Pferd mit Headshaking.
Tiergesundheit

Headshaking beim Pferd: Wenn das Kopfschütteln krankhaft wird

26.03.2026

Als Headshaking bezeichnet man das unkontrollierte Kopfschütteln bei Pferden. In den meisten Fällen handelt es sich um ein krankheitsbedingtes Symptom. Es kann aber auch als Verhaltensstörung (Stereotypie) in Erscheinung treten.

Beim Headshaking gibt es unterschiedliche Schweregrade. Bei manchen Tieren ist das Kopfschütteln nur leicht ausgeprägt und kaum zu erkennen. Andere sind so stark betroffen, dass sie einem hohen Leidensdruck ausgesetzt sind. Sie sind nicht im Sport einsetzbar und können für sich und den Reiter oder die Reiterin eine Gefahr darstellen.

In unserem Artikel erfährst du mehr über die Ursachen des Headshakings. Wir erklären dir, woran du krankhaftes Kopfschütteln bei deinem Pferd erkennst und was du dagegen tun kannst.

Was ist Headshaking?

Dass Pferde den Kopf schütteln, ist nichts Ungewöhnliches. Es gehört zu ihrem natürlichen Verhaltensrepertoire. Sie schütteln zum Beispiel den Kopf, um lästige Insekten abzuwehren. Bei Hengsten ist das Kopfschütteln Teil des Dominanzverhaltens. Sie versuchen damit, zu imponieren und ihre Kraft und Stärke zum Ausdruck zu bringen. Auch bei Stress, Nervosität oder Unbehagen schütteln Pferde manchmal mit dem Kopf.

Headshaking ist davon abzugrenzen. Es tritt plötzlich und ohne ersichtlichen Grund auf. Die Kopfbewegungen können schlagend oder schüttelnd sowie vertikal, horizontal oder rotierend ausgeführt sein. Viele Pferde schnauben oder niesen dabei. Sie versuchen, sich die Nase oder den Kopf zu reiben, etwa am Boden, an der Wand oder an den Vorderbeinen.

Weitere Begleiterscheinungen sind:

  • Klarer oder weißlicher Nasenausfluss
  • Zuckende Gesichtsmuskeln
  • Verzogenes Gesicht (Schmerzausdruck)
  • Spielen mit Lippen oder Zunge
  • Schlagen mit den Hufen
  • Lichtempfindlichkeit
  • Meiden von Wärme und Wind
  • Vermehrter Aufenthalt im Schatten oder in der Box

Schweregrade von Headshaking bei Pferden

Bei manchen Pferden zeigt sich das Kopfschütteln gelegentlich oder in bestimmten Situationen, etwa unter Belastung. Bei anderen tritt es permanent in Erscheinung, sei es beim Reiten, Ruhen oder Grasen.

Neben Häufigkeit und Dauer variiert die Intensität. Das Kopfschütteln kann so leicht ausgeprägt sein, dass man es kaum wahrnimmt. In dem Fall können die Tiere meist weiter geritten und im Sport eingesetzt werden.

Demgegenüber stehen schwere Verläufe mit heftigen Kopfbewegungen. Die Pferde sind dann aus Sicherheitsgründen nicht mehr für den Reit- oder Fahrsport geeignet.

Es können fünf Schweregrade unterschieden werden:

  • Grad 1 (leichtgradig): Symptome sind schwach und selten. Die Gesichtsmuskulatur zittert gelegentlich. Das Pferd ist weiterhin reitbar.
  • Grad 2 (mittelgradig): Symptome zeigen sich wiederholt und unter ähnlichen Bedingungen. Das Reiten ist eingeschränkt möglich.
  • Grad 3 (höhergradig): Symptome treten häufig und deutlich in Erscheinung. Das Pferd kann noch geritten werden, ist aber schwer kontrollierbar.
  • Grad 4 (hochgradig): Die Symptome sind so stark, dass sich das Pferd nicht mehr kontrollieren lässt. Das Reiten ist nicht mehr möglich.
  • Grad 5 (schwergradig): Das Pferd verhält sich auffällig und unberechenbar. Es besteht eine hohe Verletzungsgefahr für das Tier und andere.

Ursachen für Headshaking beim Pferd

Es werden drei Formen von Headshaking unterschieden: eine symptomatische, eine idiopathische und eine stereotype Form.

Symptomatisches Headshaking

Symptomatisches Headshaking bedeutet, dass das Kopfschütteln auf eine bestimmte Erkrankung zurückzuführen ist. Es lässt sich also eine Ursache identifizieren. Beispiele dafür sind:

  • Maul- und Zahnerkrankungen (Geschwüre, Verletzungen etc.)
  • Augenerkrankungen (z.B. Sehschwäche, Grauer Star, Zysten)
  • Erkrankungen der Ohren (Wucherungen, Abszesse, Fremdkörper, Entzündungen)
  • Parasitenbefall im Kopf- oder Ohrbereich (Milben, Zecken)
  • Infekte oder Erkrankungen der Atemwege: Entzündungen der Nasengänge oder Nasennebenhöhlen, Luftsackerkrankungen, Kehlkopferkrankungen
  • Erkrankungen im Kiefer- oder Halsbereich (Arthrose, Entzündungen)
  • Wirbelsäulen- und Rückenprobleme

Idiopathisches Headshaking

Das idiopathische Headshaking kommt am häufigsten vor. Hier ist keine Ursache feststellbar. Es lässt sich also keine Vorerkrankung identifizieren. In der Medizin vermutet man allerdings, dass das idiopathische Headshaking oft durch einen Gesichtsschmerz verursacht wird. Das ist vergleichbar mit der sogenannten Trigeminusneuralgie beim Menschen. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung des fünften Hirnnervs. Er heißt fachsprachlich Nervus trigeminus.

