zwei Westhigland Terrier liegen betteln vor den Füßen des Herrchens, welches einen Keks in der Hand hält.
Erziehung und Training

Mein Hund bettelt

07.12.2021

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Ein Hund, der – sobald etwas Essbares auftaucht – beharrlich bettelt, kann ganz schön lästig sein. Hunde entwickeln dabei unterschiedliche Strategien. Einige Vierbeiner bedrängen ihre Besitzer:innen ganz unverfroren körperlich und krabbeln fast auf deren Schoß, um dem Essen so nah wie möglich zu kommen. Andere haben sich auf hypnotisierende Blicke spezialisiert, sodass der Mensch sich herzlos und schuldig fühlt, dem armen Tier nichts abzugeben. Besonders beliebt sind diejenigen Bettler, denen beim Anblick des Essens die Kontrolle über den Speichelfluss abhandenkommt. Unabhängig von den verschiedenen Strategien, welche Hunde anwenden, haben die Bettler eine Gemeinsamkeit: Sie haben mit ihrem Verhalten Erfolg oder – und das reicht schon – sie haben damit zumindest ab und an Erfolg gehabt. Hunde sehen das sportlich. Wenn die Chance besteht, dass sie ihr Ziel erreichen, können die felligen Partner recht ausdauernd sein. Und – dies ist ein wichtiger Punkt – das Verhalten des Menschen ist meist so unklar, dass sie gar nicht verstehen, wie unerwünscht die Bettelei ist.

„Ein bisschen betteln gibt es nicht“

Sucht man nach Abhilfe, sollte man sich darüber im Klaren sein, was man wirklich möchte. Ein bisschen betteln geht nicht. Findet man das auch nur ein klitzekleines bisschen süß und rückt von Zeit zu Zeit ein Stückchen Käse raus, dann wird der Hund genau so weitermachen. Ist das Verhalten doch mal nicht erwünscht, reagieren Herrchen und Frauchen meist mit Ablehnung. Gegenüber dem Tier ist dies ein unfaires Verhalten, denn der Vierbeiner versteht diese Reaktion nicht. Hundehalter brauchen also einen eisernen Willen und einen guten Plan, um die Bettelei zu beenden und für Hund und Mensch ein positives Erlebnis zu schaffen.

„Akute Ablehnung des Verhaltens führt zum Gegenteil“

Der Schlüssel hierzu ist das Abfragen eines Alternativverhaltens, das für den Hund Erfolg versprechend ist. Schieben wir den hungrigen Vierbeiner nur entschlossen und bestimmt von uns weg, während wir ihm mitteilen, dass ab heute alles anders läuft, reagiert der Vierbeiner oft mit dem Gegenteil. Er wird den Menschen noch mehr bedrängen. Je mehr wir ihn wegschieben, desto dichter versucht er zu kommen – körperlich und mental! Das Problem ist, dass der Hund auf diese Weise zwar die Ablehnung spürt, aber keine Handlungsalternative erkennt.

„Geduldiges Training lohnt sich“

Viel besser und Erfolg versprechender ist es, eine Alternativhandlung zu verlangen, anstatt ein Unterlassen zu fordern. Man könnte dem Hund zum Beispiel eine Decke bereitlegen und ihn bestimmt, aber freundlich anweisen, sich dort hinzulegen. Liegt er auf der Decke, wird er begeistert gelobt und belohnt – nicht mit Essen vom Tisch, sondern mit Hundefutterbröckchen. In der ersten Zeit muss der Hund noch genau beobachtet und sofort freundlich und bestimmt korrigiert werden. Insbesondere in der Anfangszeit sollte das brave Liegen immer wieder in kurzen Zeitabständen bestätigt werden. Es lohnt sich folglich für den Hund, auf der Decke zu bleiben. Er bekommt Aufmerksamkeit und Belohnung. Das geduldige Training wird sich auszahlen. Die Bestätigungsabstände kann man nach und nach verlängern und irgendwann wird es ausreichen, wenn der Hund einfach neben dem Tisch abgelegt und gelobt wird. Denn jeder Hund möchte ein guter Hund sein und ist glücklich, wenn er seinen Menschen stolz und zufrieden macht. Und dabei muss man ihm manchmal ein bisschen helfen.


 

zur Autorin:

Karen Uecker

Die studierte Juristin beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Ausbildung von Hunden und Pferden. Sie gibt europaweit Kurse, zeigt das Können ihrer Hunde auf Show-veranstaltungen und schreibt erfolgreich Ratgeber zum Training von Hund und Pferd.

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