaugen sind perfekt auf die Bedürfnisse eines Fluchttieres angepasst. Sie liegen seitlich am Kopf und decken ein Sichtfeld von etwa 340 bis 350 Grad ab. Dadurch können Pferde den Horizont fast komplett sehen, ohne den Kopf bewegen zu müssen. Allerdings gibt es zwei tote Winkel: direkt vor der Stirn und direkt hinter dem Körper. Alles, was buchstäblich vor ihrer Nase und im Bereich der Schweifwurzel liegt, sehen sie nicht. Deswegen sollte man sich einem Pferd nicht von vorne oder von hinten nähern. Es kann sonst sein, dass es sich erschrickt und zur Abwehr übergeht.
7. Pferde brauchen ihre Herde
Pferde sind soziale Tiere. Sie brauchen Kontakt zu Artgenossen, um ein glückliches Leben zu führen. In der Herde spielen und fressen sie zusammen. Sie betreiben gegenseitige Fellpflege und wachen übereinander. In der freien Natur umfasst eine Herde etwa zehn Tiere. Darunter sind ein Hengst und mehrere Stuten. Die Junghengste verlassen die Familie nach einiger Zeit. Sie bleiben mit anderen Junggesellen zusammen, bis sie eine eigene Herde gründen. Wird ein Pferd einzeln gehalten, kann es Verhaltensstörungen entwickeln. Fohlen, die isoliert aufwachsen, sind später oft distanzlos, unhöflich oder aggressiv zu Artgenossen. Ihnen fehlt die Sozialisierung in der Herde.
8. Pferde können an Depressionen leiden
Pferde sind hochsensible Wesen und können depressiv werden. Ihre psychische Gesundheit hängt stark von der Art der Haltung ab. Häufige Gründe für Depressionen sind Isolation, Langeweile, fehlende Reize von außen und Unterforderung. Das Pferd verkümmert dann geistig. Erfährt es Gewalt und kann seiner Situation nicht entkommen, schaltet es innerlich ab.
Mögliche Symptome für Depressionen sind:
- Teilnahmslosigkeit
- Starrer Blick
- Gesenkter Kopf
- Unbeweglicher Hals
- Regungslosigkeit
- Stress
- Aggression
- Verhaltensstörungen (Koppen, Weben)
Bei Verdacht auf eine Depression müssen die Haltungsbedingungen und der Umgang mit dem Pferd kritisch in den Blick genommen werden. Auch eine Untersuchung auf körperliche Beschwerden ist notwendig. Hier kann eine Pferdekrankenversicherung nützlich sein. Sie erstattet die Kosten, wenn das Tier medizinische Hilfe braucht.
9. Pferde können nicht durch den Mund atmen
Pferde können nur durch die Nüstern atmen. Das Atmen durch den Mund ist ihnen nicht möglich. Grund ist das lange Gaumensegel. Es legt sich über den Kehldeckel und trennt Mund- und Rachenraum luftdicht voneinander. Dadurch können Pferde beim Grasen tief einatmen, ohne sich zu verschlucken. Das ist allerdings nicht die einzige Besonderheit. Pferde können anatomisch bedingt auch nicht erbrechen. Ein Schließmuskel am Mageneingang verhindert, dass die Nahrung zurückläuft. Daraus leitet sich übrigens das bekannte Sprichwort „Man hat schon Pferde kotzen sehen“ ab. Es nimmt Bezug darauf, dass etwas sehr Unwahrscheinliches passieren kann.
10. Pferde dürfen nicht nach Island eingeführt werden
Es ist verboten, Pferde nach Island einzuführen. Das gilt auch für Islandpferde, die die Insel verlassen haben. Sie dürfen nie wieder zurückkehren. Das Einfuhrverbot wurde bereits im Althing-Gesetz im Jahr 982 nach Christus festgelegt. Das Althing war zur Wikingerzeit eine zentrale Volks- und Gerichtsversammlung, bei der Gesetze beschlossen und Recht gesprochen wurde. Heute ist es das nationale Parlament der isländischen Republik. Zweck des Einfuhrverbots ist, die einheimische Pferdepopulation vor Krankheiten zu schützen. Außerdem sollen Einkreuzungen verhindert werden, um die ursprüngliche Rasse der Islandpferde zu erhalten.
Fazit
Wer sich näher mit Pferden beschäftigt, entdeckt immer wieder Erstaunliches. Die Tiere beeindrucken nicht nur mit Kraft und Eleganz, sondern auch mit ihrem sensiblen Wesen und ihren bemerkenswerten Fähigkeiten. Sicherlich liegt genau darin die Faszination, die Pferde seit Jahrtausenden auf uns Menschen ausüben.
FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Thema spannende Fakten über Pferde
Können Pferde lachen?
Wenn Pferde flehmen, kann es so aussehen, als ob sie lachen. Dabei ziehen sie die Oberlippe hoch und strecken den Hals, um Gerüche besser wahrzunehmen.
Wie weit können Pferde ihre Ohren drehen?
Pferde können ihre Ohren um 180 Grad drehen – und zwar unabhängig voneinander. Möglich machen es 16 einzelne Muskeln. Dadurch können sie Geräusche orten, ohne ihren Kopf zu bewegen.
Wie viele Zähne hat ein Pferd?
Pferde haben mindestens 36 Zähne: 12 Schneide- und 24 Backenzähne. Bei Hengsten und Wallachen können noch bis zu vier Hengstzähne hinzukommen. Manche Pferde haben auch noch ein oder zwei Wolfszähne. Somit sind insgesamt 42 Zähne möglich. Pferdezähne wachsen ein Leben lang. Durch das ständige Kauen nutzen sie sich schnell ab.
Haben Pferde etwas Einzigartiges wie Fingerabdrücke?
Pferde haben sogenannte „Kastanien“. Das sind hornartige Auswüchse an der Innenseite der Beine. Die Form und Struktur der Kastanien sind bei jedem Pferd einzigartig. Vor Einführung des Mikrochips wurden sie deshalb zur Identifizierung genutzt.
Können Pferde Farben sehen?
Ja, aber anders als wir. Pferde sehen dichromatisch. Sie können Blau und Grün gut unterscheiden. Rot sehen sie jedoch als Grauton.
Wie schnell schlägt ein Pferdeherz?
Im Ruhezustand schlägt ein Pferdeherz 28 bis 44 Mal pro Minute. Unter hoher Belastung, Angst oder Stress kann die Frequenz auf mehr als 200 Schläge pro Minute steigen.
Warum können Pferde im Dunkeln besser sehen als wir
Hinter der Netzhaut des Pferdeauges liegt eine reflektierende Schicht, das Tapetum Lucidum. Es wirkt wie ein Restlichtverstärker und wirft das einfallende Licht zurück. Das ermöglicht ihnen eine bessere Sicht bei Dämmerung und schlechten Lichtverhältnissen.
Warum haben Pferde Tasthaare?
An Ober- und Unterlippe sowie an den Augen haben Pferde Tasthaare, sogenannte Vibrissen. Sie sind tief mit den Nerven verbunden. Da Pferde direkt vor ihrer Nase einen toten Winkel haben, „fühlen“ sie ihr Futter und Hindernisse mit diesen Haaren. Ohne Tasthaare ist die Orientierung eines Pferdes massiv eingeschränkt. In Deutschland ist das Abschneiden gemäß Tierschutzgesetz daher verboten.