Dieser Nerv hat die Aufgabe, Signale an Gesichtsmuskeln weiterzuleiten. Er versorgt den Bereich der Augen, Schläfen und Nüstern sowie den Ober- und Unterkiefer. Im Fall einer Neuralgie befindet sich der Nervus trigeminus in einem Reizzustand. Dadurch sendet er Schmerzsignale aus. Die Ursachen dafür können unterschiedlich sein. Oft liegt ein Gefäß-Nerv-Konflikt vor. Das bedeutet, dass eine Arterie oder ein anderes Gefäß auf den Nerv drückt und ihn komprimiert.

Eine Trigeminusneuralgie beim Menschen ist von blitzartigen Schmerzen begleitet. Sie kommen intervallartig und können durch Sprechen, Kauen, Luftzüge oder Berührung hervorgerufen werden. Die Schmerzen sind extrem und werden als elektroschockähnlich beschrieben. Bei Pferden ist es genauso.

Stereotypes Headshaking

Bei stereotypem Headshaking handelt es sich um eine Verhaltensstörung. Es ist daher vom idiopathischen und symptomatischen Headshaking abzugrenzen.

Das stereotype Headshaking tritt von allen drei Formen am seltensten auf. Ursachen sind meist Stress und widrige Haltungsbedingungen. Auch Reitfehler und unpassende Ausrüstung wie schlecht sitzende Trensen oder Gebisse können zu Headshaking beim Pferd führen.

Diagnose und Ursachenforschung bei Headshaking

Diagnose und Ursachenforschung bei Headshaking können langwierig sein. Zunächst wird das Pferd auf die Erkrankungen hin untersucht, die am ehesten in Frage kommen. Der Tierarzt oder die Tierärztin beginnt mit einer ausführlichen Anamnese und Bestandsaufnahme. Wenn das Pferd nur in bestimmten Situationen den Kopf schüttelt, können Videoaufzeichnungen hilfreich sein. So kann sich der Arzt oder die Ärztin ein Bild machen, falls das Pferd während der Untersuchung symptomlos bleibt.

Im Regelfall beginnt die Diagnose mit einer klinischen Allgemeinuntersuchung. Dabei werden Herz und Lunge abgehorcht, Fell, Haut, Augen und Ohren kontrolliert, die Körpertemperatur gemessen und die Beine abgetastet. Dem schließt sich eine neurologische Untersuchung an. Dabei prüft der Arzt oder die Ärztin unter anderem die Reflexe. Auch ein Bluttest wird meist vorgenommen.

Abhängig von den Ergebnissen kommen weitere Diagnoseschritte in Betracht:

  • Augenuntersuchungen (Untersuchung von Netzhaut, Hornhaut, Augeninnendruck etc.)
  • Untersuchungen der Maulhöhle und Zähne
  • Endoskopien (obere Atemwege, Ohren)
  • Röntgen, Computertomographie oder Ultraschall des Schädels

Im Normalfall werden immer erst die Untersuchungen durchgeführt, die relativ einfach realisierbar sind und keine Narkose erfordern. Wenn sich jedoch keine Ursache festmachen lässt, kommt man nicht umhin, spezielle und aufwendigere Verfahren anzuwenden. Eine mögliche Methode ist beispielsweise eine Reizmessung am Nervus trigeminus.

Beim idiopathischen Headshaking ist die Diagnose am schwierigsten und umfangreichsten. Es müssen erst alle denkbaren Ursachen ausgeschlossen werden, um eine idiopathische Form festzustellen.

Behandlung von Headshaking bei Pferden

Die Behandlung von Headshaking richtet sich nach der Ursache.

Die stereotype Form lässt sich in den allermeisten Fällen gut in den Griff kriegen. Entscheidend ist, die Haltungsbedingungen zu optimieren, so dass das Pferd artgerecht leben kann. Dazu gehören ausreichend Bewegung, Kontakt zu Artgenossen, eine ausgewogene, gesunde Ernährung und so fort. Ebenso wichtig sind ein rücksichtsvoller Umgang beim Reiten und eine gut sitzende Ausrüstung.

Bei symptomatischem Headshaking geht es darum, die zugrundeliegende Erkrankung zu behandeln. Je nach Auslöser fallen die Heilungschancen und der Therapieaufwand sehr unterschiedlich aus. Zahnprobleme beispielsweise sind meist schnell und gut behandelbar. Anders kann es aussehen, wenn das Pferd ernsthaft an der Wirbelsäule erkrankt ist.

