Highland Fold Katze mit gefalteten Ohren und kurzen Beinen. Diese Rasse gehört zu den Qualzuchten bei Katzen.
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Qualzucht bei Katzen: Darauf musst du achten

13.04.2023

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Das Thema Qualzucht ist eine etwas heikle Angelegenheit. Eigentlich sind sich wohl alle Tierfreunde einig, dass sie nur das Beste für ihre Haustiere möchten. Trotzdem erfreuen sich Rassen, die als Qualzuchten gelten, nach wie vor großer Beliebtheit. Und natürlich hört niemand gerne, dass sein Liebling einer Qualzucht entspringen könnte, schließlich drückt die Bezeichnung allein schon Leid für den Vierbeiner aus. Doch auch wenn der Gedanke unangenehm ist: Jeder sollte sich im Klaren darüber sein, mit welchen spezifischen körperlichen Beschwerden sein Tier zu kämpfen haben könnte, für welche Gebrechen und Krankheiten es womöglich anfälliger ist und worauf man bei der Haltung achten sollte. Qualzuchten gibt es bei vielen Tierarten, die in verschiedenen Rassen gezüchtet werden, etwa bei Pferden und Hunden, und eben auch bei Katzen. Wir schauen uns einmal genauer an, welche Katzenrassen betroffen sind und woran man eine Qualzüchtung bei Katzen erkennt. 

Welche Katzenrassen gelten als Qualzucht?

Es gibt eine ganze Reihe an Katzenrassen beziehungsweise körperlichen Merkmalen, die als Qualzuchten gelten. Hier eine Übersicht mit problematischen Züchtungen und Beispielen für betroffene Katzenrassen:  

  • Verkürzte Gliedmaßen: Schaut man sich die Munchkin-Katze („Dackelkatze“) an, ist gleich erkennbar, warum die Zucht Probleme mit sich bringt. Durch eine genetische Mutation kommt es zu einer Verkürzung der Beine, wodurch keine für Katzen normalen Bewegungen möglich sind, etwa Springen oder Klettern. Zudem ist das Risiko für Bandscheibenvorfälle und Gelenkbeschwerden erhöht, und die Lebenserwartung fällt gering aus. 
  • Faltohren: Ein bekanntes Beispiel ist die Schottische Faltohrkatze, englisch: Scottish Fold. Diese Katzen leiden an Osteochondrodysplasie, einer fehlerhaften Knorpel- und Gelenkentwicklung. Ins Auge fallen sofort die gefalteten Ohren, da der Knorpel der Ohrmuschel nicht normal ausgeprägt ist, was den Hörsinn beeinträchtigt und zu einer höhten Anfälligkeit für Ohrentzündungen führt. 
  • Kein Schwanz: Katzenrassen mit fehlendem oder nur rudimentär ausgebildetem Schwanz leiden unter einem verminderten Gleichgewichtssinn, was die Koordination beim Springen, Laufen und Klettern eingeschränkt. Zudem ist häufig die untere Wirbelsäule missgebildet, wodurch es zu Knochen- und Gelenkbeschwerden oder sogar Lähmungserscheinungen kommen kann. Betroffen sind beispielsweise die Rassen Manx, Cymric und Bobtail.
  • Großer Kopf, platte Nase: Bekannte Beispiele sind die Perserkatze und die Exotische Kurzhaarkatze. Die charakteristische Physiognomie verursacht allerhand Probleme. So kann die Atmung beeinträchtigt sein und es kann vorkommen, dass die Augenlider nicht ganz schließen, was Augenentzündungen begünstigen kann. Darüber hinaus kommt es bei Persern häufig zu Komplikationen bei der Geburt, wenn die großen Köpfe der Kitten nicht durch den Geburtskanal passen. Das kann einen Kaiserschnitt erforderlich machen.
  • Kein Fell: Nacktkatzen haben kein oder kaum Fell und mitunter keine Tasthaare. Verantwortlich ist ein genetisch bedingtes Problem bei der Keratinbildung, was auch die Entwicklung der Krallen betreffen kann. Nicht nur sind die Katzen aufgrund des fehlenden Fells und der fehlenden Tasthaare in ihrer Orientierung und Kommunikation eingeschränkt, auch sind sie empfindlicher gegenüber Kälte und Sonneneinstrahlung. Beispiele: Sphinx, Kohona, Peterbald
  • Welliges/lockiges Fell: Rex-Rassen, etwa German Rex, Cornish Rex oder Devon Rex, sind durch ein gelocktes oder welliges Fell charakterisiert. Problematisch wird es, wenn auch die Tasthaare gekräuselt und nicht funktionsfähig sind, weil dann der Orientierungssinn beeinträchtigt ist. Einige Rassen haben zudem kein Deckfell. Die Katzen leider unter einer eingeschränkten Wahrnehmung ihrer Umgebung und können sich schlechter orientieren.
  • Weißes Fell: Weiße Katzen leiden häufig unter angeborener Gehörlosigkeit, was auf einen Gendefekt zurückzuführen ist. Etwa jede zweite Katze mit weißem Fell ist von Geburt an taub, besonders oft trifft es Katzen, die zusätzlich blaue Augen haben. Die Taubheit erschwert die Kommunikation und Orientierung für diese Tiere erheblich. Häufig ist auch der Sehsinn betroffen, einige Katzen sind nachtblind. Zudem ist bei Katzen mit weißem oder hellem Fell das Hautkrebsrisiko erhöht. 

