Treibball ist ein Hundesport, bei dem Köpfchen und Ausdauer gefragt sind. Es geht um Konzentration, Geschicklichkeit, Lauffreude und Teamarbeit. Der Hund lernt, große Bälle gezielt in ein Tor zu bewegen. Dabei orientiert er sich ganz an seinem Menschen.
Das Schöne an dem Sport ist, dass fast jeder Hund mitmachen kann. Ob groß, klein, jung oder alt – das Training lässt sich individuell anpassen. Besonders Hunde, die sich gern auspowern und Aufgaben lösen, blühen bei der Beschäftigung auf.
In unserem Artikel erfährst du alles, was du über Treibball wissen musst.
Zum Hintergrund des Treibballs
Treibball wurde Anfang der 2000er Jahre vom niederländischen Hundeexperten Jan Nijboer erfunden. Nijboer arbeitete ursprünglich als Sozialpädagoge mit schwer erziehbaren Menschen. In den 1980er Jahren widmete er sich der Ausbildung von Assistenz- und Servicehunden. Das führte ihn auf das Gebiet der Hundeerziehung, in dem er bis heute tätig ist.
Natural Dogmanship
Nijboer gilt als Begründer der Erziehungsphilosophie „Natural Dogmanship“. Hier geht es darum, den Hund intrinsisch, also aus sich selbst heraus, zu motivieren. Das gelingt, indem man seinen natürlichen Bedürfnissen entgegenkommt. Auf Anreize von außen (Leckerlis, Streicheln etc.) wird dabei verzichtet.
Der Grundgedanke ist einfach: Hunde kommunizieren ständig. Beim Natural Dogmanship lernen Menschen, die feinen Signale zu verstehen und zu erwidern. Im Mittelpunkt stehen Körpersprache, Ausstrahlung und Präsenz. Der Mensch gibt dem Hund Sicherheit und Orientierung und wird für ihn zum sozialen Vorbild. So entsteht eine feste, nachhaltige Bindung.
Beim Treibball spielt Natural Dogmanship eine große Rolle. Der Hund arbeitet oft auf Distanz und orientiert sich an seinem Menschen. Nur wenn sich dieser klar und verständlich verhält, können beide als Team funktionieren.
Von der Hütearbeit zum Treibball
Die Idee zum Treibball schöpfte Nijboer aus der Hütearbeit. Hütehunde wie Border Collies oder Australian Shepherds wurden über Generationen dafür gezüchtet, Schafe und anderes Vieh zu treiben und die Herde beieinander zu halten. Dabei beobachten sie das Geschehen, bleiben auf Abstand und achten auf die Anweisungen ihres Menschen. Der Treibstoff ist daran angelehnt.
Gespielt wird mit Gymnastikbällen und einem Spieltor. Die Bälle stehen für die Herde, das Tor für das Gatter. Das Spielfeld ist gleichzusetzen mit der Weide.
Aufgabe ist es, die Bälle nacheinander und auf Kommando in das Tor zu treiben. Dabei sind folgende Aspekte wichtig:
- Der Hund bleibt in ständigem Austausch mit seinem Menschen.
- Der Hund bewegt den Ball nur auf Kommando.
- Der Hund bleibt ruhig und denkt mit.
Der Hund darf beim Treibball das tun, was tief in ihm steckt: beobachten, lenken, kontrollieren und im Team arbeiten.
Durch Nijboers Seminare und Bücher verbreitete sich Treibball schnell über die Niederlande hinaus. Heute ist er in vielen Ländern ein anerkannter Hundesport und eine beliebte Beschäftigung für ganz unterschiedliche Hunde.
Die Regeln des Treibballs
Treibball spielt man auf einem 15 x 30 Meter großen Feld. An einem Ende steht ein 3 x 3 Meter großes Tor. Die Anzahl der Bälle variiert zwischen 3 und 8. Je höher die Leistungsklasse, desto mehr Bälle sind auf dem Feld verteilt und desto weiter liegen sie vom Tor weg.
Verwendet werden Gymnastikbälle, die nicht platzen können. Der Durchmesser der Bälle richtet sich nach der Größe des Hundes. Sie dürfen höchstens 5 cm niedriger als die Schulterhöhe des Tieres sein.
Die klassische Spielweise
In der klassischen Spielweise („Classic“) werden die Gymnastikbälle pyramidenförmig gegenüber dem Tor angeordnet. Die Spitze zeigt am weitesten vom Tor weg. Ziel ist es, alle Bälle in einer bestimmten Reihenfolge ins Tor zu befördern. Dazu sind die Bälle durchnummeriert.
Zum Treiben darf der Hund seinen kompletten Körper verwenden. Er kann den Ball mit den Pfoten treten, mit der Schnauze stupsen und so weiter.
Der Hund richtet sich immer nach dem Kommando seines Menschen. Dieser steht während des Spiels im Tor. Er darf seinen Hund durch Rufsignale, Pfiffe oder Handzeichen unterstützen.
Sind alle Bälle im Tor, geht der Hund in seine Endposition. Dann ist das Spiel vorbei.
Die Spielweisen Fetch und Shed
Neben der klassischen Spielweise gibt es bei Turnieren die Varianten „Fetch“ und „Shed“.
- Fetch: Die Bälle sind in unterschiedlichen Entfernungen vor dem Tor angeordnet. Sie liegen so, dass es immer einen freien Pfad zum Tor gibt. Der Hund kann jeden Ball so treiben, dass er keinen anderen Ball berührt.
- Shed: Die Bälle sind beliebig auf dem Spielfeld verteilt. Sie können einzeln oder in Gruppen liegen und sich berühren.