Bei der idiopathischen Form ist keine Ursache feststellbar. Daher bleibt in dem Fall nur eine symptomatische Behandlung. Das gilt auch, wenn man von einer Trigeminusneuralgie ausgeht. Hier gibt es mehrere Möglichkeiten.

  • Medikamente: In der Humanmedizin gibt es Medikamente, die gegen Trigeminusneuralgie erfolgreich eingesetzt werden. Diese finden mittlerweile auch bei Pferden Anwendung. Eine Heilung ist zwar nicht möglich. Es gibt jedoch Fälle, in denen Symptome erfolgreich gelindert werden konnten. Die Medikation hat zwei große Nachteile: Zum einen sind die Präparate sehr teuer. Zum anderen besteht das Risiko von Nebenwirkungen.
  • Neurektomie: Bei einer Neurektomie werden die Nerven, die das Headshaking auslösen, betäubt und durchgeschnitten. Dadurch sind sie praktisch funktionsuntüchtig. Sie können keine Signale mehr weiterleiten. Der Eingriff ist riskant und nicht immer erfolgreich. Deswegen muss sorgfältig abgewogen werden, ob man diesen Schritt gehen will.
  • Alternative Therapieformen: Mitunter werden Nahrungsergänzungsmittel wie Tryptophan oder Magnesium zur Behandlung eingesetzt. Auch Akupunktur kann helfen, Symptome zu lindern.

Headshaking ist zwar nicht immer heilbar. Trotzdem gibt es Möglichkeiten, dem Pferd zu helfen. Eine Pferdekrankenversicherung leistet in solchen Fällen gute Dienste. Sie übernimmt die Kosten für Diagnose und Behandlung, so dass du keine finanzielle Belastung fürchten musst.

Was tun bei licht- und wetterinduziertem Headshaking?

Pferde, bei denen das Kopfschütteln neurologisch bedingt ist, reagieren häufig stärker auf Außenreize wie Licht und Wind. Besonders im Frühjahr und im Sommer sowie an warmen und sonnigen Tagen scheint das Headshaking in Erscheinung zu treten.

Hier können folgende Maßnahmen helfen:

  • Reiten bevorzugt in Dämmerung, bei bewölktem Himmel oder in der Halle
  • Starke Sonne und Wind meiden
  • UV-undurchlässige, abdunkelnde Gesichtsmaske fürs Pferd beim Reiten und auf der Weide
  • Nasennetz fürs Pferd zur Dauerstimulation der Oberlippe und Reizreduktion an den Nüstern, zur Filterung von Wind und Pollen
  • Bei empfindlichem Pferdegebiss auf gebisslose Zäumung wechseln
  • Anatomisch geformte Trensen nutzen, die möglichst wenig auf Genick und Gesichtsnerven drücken
  • Nasenriemen nicht zu eng verschnallen

Schon kleine Anpassungen im Alltag können betroffenen Pferden Erleichterung verschaffen.

Fazit

Headshaking ist ein ernstzunehmendes Problem, denn es kann auf eine tieferliegende Erkrankung hindeuten. Ist der Trigeminusnerv betroffen, geht das mit extremen Schmerzen und einem hohen Leidensdruck einher. Es ist deshalb wichtig, der Ursache auf den Grund zu gehen und das Pferd tierärztlich untersuchen zu lassen. Eine vollständige Heilung ist nicht in jedem Fall möglich. Mit geeigneten Maßnahmen lassen sich die Symptome jedoch oft lindern. Das ist entscheidend, um dem Pferd wieder zu mehr Lebensqualität zu verhelfen.

FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Thema Headshaking beim Pferd

Ist Headshaking eine Verhaltensstörung?

Meistens liegt ein körperliches Problem zugrunde, wobei sich die Ursache nicht immer identifizieren lässt. Headshaking kann in seltenen Fällen aber auch als Verhaltensstörung auftreten. Auslöser dafür sind in der Regel Stress und eine schlechte Haltung.

Kann man Headshaking vorbeugen?

Nicht zu 100 %. Trotzdem sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sehr sinnvoll. Dadurch lassen sich Erkrankungen erkennen, die zu Headshaking führen können.

Sind Nasennetze wissenschaftlich bewiesen wirksam?

Es gibt keine wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit von Nasennetzen. Viele Halter und Halterinnen berichten jedoch positiv davon. Ausprobieren lohnt sich daher.

Können Fliegenfransen bei Headshaking helfen?

Fliegenfransen werden dem Pferd eigentlich um die Stirn gebunden. Man kann sie aber auch als Nasenband verwenden. Sie haben dann einen ähnlichen Effekt wie die Nasennetze, indem sie die Oberlippe dauerhaft stimulieren.

Kann man ein Pferd mit Headshaking reiten?

Das kommt auf den Schweregrad an. Zeigt das Pferd starke, unkontrollierbare Symptome, kann es für sich und andere zu einer Gefahr werden. Bei leichter Ausprägung ist das Reiten weiter möglich. Wichtig ist dabei ein gutes Reizmanagement.

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