Es gibt sogar Katzenrassen, die als Kreuzung zweier betroffener Rassen mit mehreren gesundheitlichen Problemen zu kämpfen haben. Die Pudelkatze geht aus einer Verbindung der Scottish Fold und Devon Rex hervor. Katzen dieser Rasse weisen Anomalien der Hinterbeine auf, weswegen insbesondere ältere Katzen nicht mehr ohne Schmerzen laufen oder sitzen können. 

Wissenswertes zum Tierschutzgesetz gegen Qualzuchten

Bewusst Katzen mit körperlichen Attributen zu züchten, die den Tieren Leid verursachen, ist nicht nur in moralischer Hinsicht problematisch, sondern auch gesetzlich verboten.

Laut Tierschutzgesetz §11b sind Züchtungen untersagt, die zur Folge haben, dass die Tiere Schmerzen leiden oder mit vermeidbaren Schäden zu kämpfen haben, Verhaltensstörungen auftreten oder der Kontakt mit Artgenossen Leiden verursacht.

Eine ausführliche Interpretation des eher schwammig formulierten Gesetzes erfolgte durch die Bundestierärztekammer, die unter anderem folgende Zuchtverbote für konkrete Rassen empfiehlt:

  • Manx, Cymric: wegen fehlendem oder nur in Ansätzen vorhandenem Schwanz
  • Scottish Fold, Highland Fold, Pudelkatze: wegen der gefalteten Ohren bzw. deformierten Ohrmuscheln

Außerdem werden konditionale Verbote empfohlen, um übertriebene, Leid verursachende Züchtungen bei bestimmten Rassen zu vermeiden. Beispielsweise sollten keine Sphinx oder Rex-Katzen ohne Tasthaare gezüchtet werden. Auch sollte bei Rassen wie der Perser-Katze keine extrem kurze Nase angestrebt werden, um etwa Atemprobleme zu vermeiden. Züchtungen weißer Katzen mit Prädisposition für Taub- und Blindheit sollten ebenfalls unterlassen werden.

Qualzüchtungen vermeiden: Eigenverantwortung bei Zucht und Haltung ist gefragt

Der Deutsche Tierschutzbund kritisiert, dass das deutsche Tierschutzgesetz zu vage formuliert ist und die Behörden Verstöße unzureichend verfolgen. Gefordert werden konkrete Regeln und strengere Kontrollen, um unnötiges Tierleid zu verhindern. Tierfreunde können aber das ihrige tun, um Qualzuchten zumindest nicht zu fördern. Das beginnt schon bei der Auswahl der Katzenrasse, wenn man sich dafür entscheidet, eine Samtpfote bei sich aufzunehmen.

Generell sollte man darauf achten, dass bei der Katze keine körperlichen Merkmale herausgezüchtet wurden, die ihr Leid verursachen.

Unabhängig davon empfiehlt sich in jedem Fall der Abschluss einer Katzen-Krankenversicherung, um sich vor hohen Tierarztkosten bestmöglich zu schützen. Denn: Jede Katze kann krank werden oder sich verletzen, egal, welcher Rasse sie angehört. 