Bei beiden Spielarten sind ebenfalls eine Zeit und eine Reihenfolge vorgegeben.
Wie trainiert man Treibball?
Treibball wird kleinschrittig und mit viel Geduld trainiert. Es geht nicht darum, den Hund schnellstmöglich an den Ball zu bringen. Es geht darum, ihm zu zeigen, wie er mitdenken und handeln soll. Das baut man über mehrere Phasen auf.
- Ruhe und Orientierung: Als Vorbereitung soll der Hund lernen, ruhig zu stehen, Blickkontakt zum Menschen zu halten und auf dessen Körpersprache zu achten. Das ist eine wichtige Basis. Ohne Orientierung funktioniert Treibball nicht.
- Den Ball kennenlernen: Der Hund darf den Ball zunächst einfach kennenlernen. Er soll begreifen, dass davon keine Gefahr ausgeht. Der Hund wird nicht animiert, hineinzubeißen oder den Ball zu jagen.
- Gezielt schieben: Nun lernt der Hund, den Ball kontrolliert anzustupsen. Schon kleine Bewegungen reichen aus. Wichtig ist, dass der Hund nicht hektisch wird. Jede ruhige, bewusste Aktion wird bestätigt. Impulskontrolle ist das A und O.
- Distanzarbeit aufbauen: Schritt für Schritt vergrößert sich der Abstand zwischen Mensch, Hund und Ball. Dadurch beginnt der Hund, sich aus der Entfernung an Körpersprache, Blickrichtung und Position seines Menschen zu orientieren.
- Richtung und Ziel: Der Hund lernt, den Ball zu einem bestimmten Ziel zu treiben. Der Mensch gibt die Richtung vor.
- Pausen und Beobachtung: Es ist wichtig, den Hund genau zu beobachten und ihm Pausen zu gönnen. Wirkt er gestresst oder unkonzentriert, wird abgebrochen.
Treibballtraining ist kein starres Programm, sondern ein gemeinsamer Lernprozess. Jedes Hund-Mensch-Team lernt in seinem eigenen Tempo. Deswegen ist es wichtig, keinen Druck aufzubauen. In erster Linie soll der Sport beiden Spaß machen.
Für welche Hunde eignet sich Treibball?
Treibball eignet sich für unterschiedliche Hunde. Alter, Rasse und Größe sind nicht entscheidend. Wichtiger sind der Charakter und die Freude am körperlichen und geistigen Arbeiten.
Im Gegensatz zu Agility beispielsweise ist Treibball weniger belastend für die Gelenke. Allerdings kann es sein, dass der Hund sich beim Training eine ungesunde Körperhaltung aneignet. Deswegen sollte man gerade zu Beginn unter professioneller Anleitung trainieren.
Was Verletzungen betrifft, ist Treibball kein Risikosport. Trotzdem kann immer mal etwas passieren. Eine Hundekrankenversicherung oder Hunde-OP-Versicherung schützt vor hohen Kosten, wenn der Hund medizinisch behandelt werden muss.
Fazit
Treibball ist eine tolle Möglichkeit, Hunde körperlich und geistig auszulasten. Der Hund darf seine natürlichen Bedürfnisse ausleben und Fähigkeiten einsetzen. Er lernt, sich zu kontrollieren, mitzudenken und auf die Signale seines Menschen zu achten. Der Mensch wiederum wird ruhiger und klarer in seiner Körpersprache. So wachsen beide an ihrer Aufgabe und stärken ihre Bindung.
FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Thema Treibball mit Hund
Warum werden so große Gymnastikbälle verwendet?
Wenn ein Ball bis zur Schulter reicht, kann ihn der Hund schlecht packen. Dadurch neigt er weniger zum Jagen. Die Größe ist auch aus ergonomischen Gründen wichtig.
Muss mein Hund ein Hütehund sein, um Treibball zu mögen?
Nein. Hütehunde haben aufgrund ihrer Genetik meist einen schnellen Zugang zum Treibball. Aber auch andere Hunde können Freude an der Beschäftigung haben.
Ist Treibball auch für unsichere oder überdrehte Hunde geeignet?
Ja. Unsicheren Hunden kann das Training helfen, mehr Vertrauen in ihren Menschen und sich selbst zu gewinnen. Überdrehte Hunde lernen, sich zu konzentrieren und zu kontrollieren. Voraussetzung ist jedoch, dass die Tiere Spaß an dem Sport haben.
Was lernt der Mensch beim Treibball?
Hundehalter oder Hundehalterinnen lernen, geduldig zu sein, klarer in der Körpersprache zu werden und sich selbst zu reflektieren. Treibball zeigt sehr ehrlich, wie verständlich die eigene Kommunikation wirklich ist.
Was tun, wenn mein Hund den Ball anbellt?
Bellen ist oft ein Zeichen von Überforderung oder Aufregung. Dann hilft es, Tempo rauszunehmen und in kleineren, ruhigeren Schritten zu üben.
Ist Treibball eher Beschäftigung oder Erziehung?
Beides. Es ist eine Beschäftigung, die erzieherisch wirkt. Der Hund lernt wichtige Fähigkeiten wie Impulskontrolle, Konzentration und Orientierung am Menschen. Es werden keine klassischen Kommandos abgearbeitet. Stattdessen lernen beide, aufeinander zu achten und miteinander zu kommunizieren. Das wirkt sich positiv auf das Training und den Alltag aus. Viele Hunde werden aufmerksamer, sind ruhiger und besser ansprechbar. Gerade weil Treibball ohne Druck, Zwang und permanente Belohnung auskommt, wird die Hund-Mensch-Beziehung nachhaltig gefördert.