Fazit

Klar: Niemand möchte sein Haustier leiden sehen. Umso wichtiger ist es, bei der Anschaffung einer Katze verantwortungsvoll vorzugehen. Idealerweise entscheidet man sich für eine Rasse, die nicht mit Qualzüchtung in Verbindung gebracht wird. Und wenn doch: Am besten eine Katze aus dem Tierheim adoptieren, denn das hat zwei Vorteile. Zum einen kann man einem Tier aus dem Heim ein schönes Zuhause bieten, zum anderen lässt sich so vermeiden, die Zucht weiterer Vertreter der Rasse aktiv zu fördern. 

Wer sich doch für einen Direktkauf beim Züchter entscheidet, sollte sich die Katze ebenso wie die Geschwister- und Elterntiere genau anschauen, um zu überprüfen, dass bei der Zucht die geltenden Tierschutzgesetze eingehalten wurden und keine Qualzucht vorliegt. Achtung: Nicht bei jeder Rasse ist das auf den ersten Blick ersichtlich, unter Umständen lohnt es sich, das ausgesuchte Tier veterinärmedizinisch untersuchen zu lassen.

FAQ – häufig gestellte Fragen zu Qualzucht bei Katzen

Was passiert bei der Qualzucht?

Als Qualzucht bezeichnet man Züchtungen, bei denen bewusst körperliche Attribute angestrebt werden, die den Tieren Leid verursachen oder sie in irgendeiner Form einschränken. Dabei werden genetische Defekte oder Mutationen gezielt weitervererbt, indem betroffene Elterntiere für die Zucht zum Einsatz kommen. 

Woran erkenne ich eine Qualzucht?

Bei Katzen gibt es eine Reihe an Attributen, die auf eine Qualzucht hinweisen können, zum Beispiel:

  • Weißes Fell 
  • Verkürzte Gliedmaßen
  • Großer, runder Kopf mit sehr kurzer Nase
  • Fehlender Schwanz/Stummelschwanz
  • Fehlende Tasthaare
  • Zu viele Zehen an den Pfoten 
  • Gefaltete Ohren

Mit welchen gesundheitlichen Problemen muss ich bei Qualzucht-Rassen rechnen?

Das kommt auf die jeweilige Rasse an. Fehlende Tasthaare, Schwanzlosigkeit, Taubheit und Blindheit schränken vor allem die Orientierung, das Gleichgewicht und die Kommunikation der Katze ein. Katzen mit extrem kurzer Nase leiden häufig unter Beschwerden beim Atmen, während Deformationen im Bereich der Augen und Ohren zu Orientierungsverlust sowie einer Prädisposition für Augen- beziehungsweise Ohrenentzündungen führen können. Es ist essenziell, sich vorab genau über die möglichen gesundheitlichen Probleme einer Katzenrasse zu informieren und die ausgesuchte Katze am besten tierärztlich untersuchen zu lassen, bevor man sich für dieses Tier entscheidet.

Sind Qualzuchten verboten?

Qualzuchten bei Katzen und anderen Haustieren sind in Deutschland verboten, allerdings ist das entsprechende Tierschutzgesetz recht vage formuliert und die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben lässt sich nur schwer kontrollieren. Interessant hier ein Blick ins Ausland: In den Niederlanden wurde vor einigen Jahren ein Gesetz verabschiedet, das ganz konkret die Zucht kurzköpfiger Tiere verbietet. Zwar heißt das nicht, dass beliebte Rassen wie beispielsweise Möpse nun generell verboten sind, aber es wurde eine bestimmte Nasenlänge (mindestens ein Drittel so lang wie der Kopf) definiert. Konkrete Bestimmungen wie diese sind die Grundvoraussetzung, um Qualzuchtverbote durchsetzen zu können, daher gilt die niederländische Gesetzgebung zur Qualzucht als richtungsweisend. Auch ein Haltungsverbot wird in den Niederlanden diskutiert, um zu verhindern, dass sich Fans kurznasiger Rassen einfach Hunde aus dem Ausland beschaffen.

Du interessierst dich für die genetische Beziehung zwischen Mensch und Tier? Dann lies hier alles nach über D.N.A.-Übereinstimmung zwischen Katze und Menschen.

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